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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.11.2008

Inge Kloepfer - Aufstand der Unterschicht. Was auf uns zukommt
Britta Leudolph

Die Wirtschaftsjournalistin erzählt die Geschichte von Jascha, einem Jungen aus der "neuen Unterschicht", der seine Kindheit in materieller und emotionaler Armut verbringt. An seinem Beispiel...



... erläutert sie, wie in Deutschland Kinder zu SystemverliererInnen gemacht werden.

Jascha ist neunzehn Jahre alt und lebt als Hartz-4-Empfänger in Berlin. Er hat bisher nicht viel Glück gehabt im Leben, wuchs als eines von fünf Kindern einer Alleinerziehenden in einem Problemviertel auf. Auch seine Mutter und selbst seine Großeltern hatten einen größeren Teil ihres Lebens mit Sozialtransfers des Staates bestritten, so sehr sie sich auch bemühten, diesem Kreislauf zu entkommen.

Jascha lebt mit dem Gefühl, dass es zwar stetig bergab geht, er aber nicht ins Bodenlose fallen kann. Seine Kindheit und Jugend verlief weitestgehend unbeobachtet von Erziehungsberechtigten, nach Kindergarten oder Schule geht er allein nach Hause oder treibt sich stundenlang mit anderen Kindern auf der Straße herum. Mit acht Jahren wird Jascha das erste Mal vom Jugendamt als verhaltensauffällig eingestuft, die eine oder andere Maßnahme wird angeordnet. Es ändert nichts. Der Junge wird früh gewalttätig, er raucht – nicht bloß Zigaretten, trinkt, klaut, fährt schwarz und besprüht Wände. Mit vierzehn verlässt er, wie schon seine älteren Geschwister vor ihm, sein zu Hause und geht freiwillig ins Heim. Jaschas Fazit über sein Leben: "Man hätte mehr auf mich aufpassen sollen."

Inge Klöpfer zeigt am Beispiel Jaschas die Existenz einer neuen Unterschicht auf, deren wesentliche Merkmale sie wie folgt beschreibt: "In der neuen Unterschicht paaren sich schlechte materielle Lebensbedingungen, Bildungsferne und Perspektivlosigkeit mit einem geradezu selbstverständlich vorgetragenen Anspruch auf staatliche Transfers." Als Kontrast hierzu zeichnet die Autorin das Bild der ambitionierten Mittelschicht-Eltern, die alles dafür tun, damit aus ihren Kindern mal etwas Ordentliches wird.

Kloepfer zeigt anhand zahlreicher Studien auf, dass in der deutschen Gesellschaft Kinder aus sozial benachteiligten Schichten systematisch zu VerliererInnen gemacht werden, weil sie zu wenig Förderung durch ihre Eltern bekommen, weil der Staat und insbesondere die Schule wie eine "Sortieranstalt" Lebenswege vorbestimmt und so die Chancen extrem ungleich verteilt sind.

Leider lässt sich Inge Kloepfer in ihrer Analyse zu groben Verallgemeinerungen hinreißen. Sie fasst eine ganze Gruppe von Menschen mit niedrigem Einkommen zusammen und wirft sie in einen Topf. Nur am Rande erwähnt sie zum Beispiel die Tatsache, dass darunter allein 36 Prozent Alleinerziehende zu finden sind, mehrheitlich Frauen, die häufig große Schwierigkeiten haben, Beruf und Kind zu vereinbaren. An dieser Stelle greifen Kloepfers Lösungsvorschläge zu mehr Investitionen in das Bildungssystem und stärkerer Förderung der Kinder zu kurz.

Zur Autorin: Inge Kloepfer, geboren 1964, studierte Volkswirtschaft und Sinologie. 1992 wurde sie Mitglied der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seit 2001 schreibt sie für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 2005 erschien ihre Biographie der Verlegerin Friede Springer, für die sie vom "Medium-Magazin" als "Wirtschaftsjournalistin des Jahres 2005" ausgezeichnet wurde. Kloepfer lebt mit ihrer Familie in Berlin.

AVIVA-Fazit: "Aufstand der Unterschicht" macht auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam, das für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands eine entscheidende Rolle spielen wird: die Kinderarmut und die damit einhergehende Chancenungleichheit. Inge Kloepfer beschreibt ausführlich den Zusammenhang von Kinderarmut und eingeschränkten Entwicklungschancen sowie der Benachteiligung im Bildungssystem. Allerdings bedient sich die Autorin allzu vieler Klischees, Stereotype und Pauschalisierungen, fördert so indirekt Stigmatisierung und Vorurteile. Die Lebensgeschichte Jaschas wirkt in Teilen als besonders krasses Beispiel konstruiert, das dem Publikum als Anschauungsobjekt vorgeführt wird.

Inge Kloepfer
Aufstand der Unterschicht. Was auf uns zukommt

Hoffmann und Campe, September 2008
Gebunden, 300 Seiten
ISBN 978-3-455-50052-3
Preis: 19,95 Euro

Weitere Infos:

Armutsbericht der Bundesregierung:
www.bmas.de

Unicef-Studie zu Kinderarmut in Deutschland:
www.unicef.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Arbeitsmarktintegration von Frauen durch Abbau effektiver Angebote bedroht

Magazin von pro familia zum Thema Armut aus 2005.

Huberta von Voss - Arme Kinder, reiches Land

Literatur Beitrag vom 06.11.2008 Britta Leudolph 

   




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