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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 18.12.2008

Heimat ist da, wo man verstanden wird. Junge VietnamesInnen in Deutschland
Britta Leudolph

Uta Beth und Anja Tuckermann tauchen in die Welt junger VietnamesInnen ein, ergründen ihren Alltag, fragen nach ihrer Geschichte, ihren Perspektiven und Problemen in Deutschland.



In Deutschland leben circa 115. 000 VietnamesInnen. Die meisten von ihnen leben unauffällig in der deutschen Gesellschaft, "[...] betreiben ihre Geschäfte, ihre Restaurants, Imbisse, Läden und Stände [...]. Sie sind arbeitsam, freundlich und sehr reserviert. Wenn überhaupt finden sie Aufmerksamkeit als Opfer fremdenfeindlicher Übergriffe, als Verkäufer der berüchtigten Zigaretten-Mafia oder – ja, als gute SchülerInnen und zielstrebige StudentInnen."

Die Autorinnen Uta Beth und Anja Tuckermann untersuchten die Lebenswelt junger VietnamesInnen und machten dabei erstaunliche Entdeckungen. Ihre Elterngeneration kam auf unterschiedliche Weise nach Deutschland. Nach dem Ende des Vietnam-Krieges 1975 nahm die Bundesrepublik Deutschland insgesamt 45.779 Kontingentflüchtlinge auf, die oft eine gefährliche Odyssee als "Boat People" hinter sich hatten, in Deutschland dann aber schnell Fuß fassen konnten.

Unter völlig anderen Voraussetzungen kamen vietnamesische VertragsarbeiterInnen in die DDR. Sie wurden vorrangig als billige Arbeitskräfte angeworben, eine Integration wurde mit allen Mitteln verhindert: "Erwartete eine Vietnamesin ein Kind, wurde sie vor die Alternative Rückkehr auf eigene Kosten oder Abtreibung gestellt. Die VertragsarbeiterInnen kamen allein und mussten, wenn sie verheiratet waren [...] ihre EhepartnerInnen und Kinder zu Hause lassen. Untergebracht wurden sie in streng kontrollierten, nach Geschlechtern getrennten Wohnheimen, die sie von der Bevölkerung bewusst isolierten." Nach spätestens sieben Jahren in der DDR wurden sie zurück nach Vietnam geschickt. Nach dem Mauerfall reiste die Mehrzahl der VertragsarbeiterInnen zurück nach Vietnam, einige erhielten eine Abfindung von 3.000 DM und das Flugticket. Erst in Vietnam bemerkten viele von ihnen, dass das Geld nicht für den Aufbau einer Existenz ausreicht und kamen als AsylbewerberInnen zurück.

Insbesondere die Kinder der VertragsarbeiterInnen stehen heute vor vielfältigen Problemen. Ihre Eltern haben oft wenig Zeit, da sie unter großen Anstrengungen den Lebensunterhalt verdienen müssen. Die Erziehung ist autoritär, zudem stehen die Kinder unter hohem Leistungsdruck, ein guter Schulabschluss ist ein Zeichen von Prestige für Eltern und Kinder. Die 14jährige Gymnasiastin Hang-Ni Nguyen beschreibt es folgender Maßen: "Ich finde die Erziehung bei den Asiaten ist eine Zwangsjacke. Sie sehen es sehr engstirnig. Ich finde, man sollte Kindern mehr Meinungsfreiheit geben."

Die meisten jungen VietnamesInnen leben in zwei Kulturen, der vietnamesischen im Elternhaus und der deutschen in der Schule, der Universität und im Alltag. Im Gegensatz zu ihren Eltern sprechen sie oft besser deutsch als vietnamesisch. Ihre Identität setzt sich aus beiden Welten zusammen, die 23jährige Studentin Nhu Quynh Nguyen Thi beschreibt es so: "Ich sehe mich zwischen Vietnam und Deutschland, das sieht man auch an meinem Video, das heißt Vietlin. Also Vietnam und Berlin. Ich kann mich auch als Vietlinerin bezeichnen. Ich würde mich nie als Vietnamesin und auch nicht als Berlinerin bezeichnen, sondern als Vietlinerin. Und das ist ganz lustig."

Zu den Autorinnen: Uta Beth, 1941 in Graudenz geboren, wuchs in Lübeck und Hamburg auf. Sie studierte Germanistik, Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte, Soziologie und Psychologie in Hamburg und Wien. Sie arbeitete als Texterin und Redakteurin, von 1981 bis 1997 war sie Redaktionsleiterin für Kinderprogramme bei RIAS und Deutschlandradio Berlin. Heute ist sie freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Rundfunkanstalten und Printmedien. 1991 erhielt sie eine Auszeichnung für die beste Hörfunksendung, weiterhin gewann sie diverse andere Preise für Hörspielproduktionen und Features.

Anja Tuckermann, geboren 1961, wuchs in Berlin auf. Sie engagierte sich in der feministischen Mädchenarbeit, gründete die Zeitschrift "Tigermädchen". Von 1988 bis 1997 war sie Redakteurin für den RIAS-Kinderfunk. 1991/92 initiierte sie mit Brigitte Struzyk die Reihe "auf der Spur - Scheherazade nach dem Golfkrieg" in der LiteraturWERKstatt Berlin, eine Lesereihe mit 37 Autorinnen aus verschiedenen Ländern. Seit 1993 organisiert sie Schreibwerkstätten und Seminare für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, u.a. in Schulen und am Jugendkunst- und Kulturzentrum Schlesische 27 in Berlin und arbeitet seit 1993 mit den Bildenden KünstlerInnen und KomponistInnen zusammen. Als Schriftstellerin verfasst sie Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Libretti, u.a. "Muscha", "Ein Buch für Yunus" und "Mano – der Junge der nicht wusste, wer er war". Für ihre Bücher und Theaterstücke erhielt sie etliche Preise und Stipendien. Für ihr Buch "Denk nicht, wir bleiben hier – Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner" erhielt sie den Deutschen Jugendliteraturpreis 2006.

AVIVA-Tipp: Uta Beth und Anja Tuckermann zeigen anhand von Berichten, Interviews und Gedichten die gegenwärtige Lebenssituation junger VietnamesInnen in Deutschland auf. Sie erklären die vietnamesische Familie, Kultur, Religion und Denkweise, fragen nach dem Alltag und nach Problemen, die das Leben in Deutschland mit sich bringt. "Heimat ist da wo man verstanden wird" ist ein interessantes, vielfältiges Portrait junger VietnamesInnen in Deutschland.

Heimat ist da, wo man verstanden wird. Junge VietnamesInnen in Deutschland.
Uta Beth, Anja Tuckermann
Archiv der Jugendkulturen e.V., Dezember 2008
Softcover, 362 Seiten, 67 farbige Abbildungen
ISBN 978-3-940213-43-3
25 Euro

Weitere Infos finden Sie unter:

Informationsportal für VietnamesInnen in Deutschland
www.unser-vietnam.de
Vietnamesische interkulturelle Fraueninitiative in Deutschland
www.vifi.de
Deutsch Vietnamesische Gesellschaft
www.vietnam-dvg.de/index.html

Literatur Beitrag vom 18.12.2008 Britta Leudolph 

   




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