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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 20.10.2008

Gaby von Thurn - Kinder machen sich ein Bild von Gott
Kristina Tencic

Gaby von Thurn hat sich die Frage gestellt, wie Kinder sich eigentlich Gott vorstellen. Herausgekommen ist eine Sammlung an Bildern und kurzen Texten, die zeigen, wie intuitiv Glaube sein kann.



Gegenw├Ąrtig befindet sich die Berliner Schulgesellschaft mal wieder in einem Streit. Es geht darum, dass eine B├╝rgerinitiative den vom Ethikunterricht verdr├Ąngten Religionsunterricht f├╝r alle Berliner Schulen zu einem obligatorischen Fach machen m├Âchte. Es soll dabei ein Angebot f├╝r Christen, Moslems und Juden geben, da die Initiative den Verfall des religi├Âsen Wissens beobachtet haben will.

Betrachtet man nun das neue Kinderbuch von Gaby von Thun "Der liebe Gott sieht aus wie ein Elefant, oder?" w├╝rde man den streitenden Parteien gerne zurufen wollen, dass sie sich entspannen k├Ânnen. Denn, wie das Buch bunt und vielf├Ąltig belegt, hat jedes Kind eine Vorstellung von Gott tief in sich selbst angelegt, welche man einfach einmal gelassen, in Form der sch├Ânen Zeichnungen und oft am├╝santen Bemerkungen auf sich wirken lassen sollte.

Ein Beispiel: Mario, 9 Jahre, katholisch: "Ich baue einen Lego-Turm bis zu Gott. Dann steige ich hinauf zu ihm!" Thomas, 7 Jahre, katholisch: "Dann f├Ąllst du runter und bist tot." Mario: "Wenn ich tot bin, dann komme ich doch gleich wieder rauf."

├ťber das in vielen Religionen geltende Gebot "Du sollst dir kein Gottesbild machen" haben Kinder zwischen 6 und 15 Jahren, aus Schulen und Kinderg├Ąrten weltweit, ihr pers├Ânliches Gottesbild gemalt. Dieser Gott ist meist ein ├Ąlterer Herr mit Bart, oder auch ein Symbol wie die Sonne, der Mond, ein Stern ÔÇô der kindlichen Phantasie sind ja bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Interessanterweise haben nur hinduistische Kinder Gott als Frau gemalt. Einzig ein 9-j├Ąhriges Kind hat im Religionsunterricht (zu) gut aufgepasst und geschrieben: "Ich glaube an Gott, aber in unserer Religion darf man kein Bild von Gott zeichnen."

Das eigentlich Bemerkenswerte und oft im Erwachsenenalter Vergessene an der kindlichen Gottesvorstellung ist der naive Anspruch der Kinder an einen Gott, dem religionsunabh├Ąngig die Funktion einer sch├╝tzenden Hand zugesprochen wird. Es ist dabei v├Âllig egal, ob dieser Gott als biertrinkender Schutzengel oder als seltsame Energie umschrieben wird, das Essentielle daran sind die universellen Werte, wie etwa Liebe, Toleranz, Vertrauen und Schutz, welche die Kinder instinktiv empfinden.

Gaby von Thun appelliert an die Eltern, ihren Kindern das Recht auf eine spirituelle Begleitung zu lassen und es ihnen nicht mit S├Ątzen wie "Es gibt keinen Gott" zu rauben. Hinzuf├╝gen k├Ânnte man, dass man einen toleranten Umgang mit Religionen weitergeben sollte, wie etwa Timon, 8 Jahre, feststellt: "Manche sagen Allah, manche sagen Buddha, aber eigentlich meinen sie alle Gott".


Zur Autorin: Gaby von Thun war jahrelang als Modedesignerin t├Ątig. Nach Aufenthalten in Indien und der T├╝rkei begann sie, sich mit spirituellen Fragen auseinander zu setzen und beendete ihre Karriere als Designerin. Sie ist die Autorin des Erfolgstitels "Auf der Such nach Gott", in dem sie prominente Pers├Ânlichkeiten nach ihrem Verh├Ąltnis zum Glauben befragt. (Quelle: Rowohlt)

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
Gaby von Thun - Auf der Suche nach Gott

AVIVA-Tipp: Bei allem Trara um die Wichtigkeit und Richtigkeit der Religionen in unserer Gesellschaft ├╝bersehen wir Erwachsenen allzu oft, um was es uns eigentlich geht: Es geht darum, eine/n Besch├╝tzerIn zu haben, da wir doch im Grunde genommen stets auf uns selbst gestellt sind. Weil gerade Kinder die Eigenverantwortlichkeit erst erlernen m├╝ssen, haben sie (noch) ein gewisses Reingef├╝hl f├╝r Spiritualit├Ąt. Gaby von Thurn hat es sich mit diesem Buch zur Aufgabe gemacht, hinzusehen und zuzuh├Âren, was den klugen Kindern so durch den Kopf geht ÔÇô was ihr sehr sch├Ân gelungen ist.


Der liebe Gott sieht aus wie ein Elefant, oder?
Gaby von Thun

Rowohlt Verlag, erschienen Oktober 2008
Gebunden, 144 Seiten
ISBN: 978-3-8052-0850-5
14,90 Euro

Literatur Beitrag vom 20.10.2008 Kristina Tencic 

   




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