Shalom Auslander - Eine Vorhaut klagt an - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 11.12.2008

Shalom Auslander - Eine Vorhaut klagt an
Alexandra Kasjan

Kann man alle religiösen Vorschriften missachten und dennoch an Gott glauben? Dieses Buch beweist es: Der Schriftsteller, in einer jüdisch-orthodoxen Familie erzogen, erinnert sich an...



... seine Kindheit, Jugend und an seine Erfahrungen als Erwachsener. Damal wie heute begeht er heimlich Sünden: Er isst nicht koscher, konsumiert Drogen, besorgt sich Pornohefte, übt "unheilige" Sexpraktiken aus und hält sich nicht an die Schabbatregeln. Er zeigt dem Allmächtigen seinen Mittelfinger und überhäuft ihn mit Schimpfwörtern. Trotz seines rebellischen Verhaltens zeigt er eine immerwährende Angst vor Seiner Rache und stellt sich die schrecklichsten Strafen vor, die ihn erwarten.

"Warum muss ich anders sein?" Diese Frage stellt sich Shalom Auslander bereits in frühen Jahren. Er möchte so leben wie die Christen: Als Kind möchte er Hotdogs oder verschiedene Schokoriegel, wie Twix, essen, später als Jugendlicher am Schabbat Auto fahren und außerdem noch vor der Heirat ersten sexuellen Kontakt haben. Doch die strenge jüdische Tradition mit ihren 365 Verboten gestattet dies nicht.

Shalom Auslander begeht die schlimmsten Sünden, die es im Judentum gibt. Heimlich schleicht er sich zu MacDonalds und kauft sich Cheeseburger. Er hat einen Heisshunger auf alles was "trefe", also unrein und damit Sünde ist. Die nervigen Segnungen für Lebensmittel, von denen es sechs verschiedene gibt, ignoriert er bewusst: "Ha-mozi", der Segen für Brot, "Mesones", der Segen für Weizen, "Ha-gafen", der Segen für Wein oder Traubensaft, "Ha-ez", der Segen für Dinge, die auf Bäumen wachsen, "Ha-adama", der Segen für Dinge, die in der Erde wachsen und "Sche-hakol", der Segen für alles andere. Eine weitere Sünde ist der Umgang mit seinem Körper: Mit einer künstlichen Frau sammelt Shalom Auslander seine ersten sexuellen Erfahrungen, obwohl Selbstbefriedigung im Judentum verboten ist, weil dabei durch die Ejakulation Samen verschwendet werden.

Der Gesetzesbrecher ist wütend auf seine Familie und hat oft Schuldgefühle, wenn er sich seinen Eltern und vor allem seiner Mutter widersetzt. Er muss sich Vorwürfe anhören, wie etwa, dass ein Nichtbefolgen der jüdischen Gesetzte erneut ein Holocaust heraufbeschwören wird und dass viele Juden aufgrund ihrer Einhaltung der religiösen Gesetzte ihr Leben verloren haben. Die großen Gewissensbisse führen dazu, dass Shalom Auslander einen Psychiater braucht.

Sein stets mürrischer Vater, seine bekümmerte Mutter, die bei jeder Kleinigkeit anfängt zu weinen und seine beiden Geschwister können, obwohl sie ehrfurchtsvoll Gottes Gesetzte einhalten, nicht verhindern, dass Shalom Auslander eben diese bricht. Stur geht er seinen eigenen Weg, auch wenn dies bedeutet, dass er sich mit seiner Familie verkracht. Im Gegenteil: Ohne deren Gegenwart fühlt er sich als Erwachsener freier und wohler denn je. Er wird Vater eines Sohnes und lässt ihn vom Arzt kurz nach der Geburt beschneiden, obwohl die "Brit Mila" nach jüdischem Brauch erst am achten Tag vollzogen wird. Lange Zeit quälen Shalom Auslander Gedanken, ob die Beschneidung überhaupt notwendig oder einfach nur eine Tortur für das Kind ist. Für Shalom Auslander ist klar: Gott ist schuld. Dank seiner Gesetzte muss er sich nun den Kopf zerbrechen: Soll die Vorhaut bleiben oder nicht?

AVIVA-Tipp: "Eine Vorhaut klagt an" ist ein tragikomisches, sehr unterhaltsames, aber auch mutiges Buch. Shalom Auslander schockiert mit seiner Offenheit in religiösen und privaten Belangen. Doch gerade seine Aufrichtigkeit macht ihn so sympathisch. Nicht nur die häufigen überaus humorvollen Momente, sondern auch der flüssige Schreibstil macht das Lesen zum Vergnügen.
Seine Erinnerungen wären bestimmt eine wunderbare Vorlage für ein Drehbuch, da man sich die Szenen vor dem geistigen Auge wunderbar vorstellen kann.

Zum Autor: Shalom Auslander stammt aus einer jüdisch-orthodoxen Familie aus Spring Valley, New York. Er hat Beiträge in diversen amerikanischen Magazinen veröffentlicht, u. a. Esquire und Maxim. Vorsicht, bissiger Gott ist sein Erzähldebut. Shalom Auslander lebt in Brooklyn. Infos und Kontakt:
www.shalomauslander.com

Shalom Auslander
Eine Vorhaut klagt an. Erinnerungen

Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld
Originaltitel: Foreskin´s Lament
Berlin Verlag, erschienen Oktober 2008
ISBN: 978-3827007728
Gebundene Ausgabe, 301 Seiten
Preis: 19,90 Euro


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
"Vorsicht bissiger Gott" von Shalom Auslander.

Literatur Beitrag vom 11.12.2008 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken