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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.11.2008

Jüdisches Berlin - Photos aus Kaiserreich und Weimarer Republik
Alexandra Kasjan

Der Begleitband zu Bill Rebigers Taschenbuch "Das jüdische Berlin. Kultur, Religion und Alltag gestern und heute" zeigt in aufwendigem Duplexdruck authentische Bilder jüdischer BürgerInnen,...



...Gesellschaft und Kultur zwischen Kaiserzeit und Weimarer Republik (1871-1933).


Bill Rebiger gewährt mit seinem Bildband "Jüdisches Berlin" den BetrachterInnen einen Einblick in die Vielfalt jüdischen Lebens in der deutschen Hauptstadt, bevor der Nationalsozialismus wütete und das Ziel verfolgte, das europäische Judentum auszulöschen. Die Porträts bedeutender jüdischer Persönlichkeiten, deren Einfluss bis in unsere Zeit hinein reicht, wie etwa Lina Morgenstern (1830-1909), Lily Montagu (1873-1963), Walther Rathenau (1867-1922), Albert Einstein (1879-1955), Abraham Geiger (1810-1874) oder Max Liebermann (1847-1935) werden in Bild und Text dokumentiert. So auch heute weniger bekannte jüdische Menschen wie etwa der patriotisch eingestellte Hans Loevinson, der sich wie viele seiner Glaubensgenossen als Freiwilliger bei der Armee meldete. Während des Ersten Weltkrieges diente Loevinson als Krankenpfleger.

Architekturphotographien jüdischer Gebetshäuser, die während der Pogromnacht 1938 teilweise oder unwiederbringlich zerstört wurden,sind ein weiteres zentrales Thema im Bildband. Die Alte Synagoge in der Heidereutergasse (Berlin-Mitte) etwa wurde bereits im Jahre 1714 eingeweiht. Heute existiert das Gotteshaus nicht mehr, da es in den 1960er Jahren abgerissen wurde. Besonders die Photographie (entstanden 1929) von der Synagoge Fasanenstraße 79/80 (Berlin-Charlottenburg), die von Ehrenfried Hessel entworfen und im Jahre 1912 eingeweiht wurde, macht das damalige religiöse Leben der deutschen Juden lebendig, da hier im Gegensatz zu den Architekturaufnahmen jüdischer Gebetshäuser auch eine auf der Straße versammelte Menschenmenge nach dem Gottesdienst zu sehen ist. Sowohl Damen als auch Herren in schicker Garderobe, manche vertieft in ihren Gedanken, andere plaudernd, stehen vor dem Eingangsportal. 1938 wurde die Synagoge völlig zerstört. Heute steht an diesem Ort der Neubau des Jüdischen Gemeindezentrums. Vor dem Eingang kann man heute originale Bauelemente von damals erkennen, wie das vorgesetzte Eingangsportal und ein Teil der Fassadenpilaster.

Viele Synagogen wurden im neoromanischen Stil entworfen und weisen nach dem Vorbild der Romanik Rundbögen und massive Steinmassen auf. Während sich einige Synagogen im Hinterhof befanden, standen andere Gemeindesynagogen im Sinne des damaligen aufkommenden jüdischen Selbstbewussteins als repräsentative Institutionen separat von anderen Gebäuden.

Kulturelle Einrichtungen wie jüdische Theater oder Bibliotheken, aber auch Kaufhäuser, Geschäfte und Restaurants, und deren jüdische Inhaber sind im Bildband zu sehen: Der Kaufmann und Geschäftsführer der Kaufhauskette "A. Jandorf & Co.", Adolf Jandorf (1870-1932), gründete mit dem "Kaufhaus des Westens" (KaDeWe) im Jahr 1907 das bis heute bekannteste deutsche Kaufhaus. Oder Hermann Tietz, der ebenfalls aus einer deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie stammte. Er war einer der Ersten in Deutschland, der die Idee, ein Warenhaus zu gründen, umsetzte. So geht die bekannte Warenhauskette "Hertie" auf ihn zurück. Nicht nur große Kaufhäuser, sondern auch kleine Läden jüdischer Händler prägten die Stadt.

Familienbilder sind ebenfalls Bestandteil dieser photographischen Sammlung Unter ihnen befinden sich auch assimilierte Jüdinnen und Juden, die sich als Deutsche fühlten und sogar Weihnachten feierten. Die patriotische Einstellung vieler Jüdinnen und Juden dokumentieren auch die Bildaufnahmen von Soldaten, die während des Ersten Weltkrieges ihr Land mit Leib und Seele verteidigten. Im scharfen Kontrast dazu stehen die Bilder, die orthodoxe Jüdinnen und Juden abbilden, wobei sich vor allem die männlichen Juden mit ihrer charakteristischen Kleidung, also schwarze Anzüge und Hüte, vehement von ihren nichtjüdischen MitbürgerInnen sowie dem liberalen Judentum unterschieden. Aufgrund ihrer prägnanten Erscheinung wurden orthodoxe Jüdinnen und Juden von ihrer christlichen Umwelt mit Misstrauen betrachtet.

Jüdische karitative und zionistische Vereinigungen und Veranstaltungen, diverse Aktivitäten im Jüdischen Jugendwohn- und Lehrlingsheim, wie etwa Schachunterricht, Sportclubs, StudentInnenenverbindungen und PfadfinderInnenzusammenkünfte sind weitere Motive. Aber auch Photographien jüdischer Festlichkeiten wie Chanukka oder Purim, gehören zum Repertoire des zweisprachigen Bildbandes "Jüdisches Berlin – Jewish Life in Berlin".

Private und eher zufällige alltägliche Schnappschüsse, wie etwa spielende Kinder, runden die Auswahl an Photographien aus Kaiserzeit und Weimarer Republik ab und bilden das Gegenstück der professionell erstellten Bildaufnahmen. Die Photos dokumentieren die Blütezeit jüdischen Lebens in Berlin und beweisen, dass sich die jüdische Kultur in allen sozialen Bereichen manifestierte. Ob jüdische WissenschaftlerInnen, MusikerInnen, bildende oder darstellende KünstlerInnen, JournalistInnen, VerlegerInnen oder Geschäftleute – sie alle waren ein untrennbarer Teil innerhalb der deutschen Gesellschaft.

Zum Autor: Bill Rebiger studierte in Berlin und Jerusalem Judaistik und Philosophie. Seine judaistische Promotion folgte 2004. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt zum Jerusalemer Talmud an der Philipps-Universität Marburg. Weiterhin ist er Lehrbeauftragter am Institut für Judaistik der Freien Universität Berlin und Mitglied im Verein "StattReisen Berlin e.V.". Im Jaron Verlag erschienen von ihm "Das jüdische Berlin" (Neuausgabe 2007) und "Jüdische Stätten in Berlin" (4. Auflage 2006).

AVIVA-Tipp: Die Photographien in "Jüdisches Leben" bestechen durch ihre hohe Qualität, aber sie sind auch im historischen Sinne wertvoll. Durch Betrachtung der Bilder erhält man einen fundierten Einblick in das jüdische Leben im Kaiserreich und während der Weimarer Republik. Einige Persönlichkeiten, wie etwa Walther Rathenau, blicken den BetrachterInnen direkt in die Augen, so dass man das Gefühl bekommt, diese wären noch immer lebendig. Auf der anderen Seite fühlt man sich aufgrund der ausgezeichneten Qualität der Aufnahmen direkt in die Vergangenheit hineinversetzt.

Jüdisches Berlin Photos aus Kaiserreich und Weimarer Republik
Jaron Verlag, 1. Auflage erschienen September 2008
Gebunden mit Schutzumschlag, 128 Seiten, 117 Photos, Duplexdruck
Format: 23 x 28 cm
ISBN 978-3-89773-586-6
Sprachen: Deutsch und Englisch
Preis: 29,90 Euro
Weitere Infos unter: www.jaron-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:


"Jüdische Friedhöfe in Berlin" von Johanna von Koppenfels.

"Berliner Juden 1941 - Namen und Schicksale", herausgegeben von Hartmut Jäckel und Hermann Simon.

"Jüdisches im Grünen. Ausflugziele im Berliner Umland" herausgegeben von Judith Kessler und Lara Dämmig.

"Ich besaß einen Garten in Schöneiche bei Berlin" von Jani Pietsch.

"Das Zeugenhaus" von Christiane Kohl.

"Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933" von Myra Warhaftig.

"Die Wertheims" von Erica Fischer und Simone Ladwig-Winters.

"Eine Debatte ohne Ende? Raubkunst und Restitution im deutschsprachigen Raum" herausgegeben von Julius H. Schoeps, Anna-Dorothea Ludewig.

"Juden. Bürger. Berliner. Das Gedächtnis der Familie Beer - Meyerbeer – Richter".

"Berlin unterm Hakenkreuz" von Sven Felix Kellerhoff.

"Anwalt ohne Recht" herausgegeben von Simone Ladwig Winters.

"Juden in Berlin – Biografien" herausgegeben von Elke-Vera Kotowski.

"Geschichte des jüdischen Alltags in Deutschland", herausgegeben von Marion Kaplan.

Das jüdische Berlin. 1. Teil (aus 2004).

Literatur Beitrag vom 14.11.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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