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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 18.11.2008

Regina Dieterle - Die Tochter. Das Leben der Martha Fontane
Yvonne de Andr├ęs

Sie war die Hauptperson und Quelle der Inspiration im Leben ihres Vaters Theodor, aus dessen Bannkreis sie nicht entfliehen konnte. Die erste umfassende Biografie liegt jetzt vor.



"Marthas erstes Lebensjahr war, so scheint es, gl├╝cklich. Sie war der Mittelpunkt der Familie" so beschreibt Regina Dieterle Martha Fontanes Eintritt in die Familie. Martha, die lang ersehnte Tochter (nach f├╝nf Jungen) wurde "Vaters Liebling" und die wichtigste literarische Gespr├Ąchspartnerin von Theodor Fontane.

Trotz materieller Einschr├Ąnkungen wuchs "Mete", wie sie liebevoll genannt wurde, in einem literarisch-k├╝nstlerischen Milieu auf. Sie erhielt eine Ausbildung als Hauslehrerin, spielte Klavier und wurde liberal erzogen. Die Fontanes wohnten in der Potsdamer Strasse, damals noch vor den Toren Berlins. Hier war es ruhig und die Mieten waren erschwinglich. Im Hause Fontane verkehrten viele Intellektuelle: der Maler Adolf Menzel, die Schriftsteller Paul Heyse und Gerhart Hauptmann sowie die Schauspielerin Paula Schlenther-Conrad. Es sind die FreundInnen des Vaters, die auch bald die FreundInnen der Tochter werden. Anregende Gespr├Ąche finden beim nachmitt├Ąglichen Tee oder zum Abendessen statt. Adelige und neue Industrielle, wie z.B. die Chemikerfamilie Witte aus Rostock, besuchen die Fontanes. Friedrich Witte, ein Freund Fontanes aus dessen Apothekerzeit, ist auch Reichstagsabgeordneter der nationalliberalen, sp├Ąter deutsch-freisinnigen Partei. Er besorgte Martha Billets, um von der Besuchertrib├╝ne des Reichtages aus die Reden zu verfolgen. So erlebte sie unter anderen Bebel und war dabei, als Bismarck das Sozialisten-Gesetz durch den Reichstag peitschte. Von diesen Eindr├╝cken berichtet sie im Anschluss minuti├Âs ihrem Vater. Regina Dieterle schreibt: "Zu einer Zeit, da Frauen kein Wahl- und Stimmrecht besa├čen, hatte Martha Fontane ein doppeltes Privileg: das Privileg, in der Hauptstadt zu leben, und das Privileg, einen `Onkel┬┤ zu haben, der Reichstagsabgeordneter war und ihr gerne einen Trib├╝nenplatz verschaffte."

Da der Vater Kritiken schrieb, hatte Martha auch problemlosen Zugang zu Theatern, Soir├ęes, Musicals und damit insgesamt zu den politischen und kulturellen Diskursen ihrer Zeit. Der judenfeindliche Hofprediger Adolf Stoecker und ein Artikel des ebenfalls antisemitischen Historikers Heinrich von Treitschke aus dem Jahr 1879 l├Âsten eine breite ├Âffentliche Diskussion zur so genannten "Judenfrage" aus. Stoecker und Treitschke sind die Erfinder des modernen Antisemitismus in Deutschland. Am 30. April 1880 erlebte Mete in dieser aufgeheizten Stimmung eine Fortsetzung dieses ├Âffentlichen Streits im Schauspielhaus, als das St├╝ck "Gr├Ąfin Lea" von Paul Lindau aufgef├╝hrt wurde. Im Theaterst├╝ck wurde die Frage, ob Juden die gleichen Rechte wie alle anderen B├╝rger Deutschlands haben sollen, Pro und Contra behandelt. Ein Medienecho zu dieser Auff├╝hrung blieb jedoch aus. Mete hielt sich, nach eigener Einsch├Ątzung, "tapfer gegen antisemitische Einfl├╝sse".

Um sie herum wurde geheiratet, doch sie blieb lange, bis zu ihrer Verlobung f├╝r die Eltern "die Tochter". Sie heiratete sp├Ąt und war entschlossen, ein Leben als Alleinverdienende zu f├╝hren. Verschiedene Krankheiten und Depressionen verhinderten, dass sie die eigenen W├╝nsche und F├Ąhigkeiten realisieren konnte.

F├╝r Fontane-Liebhaberinnen ist das innige, bis leicht ins erotische kippende Verh├Ąltnis zwischen Tochter und Vater interessant. Auch die Frage, ob Martha Fontane sich das Leben nahm, beleuchtet die Biografin umfangreich. Sie sieht den Tod Marthas als Selbstmord. In einer Tagebucheintragung Marthas hei├čt es: "nun bin ich sch├Ąndlicherweise auch noch krank und habe zeitlebens, so lange ich denken kann, f├╝r mich selber sehr viel ausgeben m├╝ssen und bin statt meiner gesicherten Lage durch Papas Werke und statt der Frau eines an Einnahmen sehr wohlhabenden Mannes eine im h├Âchsten Ma├če bedr├Ąngte Frau, die auch nur noch kritisiert und missbilligt wird."

Zur Autorin: Regina Dieterle, geboren 1958, studierte Germanistik an der Universit├Ąt Z├╝rich. Seit 1990 Lehrbeauftragte an der Kantonsschule Enge Z├╝rich. Von 1998 bis 2004 absolvierte sie l├Ąngere Forschungsaufenthalte in Berlin. Dieterle ist Vorstandsmitglied der Theodor Fontane Gesellschaft und lebt in Z├╝rich. Ihre Arbeiten umfassen Publikationen zu Annemarie Schwarzenbach, Theodor und Martha Fontane, Lydia Escher und Karl Stauffer-Bern.

AVIVA-Tipp: Regina Dieterles facettenreiche Biografie fasziniert durch die hohe Plastizit├Ąt und den Detailreichtum, mit dem sie die kluge, kaprizi├Âse und anspruchsvolle Martha Fontane beschreibt. Ihre Darstellung eines selbst├Ąndigen Frauenlebens, das kurz vor der Reichsgr├╝ndung, am 21. M├Ąrz 1860 beginnt und am 10. Januar 1917 endet, bietet ein dichtes Familien- und Zeitgeschichts-Panorama, dessen Hauptschauplatz Berlin ist. Berlin ist das Exerzierfeld der Moderne, die Stadt ein Laboratorium zwischen Klassendenken und Weltoffenheit. Mittendrin in dieser sich rasch umw├Ąlzenden preu├čischen Gesellschaft befindet sich die Familie Fontane und ihre Freunde. Regina Dieterle hat f├╝r ihr Buch umfangreiche, noch nicht erschlossene Briefe und Quellen geborgen und erm├Âglicht so einen neuen Blick auf das Beziehungsgeflecht zwischen Vater und Tochter.
Regina Dieterle
Die Tochter

Das Leben der Martha Fontane
Diogenes Verlag, erschienen September 2008
Kartoniert - 448 Seiten
ISBN: 9783257237412
14,90 Euro


Literatur Beitrag vom 18.11.2008 Yvonne de Andr├ęs 

   




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