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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 07.08.2016

Neue Courage! Business and Professional Women (BPW) Germany e. V. 1931-2016. Herausgegeben von Henrike von Platen
Yvonne de Andrés

Goodbye gender pay gap – Welcome equal pay. Mit neuer Courage und feministischem Blick geht der Business and Professional Women (BPW) Germany e.V. e.V. daran, die Aufgaben der Frauenförderung und Gleichstellungsarbeit zu steuern.



Ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen ist ein Skandal

"Das Entscheidende am Sichtbarwerden: Wer ins Blickfeld gerät, wird gesehen – und bekommt nicht nur Aufmerksamkeit, sondern gewinnt auch Verbündete und Macht", stellt die Past-BPW-Vorsitzende Henrike von Platen fest. Daher sei es auch ganz entscheidend, darauf zu achten, dass Frauenthemen genau richtig in den Fokus gestellt werden. Equal Pay – gleiche Bezahlung, lautet das Ziel. Bereinigung der Lohnlücke, um so tatsächliche Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern zu erreichen.

Die Business and Professional Women (BPW) Germany e.V. haben 2007 die "Red Purse Campaign" aus den USA für die Erreichung des Equal Pay Day nach Deutschland gebracht. Die rote Tasche symbolisiert die große Lücke, die zwischen der Bezahlung von Frauen und Männern klafft. Seit der Gründung des Vereins vor 85 Jahren ist die Differenz leicht abgeschmolzen und liegt nicht mehr bei 30 Prozent, sondern bei 21 Prozent. Jedoch sollte frau nicht bis zum Silvesterabend 2226 warten müssen, bis die Lohngleichheit herzustellen ist. Daher appelliert Henrike von Platen: "Um die Welt zu verändern, braucht es Mut, Kraft und Verbündete. Und es braucht Netzwerkende, die das Ganze in die Hand nehmen."

Die Chronik des Vereins handelt davon, wie die Mitgliedsfrauen diese Themen in die Hand genommen haben. Wie sich der Verein politisiert und professionalisiert hat. In diesem Zusammenhang sind die vier Aufsätze der Präsidentinnen Heike Pehling-Negro (2000-2004), Dr. Bettina Schleicher (2004-2008), Dagmar Bischof (2008-2010) und Henrike von Platen (2010-2016) sehr spannend.

Aus der Gründerzeit sind zwei Frauen prägend für den heutigen Verein: Dr. Lena Madesin Phillips und Marie Munk. Dr. Lena Madesin Phillips (1881-1955), amerikanische Juristin, absolvierte als erste Frau ein Jurastudium an der Universität von Kentucky. Nach dem Studium eröffnete sie ihre eigene Kanzlei. 1919 gründete Dr. Lena Madesin Phillips den "National Business and Professional Women´s Clubs", um Frauen den Zugang zu ähnlichen Karrieren zu eröffnen und die Vernetzung zwischen berufstätigen Frauen zu fördern. 1930 folgte die Gründung der "International Federation of Business and Professional Women", dem der BPW-Germany e.V. angehört.

Besonders spannend ist das Porträt der deutschen Gründerin. Ihre Biografin Dr. Oda Cordes widmet der Juristin Marie Munk (1885-1978) ein umfangreiches Kapitel. Munk war nicht nur die erste Rechtsanwältin Preußens, sondern sie war auch die erste Richterin Deutschlands. 1930 wurde sie zur Richterin am Amtsgericht Charlottenburg und Landgericht Berlin ernannt. Vor allem war sie eine engagierte Frauenrechtlerin. Sie gilt heute als eine der bedeutendsten Ehe- und Familienrechtlerinnen der Weimarer Zeit. Neben ihren Vorschlägen zum Nichtehelichen-, Scheidungs- und Eherecht erarbeitete sie gemeinsam mit Dr. Margarete Berent Vorschläge zur Reform des Ehegüterrechts, die mehr als dreißig Jahre später ihren Niederschlag in der in Deutschland eingeführten Zugewinngemeinschaft und weiteren Gesetzesnovellierungen fanden.

1914 war Marie Munk (mit Dr. Margarete Berent und Dr. Margarete Mühsam-Edelheim) Mitgründerin des "Deutschen Juristinnenvereins" (Vorläufer des heutigen Deutschen Juristinnenbunds), deren 2. Vorsitzende sie von 1919 bis 1933 war. Außerdem war sie Begründerin und Präsidentin der von 1931 bis 1933 in Deutschland bestehenden "Deutschen Vereinigung berufstätiger Frauen" (Vorläufer des heutigen Business and Professional Women (BPW) Germany e.V.) sowie engagiertes Mitglied in dessen internationaler Vereinigung der "International Federation of Business and Professional Women". Für Marie Munk war klar, dass "der Kampf um Gleichberechtigung von Frauen und Mann nicht mehr nur ein Kampf in der Rechtspolitik, sondern in der Wirtschaftspolitik" sei".
Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde sie 1933 aus dem Justizdienst herausgeworfen. Sie emigrierte 1936 in die USA wo sie ab 1939 als Gastprofessorin an den Universitäten in Maryland und Massachusetts arbeitete. Nach der Einbürgerung 1943 wurde sie als Anwältin zugelassen und widmete sich dem Frauenrecht, der Jugendkriminalität und ab 1945 dem "Wiedergutmachungsrecht nationalsozialistischen Unrechts". 1953 wurde Munk außerordentliche Professorin an der Harvard University. 1945 erschien ihre Autobiografie "Reminiscences of a Pioneer Woman Judge in Pre-Hitler-Germany". Sie starb in Cambridge (Massachusetts) USA.

1933, vor die Wahl gestellt, sich den Frauenorganisationen Hitlers anzuschließen, löst sich der Verein auf. Der Neubeginn erfolgt dann erst wieder 1951. Insgesamt 36 Autoren und Autorinnen des Buches stellen die wechselvolle Geschichte des Vereins vor.
Save the date: Nächster EPD am 18.03.2017

Zur Autorin: Henrike von Platen, geboren 1971, ist Unternehmensberaterin und Interimsmanagerin. Sie war von 2010 bis 2016 Präsidentin des Frauennetzwerks "Business and Professional Women Germany" und gehört zu den Begründerinnen des Aktionstags "Equal Pay Day". Es gibt ein Zitat von ihr, was mir ausgesprochen gut gefällt und was die Denkweise von Frau von Platen klar macht: "Nicht Ich, sondern wir alle, Männer wie Frauen, brauchen Feminismus – so lange, bis die Unterdrückung der Frauen in der Welt beseitigt ist. Davor steht allerdings noch ein weiter Weg der Ursachenbeseitigung von Entgeltungleichheit sowie des gesamtgesellschaftlichen Wandels hin zu einer Welt, in der beide Geschlechter echte Chancengleichheit leben und erleben."

AVIVA-Tipp: Der Band ist mehr als eine Vereinsgeschichte. Anlässlich des 85. Geburtstages wird die Historie des BPW-Germany e.V. vorgestellt. Dieser war einstmals gegründet worden, um Frauen in ihren beruflichen Werdegängen zu unterstützen und Gleichberechtigung durchzusetzen. Dieses Ziel hat bis heute Bestand. Die Chronik stellt sowohl die Erfolgsgeschichte, die wichtigsten Akteurinnen, Unterstützerinnen und Unterstützer, die zwei Frauenministerinnen Ursula von der Leyen und Manuela Schwesig, als auch die Entwicklung für Gleichberechtigung und die noch offenen Ziele des Equal Payment, der Quote oder der Diversity vor.
Die Texte im Band lesen sich gut und geben so einen informativen Eindruck der Arbeit dieses Vereins wieder. Das Buch kann aufgrund der guten Gliederung systematisch oder auch quer gelesen werden.

Henrike von Platen (Hrsg.)
Neue Courage! Business and Professional Women (BPW) Germany 1931 – 2016

Mit Beiträgen von Henrike von Platen, Dr. Ursula von der Leyen, Monika Schulz-Strelow, Markus Theunert, Thomas Sattelberger, Dr. Carsten Wippermann u.a.
Verlag Barbara Budrich, kartonierter Einband, 308 Seiten
24,90 Euro [D] / 25,60 Euro [A]
Verlag Barbara Budrich,
ISBN: 978-3-8474-2012-5
shop.budrich-academic.de

Weitere Infos unter:

www.bpw-germany.de

www.djb.de

www.equalpayday.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Online-Petition FairPay - Berliner Erklärung für Gleichheit auf dem Gehaltszettel
Für Lohngerechtigkeit und Entgeltgleichheit an 365 Tagen im Jahr. Unterstützen Sie die Initiatorinnen des FairPay-Bündnisses mit Ihrer Unterschrift. FairPlay ist FairPay! (2016)

Christiane Funken – Sheconomy. Warum die Zukunft der Arbeitswelt weiblich ist
Die Professorin der Medien- und Geschlechtersoziologie am Institut für Soziologie an der TU Berlin analysierte anhand von Interviews mit Managerinnen im Alter von 35 sowie 50 plus Chancen und Hindernisse für Frauen in der Wirtschaft vor dem Hintergrund der "schönen neuen Arbeitswelt". (2016)

DAX-30-Unternehmen erreichen erstmals 30 Prozent Frauenanteil in Aufsichtsräten (2016)

Eine Tafel zum Gedenken an Dr. Marie Munk
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DIW Managerinnen-Barometer 2016 - Frauenanteile in Spitzengremien großer Unternehmen steigen kaum
Forscherinnen analysieren insgesamt über 500 Unternehmen. Einige gehen mit gutem Beispiel voran, andere hinken umso stärker hinterher. Die große Mehrheit der unter die Frauenquote in Aufsichtsräten fallenden Unternehmen hat 30-Prozent-Schwelle noch nicht erreicht.

Sheryl Sandberg - Lean In. Frauen und der Wille zum Erfolg
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Literatur Beitrag vom 07.08.2016 Yvonne de Andrés 

   




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