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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 20.11.2008

Die Peanuts - Werkausgabe 1959 und 1960
Henriette Jankow

Wer kennt sie nicht, Charlie Brown und seine FreundInnen? Sie sind der Mikrokosmos der amerikanischen Vorstadtgesellschaft. Seit 2006 erscheint bei Carlsen Comics die Werkausgabe der Peanuts...





...In diesem Jahr ist der f├╝nfte schwarz-wei├č Band der beliebten Comicserie erschienen. Er umfasst alle Tages- und Sonntagsstrips der Jahre 1959 und 1960.

Dieser Comic-Band erinnert an ferne Kindertage als man sich Sonntag morgens vor den Fernseher l├╝mmelte und Snoopy, Charlie Brown, Lucy, Linus und Schroeder bei ihren t├Ąglichen Abenteuern zusah. Liest man ihre Geschichten 20 Jahre sp├Ąter durch die Brille einer mehr oder weniger Erwachsenen, so scheint es, als sei man erst jetzt f├╝r den subversiven Humor empf├Ąnglich, der in den Dialogen der Peanuts steckt. Hier eine kleine Kostprobe:

Snoopy bringt seine Bewunderung ├╝ber Schneeflocken zu Ausdruck: "Da schweben Millionen von ihnen sanft zu Boden...und keine soll sein wie die andere! Nicht eine gleicht dem Rest...Die letzten unb├Ąndigen Individualisten!"

Die kleinen sympathischen Charaktere sind stets etwas altklug und nicht minder eigensinnig: Snoopy, der sprechende Hund, verbringt die N├Ąchte lieber auf dem Dach seiner Hundeh├╝tte als im Schutz der vier W├Ąnde. Er tut dies, um einen freien Blick auf den Sternenhimmel zu haben, wenn er sich fragt, warum er eigentlich geboren wurde. Charlie Brown ist der unbeholfene Pechvogel, der so gern ein Held w├Ąre und doch immer nur der Esel ist, wenn er als Baseballkapit├Ąn seine Mannschaft wieder nicht zum Sieg f├╝hrt. Dann steht er an der Mauer und versinkt in Selbstmitleid, w├Ąhrend die gewitzte und energische Lucy ihn ma├čregelt und ihm schonungslos seine Schw├Ąchen aufz├Ąhlt. Lucy ist das vorlaute Alphaweibchen unter den kleinen Freunden. Insgeheim verliebt in den wortkargen kleinen Klaviervirtuosen und von Beethoven besessenen Schroeder, kann sie im Grunde nicht anders als die Welt zu retten, indem sie andere auf ihre Fehler hinweist. Ihr kleiner Bruder Linus zeigt sich davon wenig beeindruckt. Als der mit Abstand j├╝ngste der Peanuts bietet ihm nicht allein seine Schmusedecke Schutz - nach der er zugegebener Ma├čen s├╝chtig ist -, sondern auch seine Schlagfertigkeit:

Linus schw├Ąrmt von seiner Schmusedecke: "Mit dieser Decke f├╝hle ich mich wie ein Bankier, der sein Geld gut angelegt wei├č." Lucy: "Hast du gesehen, dass ich ein kleines St├╝ck aus deiner Decke geschnitten habe, Linus? Meine Puppe brauchte unbedingt eine neue Bettdecke. Das ist doch kein Problem, oder?" Linus starrt auf seine kaputte Decke und br├╝llt seine Schwester an: "Jetzt ist ein gro├čes Loch in meiner Finanzdecke!"

Dass die Peanuts zeitlos sind, wird durch ihr Dasein als Comic-Legende bezeugt.
Sie sind eine kleine Kom├Âdie, die sich auf kindliche Weise mit den Themen der Gro├čen besch├Ąftigt und damit auch vermag, Erwachsene zum Schmunzeln zu bringen. Dabei wird nicht selten eine ganze Gesellschaft aufs Korn genommen. Wenn Linus an den "gro├čen K├╝rbis" schreibt, um ihm seine W├╝nsche zu Halloween kund zu tun, darf man das durchaus als augenzwinkernde Kritik der Festtagskommerzialisierung sehen: "Warum trommeln wir nicht alle zusammen und singen K├╝rbislieder?"


AVIVA-Tipp: Dieser Band ist ein Muss f├╝r alle Comic-Fans, FreundInnen des feinen Humors, gro├če und kleine prinzipientreue Anh├ĄngerInnen der Peanuts und all diejenigen, die noch gar nicht wissen, worum es bei Charlie Brown und seiner Rasselbande geht. Kurzum, es ist f├╝r jede etwas dabei. Wer noch nicht angefangen hat, die Peanuts-Cartoons zu sammeln und ihnen einen Ehrenplatz im B├╝cherregal zu gew├Ąhren, der sei geraten, dies jetzt zu tun.
Diese Werkausgabe der Jahre 1959/60 ist bereits der f├╝nfte Band. Ein sechster wird Anfang n├Ąchsten Jahres folgen.


Zum Autor: Charles M. Schulz, 1922 in Minneapolis geboren, wurde schon fr├╝h mit der Leidenschaft f├╝r Comics konfrontiert. Er erlernte das Zeichnen an der Art Instruction School. Nach einigen erfolglosen Jahren als Cartoonzeichner gelang ihm mit den "Li`l Folks", der Durchbruch. Er verkaufte einen Strip mit mehreren Bildern an das Zeitungssyndikat, welches die Comicreihe gegen den Willen des Autoren in "die Peanuts" umbenannte. Ab Mitte der 1960er Jahre war die kleine Rasselbande auch im Fernsehen zu sehen. Charles M. Schulz starb am 12. Februar 2000 an Krebs. Ein Tag darauf erschien sein letzter Comic-Strip.


Charles M. Schulz
Die Peanuts - Werkausgabe 1959/60

Carlsen Comics, erschienen September 2008
ab 8 Jahren
360 Seiten / Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-551-78815-3
29,90 Euro

Literatur Beitrag vom 20.11.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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