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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.09.2017

Maren Holmes - Paula Heimann. Leben, Werk und Einfluss auf die Psychoanalyse
Nea Weissberg

Am 22. Oktober 2017 ist Paula Heimanns 35. Todestag. Die Diplom-Psychologin Maren Holmes beschreibt in ihrer Dissertation "Paula Heimann – Leben, Werk und Einfluss auf die Psychoanalyse" einerseits den Werdegang und das Wirken Paula Heimanns andererseits hinterfragt Holmes die Rolle der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) während der NS-Zeit und den Wiederaufbau nach dem Sieg über Nazideutschland.



Paula Gertrud Klatzko wurde am 3. Februar 1899 in Danzig geboren und starb als Paula Heimann am 22. Oktober 1982 in London.

Mit Hilfe der von den Nationalsozialisten verfassten "Sonderrechte für die Juden im NS-Staat" wurden vom 31. Januar 1933 an Gesetzesmaßnahmen erlassen, die dem Ziel dienten, "Nichtariern", Deutschen Juden und Jüdinnen ihre völlige staatsbürgerliche Rechte und ihre Existenzgrundlage zu entziehen, um sie schlussendlich legalisiert ausgrenzen, isolieren, beschimpfen, misshandeln, berauben und ermorden zu können.

Eines dieser NS-"Rassengesetze" betraf am 8. und 11. April 1933 die sogenannte "Beurlaubung" jüdischer Dozenten/Dozentinnen und Assistenten/Assistentinnen an den Universitäten sowie den Erlass, jüdischen Ärzten und Ärztinnen ihre geleistete Arbeit nicht mehr zu erstatten.

Ferner wurden der jüdischen Ärzteschaft die Kassenzulassung entzogen. Diese Ausgrenzung wurde auch gegen politische Oppositionelle angewandt.

Beides berührte das Leben der jüdischen Ärztin und Psychoanalytikerin Paula Heimann und ihren Ehemann, den Arzt Franz Heimann zutiefst. Sie waren politisch und sozialmedizinisch engagiert, lehnten sich ebenso gegen Krieg und den aufkommenden Nationalsozialismus auf.

Während Franz Heimann im April 1933 eine Stelle in einem Privatsanatorium in Lausanne erhielt, bekamen Paula Heimann und die gemeinsame achtjährige Tochter Mirza kein schweizerisches Visum. Die Ehe der Heimanns überstand diese von Außen aufoktroyierte schwierige Lebenssituation nicht und zerbrach. Paula Heimann beantragte ein Visum nach England und konnte im Juli 1933 ausreisen. Sie kam als Flüchtling am 3. Juli 1933 in London an. Ihre Tochter Mirza konnte später von einem Freund zu ihr nach London gebracht werden.

Im September 1933 erhielt Heimann die Erlaubnis, als Psychoanalytikerin praktizieren zu können. Ausschlaggebend wurde ihre ab 1950 neu entfaltete Konzeption der Gegenübertragung. Ihr durchziehendes Empathie-Vermögen in der Beschreibung der kleinianischen Objektbeziehungstheorie als auch der Freudschen Theorie und der psychoanalytischen Technik ist erhellend.

Paula Heimann gehörte der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft an, deren Berliner Mitgliedschaft verminderte sich nachdrücklich ab Herbst 1932 aufgrund zunehmender Auswanderungen von etwa 80 Personen ins Exil, bzw. teilten an die 30 Psychoanalytiker und Psychoanalytikerinnen das Leid anderer aus rassischen Gründen in Konzentrationslager vernichteter Menschen.
Das Berliner Psychoanalytische Institut wurde 1920 von Karl Abraham in Zusammenarbeit mit Max Eitingon gegründet. 1926 wurde es Die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft umbenannt, auf Wunsch des neuen Vorsitzenden Ernst Simmel. Paula Heimann begann ihre psychoanalytische Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut.
Die DPG bestand noch bis 1938 weiter, die Mitglieder wurden in das im März 1936 errichtete Deutsche Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie aufgenommen, unter der Leitung von Matthias Heinrich Göring. Der Arzt, Psychotherapeut und nationalsozialistischer Funktionär war ein Vetter von Hermann Göring und stand zzgl. Der Deutschen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie vor.
1938 löste sich die DPG selbst auf und schied damit aus eigenem Antrieb aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung aus.
In Folge dessen gab es bis in die 1960-ziger Jahre im Nachkriegsdeutschland in der psychosozialen Versorgung einen spürbaren Verlust.

Im Fokus von Holmes steht die fachliche Auseinandersetzung der deutschen Psychoanalyse mit Paula Heimann und ihrem Lebenswerk. Sie rekonstruiert Heimanns Biografie, ihre erkämpfte Auswanderung ins Londoner Exil und ihre Begegnung mit der psychoanalytischen "Scientific Community" nach ihrer geistigen Rückorientierung nach Deutschland.

Paula Heimann war maßgeblich am Wiederaufbau der Psychoanalyse in Nachkriegsdeutschland beteiligt, deutsche Kollegen besuchten sie in London, um sich von ihr supervisieren zu lassen. Heimann trug wie Michael Balint, Bela, Grunberger, Paul Parin u.a. zur Regeneration der Psychoanalyse in der BRD bei, und dazu, dass bundesrepublikanische Psychoanalytiker und Psychoanalytikerinnen sich nach und nach mit der historischen NS- Geschichte, vielleicht auch mit ihrer Familiengeschichte und ihrer beruflichen Position oder Beteiligung auseinandersetzten.

Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung wurde 1951 gegründet.
"Die 60er und 70er Jahre waren für die DPV eine Zeit von enormen Entwicklungsschüben... Die folgenden Jahre waren eine Zeit des Wachstums und der Wiederorientierung am internationalen Niveau. Paula Heimann sprach sogar von einer ´Renaissance der Psychoanalyse´." (Holmes, S. 276).

Der 1944 in Erez Israel geborene jüdische Psychoanalytiker aus Frankfurt, Sammy Speier (gestorben 2003), schildert 1987 seine Begegnung mit der unkonventionellen und souveränen Paula Heimann wie folgt:
"Als ich Paula Heimann und ihre unorthodoxe psychoanalytische Praxis kennenlernte, dachte ich zuerst: Das ist gar keine richtige Analytikerin, die Wände ihrer Wohnung sind voll mit Bildern, sie teilt dadurch etwas von sich mit, das stört die Übertragung. Dann betrachtete ich noch einmal die Fotoaufnahmen von Freuds Praxis. Mir wurde die häufig anzutreffende eigentümliche Lebelosigkeit, Fassadenhaftigkeit bundesrepublikanischer Psychoanalysen deutlich: hier gibt es viel Schein und wenig Sein. Der Bruch mit der Vergangenheit, den die Psychoanalytiker vollzogen haben, führt oft dazu, dass ihre Patienten allein bleiben, ohne emotionales Echo." (Holmes, S. 286).

AVIVA-Tipp: Maren Holmes beschreibt anschaulich, welche Rolle Paula Heimann bei der Wiederetablierung der Psychoanalyse in der BRD hatte. Heimanns theoretisches Werk wird in seiner innewohnenden Entstehung nachvollzogen und theoriegeschichtlich aufgestellt.

Für Experten und Expertinnen eine lesenswerte Zusammenstellung, die einen historischen Bogen bis heute spannt.

Zur Autorin: Maren Holmes ist Diplom-Psychologin, arbeitet an der Ambulanz des Berliner Psychoanalytischen Instituts (Karl-Abraham-Institut e.V.) und publiziert zur Geschichte der Psychoanalyse. Als Stipendiatin des Leo Baeck Fellowship Programms und der Promotionsförderung der Studienstiftung des deutschen Volkes arbeitete sie an ihrer Dissertation, für die sie 2014 den Förderpreis der Stiftung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung erhielt. 2016 promovierte sie zum Dr. rer. medic. am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité Berlin, medizingeschichte.charite.de
(Quelle: Psychosozial Verlag)

Maren Holmes
Paula Heimann. Leben, Werk und Einfluss auf die Psychoanalyse

Psychosozial-Verlag, erschienen im Dezember 2016
Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse
374 Seiten, Broschur
ISBN-13: 978-3-8379-2588-3
44,90 Euro
Der Titel ist auch als PDF-E-Book verfügbar
www.psychosozial-verlag.de

Mehr Literatur zu Paula Heimann:

Paula Heimann
Gegenübertragung und andere Schriften zur Psychoanalyse
Vorträge und Aufsätze aus den Jahren 1942 – 1980
1. Aufl. 2016, 473 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit einer Einführung von Werner Bohleber, mit einem Vorwort von Pearl King
Klett-Cotta-Verlag
ISBN: 978-3-608-94941-4
www.klett-cotta.de

Maren Holmes: Die Emigration von Paula Heimann nach London und ihr Beitrag zur Wiederbelebung der Psychoanalyse in der BRD nach 1945. In L. M. Hermanns et al. (Hg.): Psychoanalyse und Emigration aus Budapest und Berlin. Frankfurt/M. 2013, 157-172
Maren Holmes und Thomas Müller: Paula Heimann und die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung. Psyche 70 (4), 2016, 295-313

Mehr Informationen zu Paula Heimann unter:

Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon: www.psychoanalytikerinnen.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Edith Jacobson – Gefängnisaufzeichnungen. Herausgegeben von Judith Kessler und Roland Kaufhold
Ein Vierteljahrhundert lagen die Aufzeichnungen von Edith Jacobson bei Judith Kessler in der Schublade. Dann endlich fanden die Tagebuchnotizen, Gedichte und Analysen der jüdischen Psychoanalytikerin den Weg in die Öffentlichkeit. Sie erzählen von der Angst, von Mut und der Hoffnung auf Freiheit. (2015)

Ich hiess Sabina Spielrein - Ein Film von Elisabeth Márton
Lange vor David Cronenbergs Spielfilm "Eine dunkle Begierde" und Sabine Richebächers wegweisender Biografie "Sabina Spielrein. Eine fast grausame Liebe zur Wissenschaft", porträtierte die schwedische Regisseurin Elisabeth Márton in ihrem Dokumentarfilm die russisch-jüdische Ärztin und Analytikerin Sabina Spielrein. (2011)

Sabina Spielrein. Eine fast grausame Liebe zur Wissenschaft von Sabine Richebächer
Dank dieser akribisch recherchierten, bewegenden Biographie der Autorin, die selbst als Psychoanalytikerin in Zürich arbeitet, tritt die Ärztin Sabina Spielrein, Pionierin der Kinderpsychologie endlich aus dem Schatten ihrer beiden Überväter, C. G. Jung und Sigmund Freud. (2011)

Literatur Beitrag vom 17.09.2017 AVIVA-Redaktion 

   




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