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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.09.2017

Isabelle Autissier - Herz auf Eis
Tina Schreck

Der für den Prix Goncourt nominierte Thriller erzählt die Geschichte eines abenteuerlustigen Paares, das sich vom Pariser Büroalltag eine Auszeit nehmen will. Der Traum von der Weltumsegelung entpuppt sich allerdings schon bald als wahrer Albtraum, bei dem es ums nackte Überleben geht.



Freiheit, Wildnis, Abenteuer. Ein verlockender Gedanke, der für Ludovic bald zur Obsession wird. Denn er hat den tristen Alltag als Kundenberater in einer Pariser Eventagentur satt. Er möchte die Welt sehen, solange er und seine Freundin noch ungebunden sind. Die pflichtbewusste Louise hingegen hat Zweifel und fürchtet sich davor, ihren sicheren Job als Juristin in einem Finanzamt aufzugeben. Doch der immer gutgelaunte, lebensbejahende Ludovic kann sie schließlich von seiner Idee überzeugen und schon bald starten sie gemeinsam ihre aufregende Robinsonade.

Die verbotene Insel

Einige Monate sind bereits vergangen, von dieser glücklichen Zeit erfahren die Leser_innen allerdings nur wenig. Denn die Geschichte beginnt direkt an jenem verhängnisvollen Tag, an dem sich die beiden dazu entscheiden, einen Ausflug auf die unbewohnte Insel Stromness vor Kap Hoorn zu unternehmen. Diese diente früher als Walfangstation und steht seit geraumer Zeit unter Naturschutz, weswegen das Betreten strengstens untersagt ist. Doch die Neugierde siegt, schließlich gibt es neben den wildlebenden Tieren auch einen eingetrockneten See zu entdecken. Ein Eislabyrinth, das sonst nirgends auf der Welt in dieser Form existiert. Für die begeisterte Bergsteigerin Louise eine verlockende Herausforderung, die sie gerne annimmt. Mit Eispickel und Steigeisen gewappnet, machen sie sich daran, den frostigen Bergkamm der Südseeinsel zu erklimmen. Als sich der Himmel dunkel über ihnen zusammenbraut und Louise mit mulmigem Gefühl zur Rückkehr drängt, winkt Ludovic zunächst entnervt ab. Bald aber realisiert auch er, dass die Situation aus dem Ruder zu laufen droht. Leider zu spät. Ein fürchterliches Unwetter braut sich zusammen, weshalb das Paar gezwungen ist, die Nacht in der verfallenen Station zu verbringen. Als sie ihre Reise am nächsten Morgen fortsetzen wollen, ist ihr Schiff verschwunden und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Der Harte und die Zarte – Ein fragwürdiges Beziehungsmodell

Immer wieder betont die Autorin die physische sowie psychische Schwäche ihrer Protagonistin, die sich von ihrem dominanten Freund leiten lässt. Nicht nur, dass sie der Reise lediglich ihm zu Liebe, beziehungsweise aus Angst, ihn zu verlieren zustimmt, auch zu dem waghalsigen Inselbesuch lässt sich die "Kleine", wie Louise im Buch fortwährend genannt wird, mal wieder überreden. Die kurzen Rückblenden, in denen Isabelle Autissier die Beziehung der beiden vor der Reise beschreibt, werfen zudem ein schlechtes Licht auf die inferiore Frauenfigur: "Zuerst ist Louise einfach überwältigt, dass so ein schöner Mann mit ihr zusammen ist. Doch immer mehr liebt sie ihn dafür, dass er ihr gibt, was sie nicht hat." Erst im Kampf ums Überleben kristallisiert sich allmählich heraus, dass sie es sein wird, die letztlich die Führung übernimmt und einen kühlen Kopf bewahrt, während Ludovic langsam aber sicher seinen Lebensmut verliert. Diese Kehrtwende wirkt in Anbetracht der zuvor beschriebenen Insuffizienz der Louise allerdings forciert und verliert so an Authentizität. Schade ist auch, dass die Leser_innen nur wenig über die Gefühle der beiden zueinander erfahren. Schließlich liegt der Fokus des Buches darauf, was mit der Liebe geschieht, wenn wir unsere Komfortzone verlassen. Diese "Liebe" ist allerdings zu keinem Zeitpunkt wirklich fassbar, ebenso wenig die spätere Entfremdung. Zu gering scheint der Kontrast zwischen Zuneigung und Aversion.

Sieg der Urinstinkte

Detailliert und ungeschönt wird hingegen der beharrsame Überlebenskampf des Paares dargestellt. Um sich vor dem Hungertod zu retten, bleibt den beiden nichts anderes übrig, als die verrosteten Jagdutensilien, die sich in der ehemaligen Walfangstation befinden, zur Hand zu nehmen und auf Robben- und Pinguinjagd zu gehen. Mit schweren Eisenstangen bewaffnet, machen sie sich Tag für Tag ans Werk und schon bald werden die blutigen Massaker zu ihrem Alltag. "Ludovic verpasst der Robbe einen kräftigen Schlag gegen die Brust, und Louise schlägt ihr auf den Hinterkopf. An beiden Stellen sprudelt es rot hervor, und das verdutzte Tier quiekt auf." Die Brutalität dieser realistisch beschriebenen Szenen sind abscheulich und faszinierend zugleich und spiegeln auf drastische Weise die tiefe Verzweiflung der Protagonist_innen wider. Menschlichkeit und Fürsorge sind hier fehl am Platz. Je länger Louise und Ludovic der ausweglosen Situation ausgeliefert ist, desto klarer wird, dass der Überlebenswille stärker ist als jede Emotion.

AVIVA-Fazit: "Herz auf Eis" ist ein spannender Psychothriller, der die verschiedenen Etappen einer Liebe in einer Extremsituation analysiert, dem es aber hier und da an Tiefgang fehlt. Die Gefühlswelt der Figuren wird von dem packend dargestellten Überlebenskampf ein wenig zu sehr in den Hintergrund gedrängt, wodurch es schwerfällt, sich mit ihnen zu identifizieren.

Zur Autorin: Isabelle Autissier wurde am 18. Oktober 1956 in Paris geboren. Bereits im Alter von sechs Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Segeln. Als erste Frau, die allein im Rahmen einer Regatta die Welt umsegelte sorgte sie 1991 für Schlagzeilen. Seit den Neunzigerjahren widmet sie sich auch der Schriftstellerei. Ihr Roman "Herz auf Eis" war für den Prix Goncourt nominiert und wurde in zahlreiche Länder verkauft.
Weitere Informationen zu Isabelle Autissier unter: www.franceinter.fr

Zur Übersetzerin: Kirsten Gleinig kam 1970 in Osterode zur Welt. Sie studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Romanistik in Göttingen und Aix-en-Provence und lebt als freie Lektorin und Übersetzerin in Hamburg.

(Quelle: Verlagsinformation)

Isabelle Autissier
Herz auf Eis
Originaltitel: Soudain, seuls
Übersetzerin: Kirsten Gleinig
Mare Verlag, erschienen am 07.März 2017
224 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
ISBN 978-3-86648-256-2
22,00 Euro
www.mare.de

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Literatur Beitrag vom 28.09.2017 AVIVA-Redaktion 

   




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