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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 16.09.2016

Unterwegs in der Fremde. Psychoanalytische Erkundungen zur Migration. Herausgegeben von Hediaty Utari-Witt und Ilany Kogan
Nea Weissberg

Im Sammelband "Unterwegs in der Fremde" wird untersucht, welche Bedeutung der Migration, Immigration, Verfolgung, Flucht, dem Exil oder der Spätaussiedlung sogenannter Deutschstämmiger in verschiedenen Lebensphasen zukommt und welche...



... seelischen Transformationsprozesse diese Realitäten im Laufe eines Lebens, bzw. auch bei den nachfolgenden Generationen an Gebrochenheit bewirken.

Die Autorinnen und Autoren stellen anhand von Fallstudien ihre spezifischen psychoanalytischen Behandlungstechniken vor und setzen sich mit klinischen Aspekten ihrer Therapiearbeit auseinander. Sie beschreiben und hinterfragen hierbei psychodynamische Konstellationen von Familien mit z. B. Migrations-, Flucht-, Verfolgungs-Kriegs- oder auch Vertriebenen-Hintergrund.
Gefragt wird, wie sich in Opfer- und Täter-Familien erlebte Verfolgung, Terror und Gewalterfahrungen oder Verleugnung und Vertuschung von Tatbeteiligung vice versa ausgewirkt haben und unbewusst ausagiert, bzw. verschoben "neu" inszeniert werden.

Welche Rolle hierbei der eigene familiäre Hintergrund der Analytiker in der Interaktion mit den Klienten und Klientinnen spielt, wird in mehreren Beiträgen nachvollziehbar erörtert.
Um Patientinnen und Patienten ein "Holding" zu ermöglichen, zeigt die Mitherausgeberin Frau Ilany Kogan die unterstützende Bedeutung von professionell begleiteter Fallsupervision in ihrer Notwendigkeit auf.

Im Spiegel des Anderen, "Fremden", können Abwehrängste und Aggressionen ausagiert werden. Das Buch kann als grundlegend für professionell therapeutisch Arbeitende angesehen werden, es bietet brauchbare Beispiele für Integrationsarbeit, weil es z. B. die kulturelle unterschiedliche Herkunft, Sichtweise, Identität, Mentalität und / oder Religionszugehörigkeit der PatientInnen und die der PsychoanalytikerInnen mitbedenkt.

Das Buch, ein Langzeitprojekt zwischen deutschen AnalytikerInnen sowie von in Deutschland arbeitenden PsychoanalytikerInnen mit Migrations- oder Exilhintergrund und Frau Kogan - einer israelischen Lehranalytikerin und Supervisorin - problematisiert, dass objektive Akzeptanz und empathische Resonanz seitens professioneller Therapeutinnen und Therapeuten nicht per se vorausgesetzt werden kann.
Kritisch hinterfragt wird im Sammelband, dass der Einsatz der sogenannten deutschen Verkehrssprache als alleinige Kommunikationssprache in der Interaktion mit Therapeuten realitätsfern ist. Hemmend kann der Einsatz von bekannten SprachmittlerInnen oder DolmetscherInnen sein, da es bei durchlebten tiefgreifenden Traumata auch um die Überwindung von sehr leidvoll besetzten und kulturbedingten Schamgrenzen geht. Wünschenswert ist für Kogan, dass Fachleute für die PatientInnen zu einem guten Objekt werden, das den PatientInnen Unterstützung und Containment geben kann, ohne über diese moralisch zu urteilen. (Vgl. Ilany Kogans Artikel "Supervisor, Therapeut und Patient. Eine psychoanalytische Annäherung mit Flüchtlingen", S. 104)

In Deutschland, einem seit Längerem beliebten Einwanderungsland mit ImmigrantInnen aus nahezu 200 Ländern, fehlt es de facto weiterhin an einem Potential an qualifizierten Fachleuten, die in der Lage sind, die Resilienz-Fähigkeit ihrer häufig schwerst- traumatisierten Patienten und Patientinnen durch alltagstaugliche Bewältigungsstrategien zu reaktivieren.

"Erlebnisse des Willkommen- oder Nichtwillkommen- Seins im aufnehmenden "Mutterland", die sowohl im persönlichen Beziehungen als auch im sozialen Rahmen erfahren werden, bestimmen das Gelingen und Misslingen notwendiger integrativer Transformationen", schreibt die Mitherausgeberin - aus Indonesien herkommende und in München niedergelassene Psychoanalytikerin, Lehranalytikerin und Supervisorin Frau Hediaty Utari-Witt in ihrem Artikel "Tsunami soll Deutschland verwüsten... Destruktive Phantasien, Ambivalenzkonflikt und Spaltungsmechanismen im Migrationsprozess." (S. 61)

In München organisiert Utari-Witt gemeinsam mit Kogan Arbeitsgruppen zum Thema Trauma und Migration, bei denen sie die Co-Leitung innehat.

"Unterwegs in der Fremde - Psychoanalytische Erkundungen zur Migration" ist 2016 so richtungsweisend, wie das 1995 in Deutschland erschienene Standardwerk "Kinder der Opfer - Kinder der Täter - Psychoanalyse und Holocaust von Bergmann, Jucovy, Kestenberg (HG.), das bereits 1982 in der amerikanischen Originalausgabe unter dem Titel "Generations of the Holocaust" erschienen ist.

AVIVA-Tipp: "Unterwegs in der Fremde" trifft heutzutage auf eine gesellschaftspolitische Situation, in der altbekannte Fremden- und Ausländerfeindlichkeit sowie Antisemitismus lautstark wiederaufleben und konfrontiert die Leserinnen und Leser damit, das schon voreilig abgelegte Erbe der Nazitradition, Menschengruppen verachtend in Hierarchien von "lebenswert", "nicht lebenswert", "Herrenmenschen", "Untermenschen" einzuteilen, in seiner destruktiven Langzeitwirkung nicht außer Acht zu lassen. Siehe hierzu den Artikel von Gabriele Ast "Dämon, Totenkopf und Staubsauger. Tomasz und Thomas: Migration in der Adoleszenz und deren Komplikationen durch transgenerationelle Transmission von Traumata" (S. 217-253).

Zu den Herausgeberinnen:

Ilany Kogan
, geboren 1946 in Bukarest, ist Supervisionsanalytikerin bei der 1934 gegründeten "Israelischen Psychoanalytischen Gesellschaft" (www.psychoanalysis.org.il). Sie arbeitete in verschiedenen deutschen Städten als Supervisorin, vor allem in München und Aachen, wo sie bis heute tätig ist. Außerdem war sie beim Generatia Centre in Bukarest und bei der IPA Study Group in Istanbul tätig. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Beschäftigung mit den Nachkommen von Schoah-Überlebenden. 2005 wurde sie mit dem Elise M. Hayman Award for the Study of the Holocaust and Genocide der IPA ausgezeichnet.
Weitere Buchveröffentlichungen von Ilany Kogan (Auszug) im Psychosozial Verlag: Mit Hediaty Utari-Witt, "Unterwegs in der Fremde. Psychoanalytische Erkundungen zur Migration", "Mit der Trauer kämpfen. Schmerz und Trauer in der Psychotherapie traumatisierter Menschen" und "Der stumme Schrei der Kinder. Die zweite Generation der Holocaust-Opfer"
Weitere Titel finden Sie unter: www.psychosozial-verlag.de

Hediaty Utari-Witt stammt aus Indonesien und studierte Medizin in München, um anschließend eine psychoanalytische Ausbildung bei der Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse (MAP/DGPT) zu absolvieren. Seit mehreren Jahren ist sie als Dozentin bei der MAP und der Ärztlichen Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen tätig. Sie ist Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) und der IPA. Ihre Themenschwerpunkte sind Migration und Trauma. In München organisiert sie zusammen mit Ilany Kogan Arbeitsgruppen zu "Trauma und Migration", bei denen sie die Co-Leitung innehat.
Sie ist Herausgeberin der Bücher "Immigration und Identität - Psychosoziale Aspekte und kulturübergreifende Therapie" (2007) von Salman Akhtar und "Das Babel des Unbewussten - Muttersprache und Fremdsprachen in der Psychoanalyse" (2010) von Jacqueline Amati Mehler, Simona Argentieri und Jorge Canestri.
Weitere Veröffentlichungen: "Schimpfworte hinter dem Beichtstuhl" (2007), "Destruktive Phantasien und die Unmöglichkeit zu trauern im Migrationsprozess" (2009).

Hediaty Utari-Witt, Ilany Kogan (Hg.)
Unterwegs in der Fremde
Psychoanalytische Erkundungen zur Migration

Mit einem Vorwort von Marco Conci und einem Geleitwort von Ilany Kogan
Mit Beiträgen von Gabriele Ast, Christiane Bakhit, Peter Bründl, Jana Burgerová, Marco Conci, Bettina Hahm, Ilany Kogan, Sebastian Kudritzki, Birgit Mau-Endres, Aydan Özdaglar, Viktoria Schmid-Arnold, Hediaty Utari-Witt.
Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse
Psychosozial-Verlag, 2015, 2. Auflage 2016
389 Seiten, Broschur
EUR 39,90
ISBN-13: 978-3-8379-2517-3
www.psychosozial-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Ilany Kogan - Im Prisma der Kreativität. Zwei psychologische Fallstudien
In ihrem neuen Buch demonstriert die israelische Psychoanalytikerin, klinische Psychologin und Supervisorin in einem gut referierten wissenschaftlichen und einem anschaulich dargestellten fallanalytischen Anamnese-Teil den heilenden Einsatz kreativer Symbol- und Phantasiearbeit im Verlauf einer Therapie mit der Second Generation – Klientel. (2016)

Literatur Beitrag vom 16.09.2016 AVIVA-Redaktion 

   




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