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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 12.10.2016

Rebecca West - Die Rückkehr
Yvonne de Andrés

Eine literarische Entdeckung und eine berührende Liebesgeschichte in den Schrecken des Ersten Weltkriegs. 100 Jahre nach dem Erscheinen liegt das literarische Debut der 1892 in London geborenen Schriftstellerin und Journalistin Rebecca West nun endlich auch auf Deutsch vor.



"Wenn eine Frau sich in dieser Zeit immer gleich Sorgen machen wollte, nur weil ihr Ehemann seit zwei Wochen nicht geschrieben hat! Außerdem, wenn er irgendwo an einem bedeutenden Ort wäre, irgendwo in einem wirklich heiß umkämpften Gebiet, hätte er einen Weg gefunden, mir davon zu berichten, anstatt es einfach bei einem ´Irgendwo in Frankreich´ bewenden zu lassen. Ich bin sicher, es geht ihm gut.", meint Kitty. Der Erste Weltkrieg tobt, und die schöne kühle Ehefrau Kitty und ihre Cousine Jenny verwalten zusammen das englische Landgut im Süden Londons. Detailliert beschreibt West die südenglische Landschaft, Schlösser und den Luxus. Gemeinsam warten sie auf die Rückkehr des Hausherrn Chris von der französischen Front. Aus der Perspektive von Jenny, die als Erzählerin fungiert, erfahren wir, dass diese seit Kindertagen in ihren Cousin verliebt war. Sie beobachtet und beschreibt, was geschieht, was sie denkt und empfindet, als sie plötzlich die Nachricht ereilt, dass Chris im Queen Mary Hospital in Boulogne liegt und bald nach Hause kommen wird. Keine offizielle Militärnachricht erreicht sie, sondern die unbekannte Mrs. Margaret Grey betritt mit dieser Meldung ihr Leben. Gefühlskalt, distanziert reagiert Kitty auf die Nachricht der Überbringerin.

Direkt neben Chris ist eine Granate explodiert und die Schockwellen haben ihm einen "Granatenschock" versetzt. Der einst tapfere und gebildete Mann kehrt körperlich und geistig beschädigt vom Schlachtfeld wieder zurück. Er leidet unter einem furchtbaren Psychotraumata, lebt in einer Welt der Vergangenheit, sein Gedächtnisverlust hat die letzten 15 Jahre ausradiert. Chris sehnt sich nach seiner Jugendliebe Margaret, und seine Ehefrau existiert für ihn nicht. Chris glaubt, er sei noch Student und in die arme Margaret verliebt. Hier wird ihre spätere Kritik der Klassengesellschaft vorwegnehmend, die Armut der Jugendliebe dem Luxus und Stand seiner Familie gegenübergestellt. Trotz der massiven Kränkung, die Kitty erleidet, versuchen die drei ganz unterschiedlichen Frauen Chris in die Gegenwart zu bringen. Besonders eindringlich sind die Beschreibungen von Trauer, Erschütterung und Mitleid im Text.

AVIVA-Tipp: Mit 26 Jahren veröffentlichte Rebecca West diesen Roman. Sie beschreibt sehr eindrücklich die Schrecken des Ersten Weltkrieges. Dabei entwirft sie ein Tableau, in dem Leid und Kummer, der Krieg, die versehrten Soldaten und das Bangen der Zuhausegebliebenen um ihren Liebsten intensiv vor uns ausgebreitet wird. Dieser Roman zeichnet sich durch nervenzerreißende psychologische Sensibilität und literarische Raffinesse aus. Die Übersetzung von Britta Mümmler ist wunderbar präzise, poetisch und sprachlich brillant. Leider sind nur wenige Bücher der Autorin, die 1983 in London starb, ins Deutsche übersetzt worden.

Zur Autorin: Geboren wurde Rebecca West unter dem Namen Cicely Isabel Fairfield 1892 in London. Zunächst absolvierte sie eine Schauspielausbildung in London und engagierte sich bei der Women´s Suffrage Movement. Später fing sie an zu schreiben, arbeitete als Journalistin und Schriftstellerin. West ist eine genaue Beobachterin sowohl der Geschehnisse, als auch der psychologischen Emotionen und Gemütsbewegungen, die sie brillant einfängt. Sie schrieb für namhafte Zeitungen wie Daily Telegraph, New Statesman, New York Herald Tribune und für Magazine wie Harper´s Bazaar und Vanity Fair. West machte sich einen Namen als Literaturkritikerin und Frauenrechtlerin. Über ihren Verriss des Romans "Marriage. Die Geschichte einer Ehe" (1912) lernte sie H.G. Wells kennen. Ab 1913 führten sie über zehn Jahre eine Liebesbeziehung, 1914 wurde der gemeinsame Sohn Anthony West geboren. 1946 entsandte sie der New Yorker als Berichterstatterin zu den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Die American Academy of Arts and Sciences nahm sie 1950 auf, und 1959 wurde Rebecca West als Dame Commander of the Order of the British Empire (DBE) geadelt. Sie starb am 15. März 1983.

Rebecca West
Die Rückkehr

Originaltitel: The Return of the Soldier, 1918
Aus dem Englischen von Britta Mümmler
Deutsche Erstausgabe
dtv Verlag, Hardcover, 160 Seiten
16,90 Euro [D]
dtv Verlag, erschienen 27. Mai 2016
ISBN: 978-3-423-28080-8
www.dtv.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

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In ihrer Radikalisierung riskierten sie, alles zu verlieren – ihre Arbeit, ihr Heim, ihre Kinder und ihr Leben. Maud war eine dieser mutigen Frauen. Der Film um die "Women´s Social and Political Union" erzählt die Geschichte des Kampfes um Würde und Selbstbestimmung. (2016)

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Nicht unbedingt um saubere, aber immer um tiefe Schnitte geht es in Abschiedsbriefen von Frauen (darunter von Rebecca West, Simone de Beauvoir, Else Buschheuer, Marlene Dietrich und viele mehr. Sibylle Berg hat sie gesammelt unter dem Motto "Und ich dachte, es sei Liebe" veröffentlicht. (2006)

Literatur Beitrag vom 12.10.2016 Yvonne de Andrés 

   




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