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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 13.02.2009

Leonard Cohen - Buch der Sehnsüchte
Clarissa Lempp

Der Musiker Leonard Cohen gibt Einblick in seine Künstlerseele und ist dabei ganz uneitel. Ein poetischer Dandy erzählt von Abgründen und Schönheit, von Scheitern und Erkenntnissen. Blumenbar Verlag



Leonard Cohen, der Frauenverehrer, der Liebhaber, der Verlassene, der, der verlässt. In seinen Songs umschreibt er Sehnsüchte, Enttäuschungen, Begegnungen, Erleuchtungen oft am Beispiel einer Frau. Ein Aus-sich-Wachsen, ein In-sich-Kehren durchzieht seine Musik. Cohen ist ein Schmeichler, ein Schelm, ein Melancholiker und so könnte man ewig weitermachen, denn dieser Mann ist sein eigenes Mysterium. All dies, was ihn da treibt und ihm begegnet, hält er in Worten fest. Schon in seiner College-Zeit begann der Kanadier zu schreiben und veröffentlichte seinen ersten Gedichtband. Nach einem Europaaufenthalt, während dem der Roman "Beautiful Losers" entstand, ging Cohen Ende der 1960er Jahre in die USA und startete eine Weltkarriere als Musiker. Als Songwriter wurde er mit Bob Dylan verglichen, als Sänger mit der Velvet Underground-Sängerin Nico. Seine eindringliche, poetische Offenheit, die eigene Überraschung über die Erkenntnis, machen Cohens Lieder so vertraut und intim.

"Mach ruhig, was du willst
Ich mach auch, was du willst."

(Leonard Cohen, "Sweetest Little Song" aus "Buch der Sehnsüchte")

Im "Buch der Sehnsüchte" liegen nun Worte und Zeichnungen Cohens vor, die zwischen der Musik, nach ihr oder weit vor ihr entstanden sind. Das Buch ist kein Versuch, Poesie aus seinen Liedern zu gewinnen, sondern ein Zeitdokument aus dem Leben eines Poeten, der auch ein Musiker ist. Von den 1970ern bis heute reichen Gedichte, Aufzeichnungen, Prosa, Gedankennotizen – festgehalten in Griechenland, Montreal, Paris oder Los Angeles. Der größte Teil des Buchs aber entstammt aus dem fünfjährigen Aufenthalt in einem zen-buddhistischen Kloster in Kalifornien. Seine Zeichnungen sind vor allem Porträts vom Künstler selbst, als Mönch, in einem jugendlichen T-Shirt oder Frauen – ob wirklich oder traumhaft, das weiß nur der Zeichner. Seine Texte kreisen um die Liebe, Sex, Religion, Macht, um das Altern, den Zerfall, die großen Menschenthemen. Und Leonard Cohen, der aus einer jüdischen Familie stammt, spricht auch von G´tt, spricht ihn direkt an, aber klagt nicht an. Seine spirituelle Suche ist kein Glaubenskrieg. Vielmehr hält er es auch hier wie mit der Liebe: Ein guter Liebhaber kennt mehr als eine Frau. Aber Cohen ist auch für seine Zurückhaltung, seine galant überzogene Bescheidenheit bekannt und so bittet er in "Ein Wort an den chinesischen Leser" um Verzeihung, "wenn ich Ihre Zeit vergeudet habe", denn "was Sie da in den Händen halten, ist eher ein Sonnenstich als ein Buch."

An die deutsche Übersetzung, die im kleinen feinen Münchner "Blumenbar" Verlag erschienen ist, haben sich unter anderem so illustre Gäste wie die Schriftstellerin Ann Cotten, der Musiker Jens Friebe und der Schriftsteller und Bukowski/Dylan-Übersetzer Carl Weissner gemacht.
Weitere Infos zu Leonard Cohen unter: www.leonardcohen.com

AVIVA-Tipp: Das "Buch der Sehnsüchte" ist ein hübsches, freimütiges, poetisches Sammelsurium an Worten, Bildern und Gedanken des großen Künstlers Leonard Cohen.


Leonard Cohen
Buch der Sehnsüchte

Book of Longings
Übersetzung: Karl Bruckmaier, Ann Cotten, Franz Dobler, Sabine Reichel, Wolf Wondratschek, u.a.
Blumenbar Verlag, erschienen 2008
Gebunden, 240 Seiten, illustriert
ISBN: 978-3-936738-45-2
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 13.02.2009 Clarissa Lempp 

   




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