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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.07.2016

Without Restraint. Werke mexikanischer Künstlerinnen aus der Daros Latinamerica Collection. Herausgegeben von Valentina Locatelli. Ausstellung vom 3. Juni – 23. Oktober 2016 im Kunstmuseum Bern
Laura Seibert

Der ausführliche, kritische Band zur zeitgenössischen Kunstwelt Mexikos zeigt die politisch anspruchsvollen Arbeiten der national und international bekannten Frauen. 64 Abbildungen, Biographisches, Interviews und Statements fügen sich zu einem ...



... fundierten Band über feministische Kunst in Mittelamerika zusammen.

Mit Werken von Ximena Cuevas, Claudia Fernández, Teresa Margolles, Betsabeé Romero, Maruch Sántiz Gómez, Teresa Serrano, Melanie Smith.

"Without Restraint" vereint ausgewählte Arbeiten von sieben konzeptualistischen Künstlerinnen, die in Mexiko tätig sind. Die Fotografien, Videos, Objekte und Installationen aus dem Bestand der Daros Latinamerica Collection in Zürich werfen einen Blick auf die nationale Identität Mexikos, die sogenannte Mexicanidad.

Allen Künstlerinnen ist dabei die Auseinandersetzung mit weiblicher Freiheit gemeinsam: Soziale Räume und Beziehungen, die Frauen noch nicht offen stehen, geschlechtliche Hierarchien, Femizide, das Leben als Künstlerin und andere, politische und gesellschaftliche Brennpunkte ziehen sich wie ein roter Faden durch die ausgestellten Werke.
Öffentliche Sichtbarkeit will "Without Restraint" für mexikanische Künstlerinnen schaffen, denn Ausstellungen und besonders Einzelausstellungen, Kritiken sowie Medienresonanz bleiben in Mexiko nach wie vor Privilegien männlicher Künstler.

Die Künstlerinnen:

Von der Künstlerin Teresa Serrano, 1936 in Mexiko-Stadt geboren, wo sie nach Jahrzehnten in New York wieder lebt und arbeitet, sind in der Ausstellung u.a. drei Ein-Kanal-Videos zu sehen: "La piñata" (2003), "Restraint" (2006) und "Boca de tabla" (2007). Ciudad Juárez, in den Medien bekannt durch die brutalen Femizide, denen vor allem Frauen zum Opfer fallen, die ihren Lebensunterhalt in den "maquiladoras" (sweatshops) verdienen, fehlt in ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit den dringendsten gesellschaftlichen Problemen nicht: "In "La piñata" ersetzt die Künstlerin den ausgebeuteten Körper dieser Frauen mit einer Papiermaché-Figur, die wie die Arbeiterin einer "maquiladora" gekleidet ist. Der fröhliche, religiös begründete Volksbrauch, mit einem Stock ein buntes, mit Schleifen verziertes Gefäss – eine "piñata" – voll Bonbons und Süssigkeiten zu zerschlagen, wird hier zu einer gewalttätigen Demonstration von Misogynie verkehrt, bei der im Video ein Schauspieler einen herrischen Protagonisten gibt." Im Ausstellungsband findet sich zudem ein Interview mit der Künstlerin, welches Valentina Locatelli, die Kuratorin der Ausstellung, mit ihr per E-Mail führte.
Die Künstlerin Teresa Serrano im Netz: www.teresaserrano.com

Ximena Cuevas, 1963 in Mexiko-Stadt geboren, lebt und arbeitet ebenda. Seit 1990, dem Jahr, in dem sie ihre erste Videokamera kaufte, dreht sie experimentelle Filme und Videos, nachdem sie in den 80er Jahren beim Nationalen Filmarchiv dafür angestellt war, "sittenwidrige" Szenen herauszuschneiden. Diesem tradierten Denken diametral entgegengesetzt, beschäftigt sie sich in ihren künstlerischen Arbeiten mit der Dekonstruktion nationaler Identität, von Geschlechterbildern und heteronormativer Sexualität. In der Ausstellung "Without Restraint" ist ihre Videoarbeit "El diablo en la piel" zu sehen: Während sie die Protagonistin wiederholt Wick VapoRub und Chilis in die Augen reibt, so dass diese tränen, legt sich ein weiteres Paar Augen darüber. Es ist ein Fragment des abwesenden Körpers einer anderen Frau, der Geliebten, nach der die Protagonistin verlangt, die sie aber nicht erreichen kann, nicht mal mit Hilfe der Technik."
Ximena Cuevas im Netz: www.daros-latinamerica.net
"El diablo en la piel" (Devil In The Flesh) auf youtube: www.youtube.com

Autos und vor allem Reifen durchziehen Betsabeé Romeros Werke. In Mexiko-Stadt, wo die 1963 geborene Künstlerin lebt und arbeitet, sind kaputte, stehengelassene Autos keine Seltenheit. Mithilfe recycelter Autoteile reflektiert sie traditionelle Symbole der Macht, kritisiert Umweltzerstörung, eine menschenfeindliche Verkehrspolitik, und männliche Macht. In Form partizipatorischer Performances, die sie fotografisch festhält, eignet sie sich öffentliche Räume an und bezieht lokale Gemeinschaften mit ein. Im vorliegenden Band sind von ihr "Ayate Car" (1977),"Aliento para rodar" (1997), "Pan es destino" (1999), "Taxi verdor" (2001) "Autoconstruido" (2000) und viele weitere Fotografien ihrer Auto-inspirierten Werke zu sehen. Valentina Locatelli führte auch mit Betsabeé Romero ein Interview per E-Mail, in dem die Künstlerin ihre Arbeit mit Auto(teilen) reflektiert: "Autos werden bei jedem Stau zu stationären Objekten, sie werden in Großstädten aus Platzmangel zu einem Haus oder einer Erweiterung des Hauses und wegen ihrer relativen Gebrauchsdauer zu stationärem Müll. "Immobile Mobilität" nenne ich das."
Betsabeé Romero im Netz: www.betsabeeromero.com

Teresa Margolles, 1963 in Culiacán geboren, arbeitet zum Thema Tod und bringt idadurch hre Ausstellungsbesucher_innen und sich selbst an ihre Grenzen. Die Ausgangspunkte der künstlerischen Arbeiten der Rechtsmedizinerin sind das Leichenschauhaus von Mexiko-Stadt sowie die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez. Mit ihrer Arbeit prangert sie Ausbeutung, Marginalisierung, Femizide an. In dem Band "Without Restraint" ist sie mit der Fotografie einer Soundinstallation aus dem MigrosMuseum für Gegenwartskunst in Zürich vertreten: "La búsqueda" (Die Suche). Der Sound einer Eisenbahn, die Ciudad Juárez durchquert, und in tiefe Frequenzen umgewandelt wurde, ist auf Glasplatten übertragen von den Besucher_innen im Museum hörbar gewesen.
Die feministische Künstlerin will die Grausamkeit aufzeigen, die den geschändeten Körpern toter, verarmter Kinder und Jugendlicher eingeschrieben ist, welche durch Gewalttaten, Drogenkonsum oder Verkehrsunfälle ums Leben kamen. Überreste von den Leichen aus dem Sektionssaal werden Teil ihrer Installationen. Die Botschaft ihrer zutiefst kritischen Kunst formuliert die Künstlerin mit folgenden Worten: "Mein Vorwurf richtet sich an eine Gesellschaft, in der Gewalt fast eine Gewohnheit und Allegorie ist und in der die Schmerzunempfindlichkeit, der Mangel an Solidarität und das Einzelkämpfertum immer mehr zunehmen."
Teresa Margolles im Netz: www.daros-latinamerica.net

Die Künstlerin Claudia Fernández, 1965 in Mexiko-Stadt geboren, begann ihre Arbeit mit den Medien Malerei, Skulptur und Installation, und wandte sich dann Fotografie, Video und partizipativen Kunstformaten zu. In der Ausstellung sind von ihr zwei Videos der Reihe "Animales vitales" (Lebendige Tiere) zu sehen: "Sustituto" (Ersatz, 2002) und "Limpia" (Reinigung, 2003). In ihnen spielen anonyme, identitätslose Frauen die Hauptrollen, gefangen in den absurden Rollen ihrer gesellschaftlich zugedachten Biographien: Die eine Frau arbeitet als Reinigungskraft, die andere Frau, vermögender, langweilt sich. Fernández wirft einen kritisch-ironischen Blick auf die restriktiven Räume und Strukturen innerhalb der mexikanischen Gesellschaft, dabei spielt sie mit Abstraktion und ästhetischen Figuren.
Die Künstlerin Claudia Fernández im Netz: www.daros-latinamerica.net

Die in Poole, Großbritannien, geborene Künstlerin Melanie Smith entschied sich 1989, nach Mexiko zu gehen. Seitdem arbeitet sie in Mexiko-Stadt und wird als mexikanische Künstlerin wahrgenommen – 2011 vertrat sie das Land auf der 54. Biennale in Venedig. In der Ausstellung sind Fotografien des Projekts "Spiral City" zu sehen, Aufnahmen, die Mexiko-Stadt aus der Luft porträtieren. Durch die Distanz entsteht eine Perspektive auf die Megalopole, die durch Abstraktion und Strukturen geprägt ist. Die Hauptstadt wird zu einem dystopischen, menschenabweisenden Ort, Straßenzüge vom Reißbrett formen ein homogenes, anonymes Netz.
Melanie Smith im Netz: www.melaniesmith.net

Maruch Sántiz Gómez, 1975 in Cruzton, einem indigenen Dorf im mexikanischen Bundesstaat Chiapas geboren, arbeitet vor allem mit den Medien Fotografie und Sprache im nahegelegenen San Cristóbal de las Casas. Zu sehen sind sowohl in der Ausstellung als auch im Kunstband Werke aus ihrem Langzeit-Fotoprojekt "Creencias". Sinnsprüche auf ihrer Muttersprache Totzil werden durch Schwarz-Weiß Fotografien illustriert. Totzil gehört zu den gefährdeten Sprachen, die vom Spanischen verdrängt werden. Für die Künstlerin gilt es, diese lebendig zu bewahren: "Sántiz Gómez´ Werk ist ein modernes Memento mori und erinnert uns an die prekäre Situation jeder kulturellen Minorität." Valentina Locatelli interviewte auch sie per E-Mail zu ihrer Arbeit und ihrem Werdegang als Künstlerin.
Die Künstlerin Maruch Sántiz Gómez im Netz: www.daros-latinamerica.net

Zur Kuratorin: Valentina Locatelli, geboren 1979 in Bergamo, arbeitet seit 2013 im Kunstmuseum Bern als Projektleiterin für den Sammlungskatalog "Kunstmuseum Bern: Die Meisterwerke" sowie als Kuratorin. Sie studierte englische und deutsche Literatur, promovierte über Giovanni Morelli und absolvierte einen Master in Museologie. Zuvor war sie als Publikationsassistentin bei der Fondation Beyeler tätig.

AVIVA-Tipp: "Without Restraint" zeigt ausgewählte, zeitgenössische Arbeiten hochpolitischer Künstlerinnen der mexikanischen Konzeptkunst. Jede setzt sich in ihren Werken auf unterschiedliche Weise mit dem Land auseinander, in dem sie lebt. Was es bedeutet, gerade in Mexiko als Frau künstlerisch zu arbeiten, bildet den gemeinsamen Mittelpunkt der Werke. Mit Hintergrundinformationen, Interviews und Statements bietet der Katalog einen umfassenden Überblick nicht nur zu den Künstlerinnen, aber auch zur gesellschaftlichen Lage der Frauen in Mexiko.

Without Restraint. Werke mexikanischer Künstlerinnen aus der Daros Latinamerica Collection
Herausgegeben von Valentina Locatelli
Deutsch, Englisch
Hatje Cantz Verlag, erschienen 2016
176 Seiten, 64 Abbildungen
ISBN 978-3-7757-4104-0
Circa 35 Euro
www.hatjecantz.de

Without Restraint. Werke mexikanischer Künstlerinnen aus der Daros Latinamerica Collection
Zu sehen sind die Arbeiten vom 3. Juni –23. Oktober 2016 im Kunstmuseum Bern.

Mehr Infos zur Ausstellung im Kunstmuseum Bern unter:
www.kunstmuseumbern.ch

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Literatur Beitrag vom 15.07.2016 AVIVA-Redaktion 

   




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