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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 23.06.2016

Françoise Giroud - Ich bin eine freie Frau
Christina Mohr

Mit Anfang vierzig hat die feministische Schriftstellerin und Journalistin alles erreicht und ist doch buchstäblich todunglücklich. Nach einem gescheiterten Suizidversuch schreibt sie 1960 den autobiografischen Text ...



... "Ich bin eine freie Frau", der erst zehn Jahre nach ihrem Tod entdeckt wird.

Was ist die ultimative Vorstellung von Freiheit? Darüber entscheiden zu können, wann und wie frau das irdische Dasein hinter sich lassen kann. Das ist die Auffassung von Francoise Giroud, eigentlich Lea France Gourdji, Tochter türkischstämmiger Juden, 1916 in Genf geboren, aufgewachsen in Paris. Als Giroud aus dem Leben scheiden will, hat sie in beruflicher und privater Hinsicht vieles erreicht: Sie hatte zwei Kinder, die sie weitgehend allein großzog, machte sich zunächst einen Namen als Drehbuchautorin, kam eher zufällig zum Journalismus und erlebte eine rasante Karriere als Chefredakteurin der Elle. Sie schrieb über Mode und Filmstars ebenso kompetent wie über Politik und Literatur, neben Zeitschriftenartikeln verfasste sie auch Bücher.

Als der renommierte Journalist Jean-Jacques Servan-Schreiber (in Frankreich nur: JJSS) sie 1953 fragt, ob sie mit ihm ein Nachrichtenmagazin gründen will, sagt Giroud zu. Eine beispiellose gemeinsame, arbeitsreiche Laufbahn beginnt – inklusive tiefer gegenseitiger Bewunderung und Liebe, die vom Umstand, dass JJSS mit einer anderen Frau verheiratet ist, nur wenig beeinträchtigt wird. Nach sieben intensiven Jahren dann der Schock: JJSS wirft Giroud aus der Redaktion des Express. Grund dafür ist eine Intrige, (Falsch-)beschuldigungen, die sich nie komplett aufklären lassen. Françoise Giroud ist in ihren Grundfesten erschüttert, ihrer Ehre, verletzt. Sie zögert keinen Augenblick, ihr Entschluss steht fest: Sie will sich töten. Doch sie wird gerettet und überlebt – die Rückkehr ins Leben empfindet sie als Zumutung, der Heilungsprozess ist lang und schwierig.

Während ihrer Rekonvaleszenz auf der Insel Capri schreibt sie ein ganzes Buch nieder: "Ich bin eine freie Frau" (im Original: Histoire d´une femme libre) ist zunächst nicht für die Öffentlichkeit gedacht, soll Tagebuch und Manifest in einem sein – für Giroud allein. Doch die späte Entdeckung und Veröffentlichung des Textes kommen einer Sensation gleich: Emotional und klarsichtig, stilistisch geschliffen wie alle ihre Werke ist "femme libre" - selbstbewusst und von schmerzhafter Offenheit ist das Buch, ehrlich in jeder Hinsicht. Giroud schont weder sich noch ihre Zeitgenossen, ohne jedoch verletzend zu werden. Giroud beweist Stil, sogar nach der Zäsur, die der Suizidversuch zweifelsohne ist.
Auch mit heutigem Verständnis wirkt der 1960 entstandene Text höchst modern, präsentiert seine Autorin als intellektuelle Feministin, die um ihr Können weiß – Girouds zuweilen kühler, analytischer Stil kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie häufig unter Einsamkeit und Selbstzweifeln litt, dass Arbeit und Erfolg mehr für sind als reine Bestätigung: Talent gilt ihr als Rechtfertigung dafür, überhaupt zu existieren.

Demütigungen als Kind und junge Frau bleiben stets präsent, so ändert die Familie den orientalisch klingenden Nachnamen Gourdji ins französisch klingende Giroud, um im von den Nazis besetzten Paris nicht weiter aufzufallen, sie treten später zum Katholizismus über, um der Deportation zu entgehen. Françoise Giroud trat der Résistance bei, wurde von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Nach dem Tod des Vaters bringt die Mutter Francoise und ihre Schwester unter Entbehrungen durch, die junge Francoise beginnt als Sekretärin zu arbeiten, fasst Fuß in der Filmbranche und findet Gefallen an der harten, aber prestigeverheißenden Tätigkeit.


AVIVA-Tipp: Girouds Lebensgeschichte, in diesem glücklicherweise veröffentlichten Nachlassfund konzentriert zusammengefasst, beeindruckt und fasziniert gleichermaßen. Eine wahrlich freie Frau, die die Jahre nach 1960 produktiv ausfüllte: Giroud wurde zu einer der führenden Stimmen des französischen Feminismus, ab 1974 wurde sie unter Valéry Giscard d´Estaing Staatssekretärin im Kultusministerium.


Zur Autorin: Françoise Giroud (1916 – 2003) war eine der bekanntesten und bedeutendsten Journalistinnen Frankreichs. Sie war Chefredakteurin der Elle und gründete mit Jean-Jacques Servan-Schreiber das französische Nachrichtenmagazin L´Express. Sie schrieb außerdem rund dreißig Bücher, überwiegend Biografien, z.B. über Cosima Wagner, Jenny Marx, Marie Curie und Alma Mahler-Werfel. Ihr 1983 erschienener Roman Le bon plaisir wurde mit Catherine Deneuve und Jean-Louis Trintignant verfilmt und war 1985 für den César für das beste adaptierte Drehbuch nominiert.
Françoise Girouds Tochter ist die Drehbuchautorin und Psychoanalytikerin Caroline Eliacheff.


Françoise Giroud
Ich bin eine freie Frau

Hrsg. von Alix de Saint-André
Originaltitel: Histoire d´une femme libre
Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky
Paul Zsolnay Verlag, erschienen Februar 2016
ISBN 978-3-552-05766-1
www.hanser-literaturverlage.de

Literatur von und über Françoise Giroud im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
portal.dnb.de

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Simone Veil - Und dennoch leben. Die Autobiographie der großen Europäerin
Die französische Politikerin, Frauenrechtlerin und Auschwitz-Überlebende gewährt Einblicke in ihr berührendes privates und bewundernswertes politisches Leben. Ebenso wie die Feministin und Schriftstellerin Simone de Beauvoir ist auch Simone Veil Symbol- und Galionsfigur der Frauenbewegung, sie war die mahnende Stimme wider das Vergessen, als die Kollaboration der Franzosen mit den Nazis und damit das Schicksal der französischen Juden totgeschwiegen wurde. (2009)

Literatur Beitrag vom 23.06.2016 Christina Mohr 

   




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