Hannah Höch. Revolutionärin der Kunst. Das Werk nach 1945. Der Ausstellungskatalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr vom 11.09. 2016 bis 8.01.2017 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 04.10.2016

Hannah Höch. Revolutionärin der Kunst. Das Werk nach 1945. Der Ausstellungskatalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Mülheim
Yvonne de Andrés

Hannah Höch gilt als eine der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen der klassischen Moderne. Sie zählt zu den zentralen Figuren, die die emanzipatorische Kunst der Avantgarden der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mitbegründeten.



Hannah Höch, (1889 in Gotha – 1978 in Berlin) war die bedeutendste Vertreterin des Dadaismus in Deutschland, einer literarischen und künstlerischen Bewegung, die 1916 in Zürich gegründet wurde. Höch-Expertin Karoline Hille und Kuratorin Inge Herold stellen das vielgestaltige Werk von Hannah Höch vor. Sie gilt heute, zusammen mit ihrem langjährigen Geliebten Raoul Hausmann, als Erfinderin der Fotocollage, die Höch als eigenständiges Medium in die bildende Kunst einführte und die lebenslang ihre wichtigste Ausdrucksform blieb. Es war nicht nur ein Stil. Beide Kunstformen, Collage und Montage, waren für sie Methoden, die ihr Leben und ihre Arbeit in vielfältiger Weise bestimmten. Karoline Hille: "Hannah Höch hat sie alle in ihren Fotomontagen verewigt, mit federleichter Ironie oder gnadenlos seziert: Kapitalisten und Revolutionäre, starke Männer und schöne Frauen."

Drei Eigenschaften zeichneten Hannah Höch aus, so ihr erster Biograph, der Kunstkritiker Heinz Ohff: der Fleiß, die Lust am Experiment und eine bedingungslose Freiheit im Stil.

Mit 22 Jahren, 1912, durfte sie sich endlich für ein Studium an der Kunstgewerbeschule Charlottenburg (in Berlin) immatrikulieren. Zu Beginn des 1. Weltkriegs wurde die Bildungseinrichtung geschlossen, Hannah Höch arbeitete vorübergehend beim Roten Kreuz. Erst 1915 konnte sie die Ausbildung an der Lehranstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin fortsetzen. Sie wurde dort Schülerin von Emil Orlik, der sie in wesentliche Kunsttechniken einführte.

Von 1916 bis 1926 war Hannah Höch – zum Broterwerb – für die Zeitschriftenverlage des Ullstein Verlags tätig, wo sie vor allem Handarbeitsvorlagen und Vignetten entwarf und so die Herstellung der frühen Illustrierten miterlebte. Auch aus selbst gefertigten Schnittmusterbögen und Spitzen fertigte sie in dieser Zeit Collagen.

An der Lehranstalt des Kunstgewerbemuseums begegnete sie dem (verheirateten) Raoul Hausmann und wurde seine Geliebte. Über ihn lernte sie die dadaistischen Zirkel Berlins kennen. Unter den Dada-Repräsentanten in Deutschland (u. a. Johannes Baader, George Grosz, John Heartfield) war Hannah Höch, im Unterschied zu Dada-Zürich und Dada-Paris, die einzige Frau. Hannah Höchs Beziehung mit Raoul Hausmann war von vielen Krisen geprägt. 1922 trennte sie sich von ihm.

1919 durfte sich Hannah Höch mit einigen abstrakten Aquarellen an der ersten internationalen Dada-Schau in Berlin beteiligen. 1920 nahm sie an der Dada-Messe im Kunstsalon von Dr. Otto Burchard teil. Hier zeigte sie u. a. ihre bis heute berühmteste Collage "Schnitt mit dem Küchenmesser, Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchkultur Deutschlands" (dieses Bild gehört zur ständigen Ausstellung der Neuen Nationalgalerie in Berlin).

Zu Beginn der 20er Jahre freundete sich die Künstlerin mit Hans Arp und Kurt Schwitters an. Schwitters war es auch, der Hannah Höch – die eigentlich Johanne hieß, aber mittlerweile einfach Hanna genannt wurde – ein zusätzliches "h" für ihren Vornamen empfahl. So konnte man ihren Namen von hinten und von vorne in gleicher Weise lesen.

1924 reiste Hannah Höch zum ersten Mal nach Paris. Dort lernte sie Theo von Doesburg sowie Pieter Cornelis Mondrian kennen. In demselben Jahr ermöglichte ihr die Sowjetunion die Teilnahme an einer Ausstellung. 1925 wurde sie von der Deutschen Kunstgemeinschaft zu einer Ausstellung eingeladen.

1926 reiste sie in die Niederlande und blieb dort drei Jahre. Sie war dort Mitglied der Künstlergruppe "De Onafhankelijken" (Die Unabhängigen). In dieser Zeit entstanden verschiedene Kunstwerke zusammen mit Kurt Schwitters und Hans Arp. 1929 richtete die Gruppe ihr sogar eine Einzelausstellung aus, ein Höhepunkt ihres bisherigen künstlerischen Lebens. In Holland lernte sie auch die Schriftstellerin Til Brugman (1888-1958) kennen, sie verliebten sich ineinander und lebten von 1926 bis 1935 zusammen.

Til Brugman, so schrieb die Hannah Höch-Spezialistin Jula Dech, "passte in keine der traditionellen Rollen. Ihre hohe Intelligenz, ihr Sprachgenie, ihr Talent, sich über alles lustig zu machen, der beißende Spott, den sie mit allen trieb und gegen den sich keiner wappnen konnte, verstörte Männer zutiefst. Dass diese Frau sich aber nicht nur ökonomisch und intellektuell, sondern auch in sexueller Hinsicht von Männern unabhängig fühlte, machte sie schlichtweg zu einem weiblichen Ungeheuer." Hannah Höch hat ihre Jahre mit Brugman später als die "amüsantesten" ihres Lebens beschrieben.

1929 kehrte Hannah Höch mit Til Brugman nach Berlin zurück. Erst Mitte der 30er Jahre trennten sie sich voneinander. Höch war erschüttert über den Einfluss der Nationalsozialisten. In diesen Jahren entstanden Bilder mit surrealen Landschaften.
Karoline Hille begibt sich in ihrem Beitrag auf Entdeckungsreise zu den Collagen von Hannah Höch nach 1945. "Noch einmal, wie schon in der Weimarer Republik die "neue" Frau, nahm Hannah Höch das nun von den einschlägigen Hochglanzmagazinen propagierte Luxusgeschöpf gnadenlos ins Visier."

Über die Jahre der NS-Diktatur und die Kriegszeit hatte sich Hannah Höch stark zurückgezogen, so die Kuratorin Karoline Hille: "1939 hat sie am Rande, im Norden Berlins in Heiligensee, ein kleines Häuschen gekauft von einer Erbschaft, die sie gemacht hat. Und dort hat sie gelebt, die Kriegszeit überstanden, und mit ihrem großen Garten hauptsächlich, der sie ernährt hat. Und dort hat sie bis an ihr Lebensende gelebt."

Als der 2. Weltkrieg beendet war, war Hannah Höch 56 Jahre alt. Sie lebte recht isoliert und abgeschieden am Stadtrand von Berlin. Es gab keinen wirklichen Neustart. Der Schwerpunkt der Retrospektive liegt auf den Jahren nach 1945. Die Ausstellung zeigte rund 140 Werke – Papierarbeiten und Gemälde. Jedoch stammt die Mehrzahl der bekannten Arbeiten aus den 20er und 30er Jahren und wird geschickt mit einigen Werken aus dem Spätwerk verbunden. Die Werke nach 1945 sind eher spärlich in der Ausstellung vertreten.

AVIVA-Tipp: Als "Revolutionärin der Kunst" feiert das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr – nach einer ersten Station in der Kunsthalle Mannheim ‒im Jubiläumsjahr der Dada-Bewegung die legendäre Dada-Künstlerin und Collageistin Hannah Höch. Mit ihren ironischen und politisch motivierten Collagen hat sie Kunstgeschichte geschrieben.

Zu den Autorinnen:
Karoline Hille
studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Erziehungswissenschaften an der FU Berlin und arbeitet heute als freie Publizistin und Journalistin in Mannheim.1993 promovierte sie über die Geschichte der Mannheimer Kunsthalle. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Rezeptionsgeschichte sowie Frauen- und Geschlechterforschung. Bisher verfasste sie zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Kunst, Kultur und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts.
Dr.Inge Herold studierte Kunstgeschichte am Kunsthistorischen Institut (heute: Institut für Europäische Kunstgeschichte) der Universität Heidelberg und wurde ebenfalls dort promoviert. Sie ist seit vielen Jahren als Stellvertretende Direktorin und Kuratorin an der Kunsthalle Mannheim tätig.

Ausstellung
Hannah Höch. Revolutionärin der Kunst

11. September 2016 bis 8. Januar 2017

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr www.muelheim-ruhr.de

Karoline Hille und Karoline Hille
Hrsg. Von Ulrike Lorenz,
Hannah Höch. Revolutionärin der Kunst. Das Werk nach 1945

Ausstellungskatalog
Edition Braus Berlin, Hardcover mit gestanztem Schutzumschlag, 240 Seiten, mit über 220 Abbildungen,
34,00 Euro [D]
Edition Braus Berlin, erschienen 2016
ISBN: 978-3-86228-139-8

www.editionbraus.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Karoline Hille, Die zwanziger Jahre. Kunst. Liebe. Freundschaft
Hannah Höch gilt als Hauptvertreterin des Dadaismus und emanzipierte sich doch bewusst von diesem. Der Bildband liefert einen Überblick über die Anfänge einer beispiellosen Frauenkarriere in den "Goldenen Zwanzigern". (2015)

Karoline Hille, Spiele der Frauen. Künstlerinnen im Surrealismus
"Wie bei den berühmten Lilien auf dem Felde bestand ihr Daseinsrecht allein darin, die Fantasie ihrer Gebieter zu beflügeln." Die Frau im Surrealismus war ausschliesslich eine Projektion, ein männliches Gedankenkonstrukt, entweder ein vergöttertes Blumenwesen oder ein gefährliches böses Raubtier. Sie selbst, als Frau, ja sogar als Künstlerin, gab es in den Augen der Surrealisten nicht. (2010)

Hannah Höch – Bilderbuch 19 von Fantasietexten begleitete Collagen der Künstlerin rund um das Reich der Fabelwesen
Das phantastische Bilderbuch der Grande Dame der DADA-Bewegung - Hannah Höch - aus dem Jahr 1945 erschien nun im Verlag "The Green Box" und ist damit erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. (2008)

Gudrun Blankenburg, Friedenau – Künstlerort und Wohnidyll Porträt des zeitweiligen Berliner Wohnviertel Hannah Höchs. (2007)

Literatur Beitrag vom 04.10.2016 Yvonne de Andrés 

   




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