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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.10.2016

Harper Lee - Gehe hin, stelle einen Wächter
Yvonne de Andrés

Nachträglich zum 90. Geburtstag liegt endlich Harper Lees erster Roman als Taschenbuch vor. Die 2016 verstorbene Autorin des Welterfolgs "Wer die Nachtigall stört" zeichnet darin ein kritisches Bild des Südens der USA und bringt ihren Helden Atticus Finch zu Fall.



Jean-Louise Finch, genannt Scout, ist die Hauptperson im Roman, indem die Autorin sich zurück in ihre Kindheit begibt. Sie kehrt an den Schauplatz Maycomb zurück, der bereits im Roman "Wer die Nachtigall stört" (1960) eine Rolle spielte. Die Geschichte war zwischen 1933 und 1935 angesiedelt, während der großen Depression in den USA. Die Protagonist_innen der Handlung sind in beiden Romanen weitestgehend gleich geblieben. Damals wurde der konservative Anwalt und Abgeordnete Atticus Finch, ihr Vater, als Pflichtverteidiger berufen. Er wurde die zentrale Figur im Prozess zwischen dem angeklagten schwarzen Farmarbeiter Tom Robinson und der jungen weißen Frau Mayella, die ihn beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Der Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien wurde im Gerichtssaal ausgetragen. Dabei ging es um den konkreten Fall, aber auch um die Auseinandersetzung mit Rassismus, Ausgrenzung, Vorurteile und Intoleranz in dem Städtchen Maycomb. Dies wurde glänzend dargestellt. Es kam zwar nicht zum Freispruch, doch Atticus Finch errang einen "moralischen" Sieg. Er stand für den gebildeten weißen Amerikaner. Anständig und unbestechlich.

Im jetzt vorliegenden Roman kehrt Jahre später Jean-Louise Finch in den Sommerferien aus der Großstadt New York in ihre scheinbar beschauliche Geburtsstadt Maycomb nach Alabama, in den tiefen Süden der USA, zurück. Auf den ersten Blick hat sich kaum etwas verändert:"Was Maycomb davor bewahrte, nur eine von vielen schmuddeligen Kleinstädten in Alabama zu werden, war der hohe Anteil an Fachleuten: Man kam nach Maycomb, um sich einen Zahn ziehen, das Fuhrwerk reparieren, das Herz abhorchen, sein Geld anlegen, seine Maulesel vom Tierarzt behandeln, seine Kredit verlängern zu lassen. Zuwanderer gab es kaum."

Doch die Segregation und der Rassismus haben sich bis in die Mitte dieser Kleinstadt hineingefressen. Ihre Enttäuschung ist riesig. Die Idealisierung ihrer Kindheit zerbricht endgültig, als sie feststellen muss, dass ihr gealterter Vater Atticus Finch und ihr Verlobter Henry, der als Junior in das Unternehmen des Vaters eingestiegen ist, sich nicht von diesen Positionen distanzieren. Sie sitzen mit den anderen Stadträten am Tisch und teilen deren rassistische Ansichten. "Mr. O´Halon war im Süden geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen, hatte eine Frau aus dem Süden geheiratet, lebte schon sein ganzes Leben im Ort, und sein Hauptinteresse heute galt der Wahrnehmung der Lebensweise der Südstaaten.". Jean-Louise muss anhand der Äußerungen ihres hochgeschätzten Vaters erkennen, dass er diese Haltung teilt und dass die Kluft zwischen Weiß und Schwarz im Maycomb der 1950er Jahre nur noch tiefer geworden ist.

AVIVA-Tipp: Unklar bleibt, ob Harper Lee der Veröffentlichung des Buches noch zugestimmt hat, oder ob das lange verschollene und in einem Schließfach gefundene Manuskript gegen ihren Willen veröffentlicht wurde. Die Beschreibungen von Maycomb und seinen BewohnerInnen sind sehr anschaulich. Es gibt ein paar sehr starke Momente, wie den, wo Jean-Louise, versteckt auf der Empore, den Männern im Rathaus und deren rassistischen Meinungen zuhört. Die Streitgespräche mit dem Vater, Verlobten und Onkel behandeln in wechselnden Konstellationen Rassismus und Segregation. Es ist kein schönes Bild des weißen Südstaaten-Amerikas, das uns hier gezeigt wird. Der Schluss des Romans ist versöhnlich, Jean-Louise Finch geht auf ihren Vater zu und dieser bewundert seine Tochter wegen ihrer eigenen Meinung. "Na ja, ich habe jedenfalls gehofft, dass eine Tochter von mir zu dem stehen wird, was sie für richtig hält, das sie allen voran mir die Stirn bieten wird."

Zur Autorin: Harper Lee, eigentlich Nelle Lee (1926-2016), wurde in Monroeville (Alabama, USA) geboren. Ihre beiden wichtigen Romane spielen auch dort. "Wer die Nachtigall stört" (Originaltitel: To Kill a Mockingbird, 1960) verkaufte sich über 40 Millionen Mal und gilt als Klassiker der modernen amerikanischen Literatur. Dafür erhielt sie den Pulitzer-Preis. 1962 wurde "Wer die Nachtigall stört" von Robert Mulligan mit Gregory Peck in der Hauptrolle verfilmt. Der Film wurde insgesamt mit drei Oscars ausgezeichnet, wofür Peck einen erhielt und die damals zehnjährige Mary Badham für die beste Nebenrolle als Scout Finch für den Oscar nominiert war. Im Februar 2015 erschien in USA der Roman "Gehe hin, stelle einen Wächter"(Originaltitel: Go Set a Watchman, 2015) der jetzt als Taschenbuch vorliegt. 2007 wurde ihr die "Presidential Medal of Freedom" überreicht, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Starb 19. Februar 2016 im Alter von 89 Jahren in ihrem Heimatort Monroeville.

Harper Lee
Gehe hin, stelle einen Wächter

Originaltitel: Go Set a Watchman
Aus dem Englischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel
PenguinVerlag bei Randomhouse, Taschenbuch, 318 Seiten
10,00 Euro [D]
ISBN: 978-3-328-10018-8
www.randomhouse.de

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Alexandra Lavizzari - Glanz und Schatten. Truman Capote und Harper Lee - eine Freundschaft
Sie ist ein Raufbold, geht keinem Faustkampf aus dem Weg und macht mit ihrer Jungenbande die Stadt unsicher. Wenn sie genug Nasen blutig geschlagen hat, zieht sie sich am liebsten in ihr Baumhaus.zurück und liest. Er trägt weiße Shorts und elegant geschnittene Hemden, seine Haare sind immer fein gekämmt, er sieht aus wie ein Mädchen. Wegen seiner Fistelstimme nennen ihn die anderen Jungs "Sissy". Weil er in Prügeleien ständig den Kürzeren zieht, weckt er ihren Beschützerinstinkt. So wurden zwei Stars der amerikanischen Literatur, Truman Capote und Harper Lee, Freunde. (2010)

Literatur Beitrag vom 17.10.2016 Yvonne de Andrés 

   




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