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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 19.09.2016

Gloria Steinem - My Life on the Road
Yvonne de Andr├ęs

Die Ikone des amerikanischen Feminismus ist Mutmacherin und Rebellin. Sie ist aber auch himmlische Barkeeperin und reisende Feministin. Ihr Kick ist es, "on the Road" zu sein und Fragen zu stellen. Die Biographie ist eine R├╝ckschau auf ein bewegtes Leben.



Gloria Steinem in "My Life on the Road": "F├╝r eine Frau ist vielleicht nichts so revolution├Ąr, wie selbstbestimmt auf Reisen zu gehen ÔÇô und bei ihrer R├╝ckkehr mit offenen Armen empfangen zu werden." In ihrer Kindheit ist Gloria Steinem mit ihren Eltern kreuz und quer durch die USA gereist. Dank ihrer sehr guten schulischen Leistungen erhielt sie die M├Âglichkeit, am Smith College, einem der ber├╝hmtesten Frauencolleges in den USA, zu studieren. Im Anschluss begann sie als Journalistin zu arbeiten. Ihr erster Job war ein dreiw├Âchiges von ihr selbstgew├Ąhltes Undercover-Experiment als Bunny bei Playboy in New York. So wollte sie ihr Geld nicht verdienen. "Unterm Strich muss ich sagen, dass ich ohne die M├Âglichkeit, drau├čen in der Welt unterwegs zu sein, niemals den Willen oder die Mittel aufgebracht h├Ątte, mich in dieser Form f├╝r meine Anliegen einzusetzen."

Danach war sie als freie Journalistin f├╝r diverse Zeitungen wie New York Times oder Esquire t├Ątig und machte sich mit Reportagen und Portraits einen Namen.Neben dem Schreiben begann Gloria Steinem fr├╝h mit Florynce Kennedy, Margaret Sloan und anderen Frauenrechtlerinnen als Rednerin durchs Land zu reisen und an Colleges ├╝ber Feminismus zu sprechen."Anfangs unternahm ich als Journalistin meine Recherchetouren, sp├Ąter war ich als Wahlk├Ąmpferin und politische Aktivistin unterwegs, als ruhelose Wanderarbeiterin in Sachen Feminismus."

Oft war Gloria Steinem zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Nicht alle Dinge sind ihr aber gleich selber aufgefallen so ein Ereignis w├Ąhrend des Marschs auf Washington f├╝r Arbeit und Freiheit, an dessen Ende im Jahr 1963 Martin Luther King Jr. am Lincoln Memorial seine ber├╝hmte Rede "I have a Dream" hielt. Erst als Mrs. Green, eine ehemalige Verwaltungsangestellte aus der Truman Administration, sie darauf aufmerksam machte, wurde ihr bewusst, dass, obwohl auch eine Frau auf dem Podium sa├č, nur M├Ąnner das Wort ergriffen. Im gleichen Jahr, 1963, arbeitete sie an einer Reportage ├╝ber die Inneneinrichtung im Wei├čen Haus beim Redenschreiber von John F. Kennedy, Ted Sorensen. Er verfasste gerade die Rede Kennedys f├╝r dessen Auftritt in Dallas und so konnte sie die Stimmung genau mitbekommen. Steinem begleitete Streiks in Kalifornien als Journalistin und Aktivistin. Manchmal verschwimmen beim Erz├Ąhlen dabei ihre Grenzen zwischen den Rollen als Journalistin und Aktivistin.

Sie war eine der Mitbegr├╝nderinnen der National Women┬┤s Political Caucus (NWPC), die 1971 aus verschiedenen Frauengruppen entstand. Die Gr├╝ndung war eine Reaktion auf die konservative Politik Pr├Ąsident Nixons. Eine der wichtigen Aufgaben dieser Organisation war die Pr├Ąsentation von Namenslisten qualifizierter Frauen f├╝r ├Âffentliche ├ämter. Als Reaktion auf Sexismus, Rassismus, Benachteiligung am Arbeitsplatz und mehr, gr├╝ndete sie 1971 gemeinsam mit verschiedenen Frauenorganisationen und Aktivistinnen, darunter Brenda Feigen Fasteau und Catherine Samuels, die Women┬┤s Action Alliance (WAA). 1972 launchte sie mit Dorothy Pitman Hughes, Loretta "Letty" Cottin Pogrebin und anderen das feministische Magazin "Ms." f├╝r das sie bis zu dessen Verkauf an Fairfax Media im Jahr 1978 schrieb.

Eines der wichtigsten und pr├Ągendsten Ereignisse in ihrem Leben war die dreit├Ągige "National Conference of Women" in Houston im Jahr 1977. Steinem schreibt dazu: "Mit dem Gef├╝hl, im Anschluss an diese Konferenz ein anderer Mensch geworden zu sein, stehe ich nicht alleine da. [...] und weil die Delegierten aus allen Bundesstaaten stammten, war die Konferenz in Bezug auf Herkunft, Hautfarbe und sozialer Stellung in diesem Moment wahrscheinlich das repr├Ąsentativste Organ der USA."
Gloria Steinem berichtet in ihrem Buch auch ausf├╝hrlich ├╝ber eine Fehde mit Betty Friedan, die sowohl publizistisch als auch politisch vor allem von zwei Themen handelte: der Gleichstellung der Frau im Berufsleben und der ├ľffnung der Frauenbewegung f├╝r alle Frauen und somit auch f├╝r Lesben. Ein wichtiges Ergebnis auf der Konferenz in Houston war: "Endlich war eine Mehrheit sich einig geworden, dass Feminismus f├╝r alle Frauen da war und dass lesbenfeindliche Tendenzen sich nicht gegen bestimmte wenige sondern gegen alle Frauen richteten." Spannend sind auch ihre Eindr├╝cke als Wahlkampf-Aktivistin unter anderem f├╝r Hillary Clinton (2008).

Zur Autorin: Gloria Steinem wurde1934 in Toledo (Ohio) in den USA geboren. Die Autorin f├╝hrt ihren Feminismus auf ihre Mutter, Ruth Nuneviller, zur├╝ck, die eine Vork├Ąmpferin f├╝r Frauenthemen war und zeitweilig auch als Journalistin arbeitete. Ihr Vater, Leo Steinem, arbeitete als fahrender Antiquit├Ątenh├Ąndler. Seine Familie hatte einen deutsch-j├╝dischen und einen polnisch-j├╝dischen Zweig. "Als Kind war ich sehr auf Anpassung bedacht [...] Und h├Ątte ich es als Erwachsene gewagt, mich gegen die Regeln aufzulehnen, wenn mein Vater alle Regeln befolgt h├Ątte?" Gloria Steinem ist immer noch reisend unterwegs. Ihre wichtigsten B├╝cher sind: "Was hei├čt schon emanzipiert. Meine Suche nach einem neuen Feminismus"(1995), (orig. "Revolution from within", 1992), "Unerh├Ârt. Reportagen aus ÔÇÜMs.┬┤" (1984), (orig. "Outrageous Acts and Everyday Rebellions", 1983).
Auszeichnungen:
The Ridenhour Courage Prize (2006), Humanist of the Year der American Humanist Association (2012), Presidential Medal of Freedom (2013)

AVIVA-Tipp: Seit ├╝ber f├╝nf Jahrzehnten ist Gloria Steinem ein Vorbild f├╝r Frauen in den USA. Bereits in den 1960ern hat sie ├╝ber den Druck geschrieben, unter dem Frauen standen, sich zwischen Karriere oder Ehe entscheiden zu m├╝ssen. Das von ihr gegr├╝ndete Magazin "Ms" genie├čt auch noch heute einen legend├Ąren Ruf. Viele innenpolitische Entwicklungen der USA, insbesondere aus verschiedenen feministischen Frauenorganisationen und der Partei der Demokraten werden darin detailliert vorgestellt. Aus ihr ist eine himmlische Barkeeperin und eine reisende Feministin geworden, die sich bis heute f├╝r feministische Themen engagiert und in der feministischen Bewegung aktiv ist. Der Ton ihrer Essays und Reportagen kann sowohl ernst, aber auch heiter sein, mit einem Augenzwinkern versehen. Eine spannende Lekt├╝re!

Gloria Steinem
My Life on the Road

Originaltitel: My Life on the Road
├ťbersetzt von: Eva Bonn├ę
btb Verlag M├╝nchen, Paperback, Klappbroschur, 384 Seiten, 9 S/W Abbildungen
16,99 Euro [D], 17,50 Euro [A]
Random House Verlag, erschienen 11.07.2016
ISBN: 978-3-442-75703-9
www.randomhouse.de

Mehr Infos unter:

www.gloriasteinem.com

www.msmagazine.com

Women┬┤s Action Alliance: socialarchive.iath.virginia.edu

National Women┬┤s Political Caucus: www.nwpc.org

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Literatur Beitrag vom 19.09.2016 Yvonne de Andr├ęs 

   




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