Erwin Blumenfeld - In Wahrheit war ich nur Berliner. Dada-Montagen 1916 – 1933 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD Happy End
Aviva-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 02.03.2009

Erwin Blumenfeld - In Wahrheit war ich nur Berliner. Dada-Montagen 1916 – 1933
Sharon Adler

Zur Ausstellung des 1897 in Berlin geborenen Künstlers, die bis zum 1. Juni 2009 in der Berlinischen Galerie zu sehen war, ist der gleichnamige Bildband im Hatje Cantz Verlag erschienen



Die Ausstellung

Erwin Blumenfeld: Dada-Montagen 1916 – 1933. "In Wahrheit war ich nur Berliner"
Die von Helen Adkins kuratierte Ausstellung präsentierte mit rund 50 Montagen und 30 Fotografien erstmals umfassend das Montagewerk des im spätwilhelminischen Berlin aufgewachsenen Künstlers jüdischer Herkunft. In den 1940er und 1950er Jahren war Erwin Blumenfeld (26.1.1897 - 4.7.1969) weltweit einer der gefragtesten Porträt- und Modefotografen.

Bis dahin jedoch war es ein weiter Weg für Erwin Blumenfeld. Als Sohn eines Geschäftsführers der Schirmfabrik Jordan & Blumenfeld der Wilhelmstraße 140 in Berlin Kreuzberg, besuchte er das Askanische Gymnasiums in Kreuzberg und freundete sich mit seinem Mitschüler Paul Citroen an. Um 1911/12 besaß er seine erste Kamera und ab 1913 absolvierte er zunächst eine Lehre beim Damenkonfektionär Moses & Schlochauer, pflegte daneben Kontakte zu Bohème-Kreisen.

Als der Vater an Syphilis starb, folgte der finanzielle und gesellschaftliche Ruin der Familie. Den Ersten Weltkrieg erlebte er als Sanitätskraftwagenführer an der französischen Westfront und eine versuchte Desertion 1918 wurde durch den Verrat der Mutter vereitelt. 1918 gelang ihm die illegale Einreise nach Holland zu Lena und Paul Citroen.

1919/20 erfanden Erwin und Paul die "Commissie voor dadaistische kultur in Holland".
Der Versuch einen Kunsthandel aufzubauen, scheiterte. 1921 heirateten Erwin Blumenfeld und Lena Citroen und in den folgenden Jahren bekamen sie drei Kinder.
1923 folgte die Eröffnung der Fox Leather Company Blumenfelds, eines Ladens für Damenhandtaschen, in der Amsterdamer Kalverstraat. Blumenfeld fertigte erste literarische Skizzen und Montagen an. Als er 1932 nach dem Umzug der Fox Leather Company in ein anderes Gebäude der Kalverstraat hinter dem Ladengeschäft eine Dunkelkammer entdeckte, beschäftigte er sich verstärkt mit der Fotografie.
1933 fertigte er die Fotomontage "Hitlerfresse" an und durch den Konkurs der Fox Leather Company in 1935 fasste er den Entschluss, Fotograf zu werden. Die Familie siedelte nach Paris über und Erwin Blumenfeld machte sich mit ersten Veröffentlichungen, Fotoporträts der Künstler Georges Rouault und Henri Matisse sowie 1937 ein Modecover für "Votre Beauté" einen Namen.

1940/41 war Blumenfeld in verschiedenen Lagern interniert, schließlich gelang der Familie eine abenteuerliche Flucht in die USA, wo er einen ersten Auftrag von "Harper´s Bazaar" erhielt. Bis 1955 sollte er von mehr als 100 Covers für Modezeitschriften produzieren, er galt als einer der bestbezahlten Porträt- und Modefotografen der Welt.
Seine Fotomontage "Hitlerfresse" von 1933 wurde in 1942 millionenfach durch US-Piloten über Nazi-Deutschland abgeworfen.
1955 bedeutete das Ende der engen Zusammenarbeit mit "Vogue" und Blumenfeld eröffnete ein eigenes Studio in Manhattan, um von nun an als freier Fotograf zu arbeiten. In 1960 unternahm er seine erste Berlinreise nach der Emigration in die USA und 1969 konnte er die Autobiografie und Zusammenstellung des Bildbandes "Meine 100 besten Fotos" fertig stellen.
Erwin Blumenfeld starb am 4. Juli 1969 in Rom an einem Herzinfarkt.

Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie widmete sich dem weitgehend unbekannten Frühwerk des Dada-Monteurs. Blumenfelds Arbeiten bestechen durch Spott und Zynismus. Sie sind Ausdruck eines rebellischen und selbstreflektierenden Charakters, der sich mit den Machtverhältnissen in Deutschland und utopischen Großstadtvisionen ebenso auseinandersetzt wie mit Schönheit und Tod. Selbstporträts und Darstellungen von Charlie Chaplin und dem ersten farbigen Weltmeister im Schwergewicht, Jack Johnson, sowie Wilhelm II. und Hitler werden ergänzt von Fotos, deren Bildsprache ganz vom Montagedenken Blumenfelds durchdrungen ist.
Die Ausstellung basierte auf der 2008 erschienenen Blumenfeld-Monografie: Helen Adkins, Erwin Blumenfeld. Dada-Montagen 1916-1933. "In Wahrheit war ich nur Berliner", erschienen im Oktober 2008 im Hatje Cantz Verlag.

Der Bildband

Erwin Blumenfeld - "In Wahrheit war ich nur Berliner". Dada-Montagen 1916-1933

Das Frühwerk des in Berlin aufgewachsenen jüdischen Künstlers, Entwürfe, Skizzen und Gedankengänge finden sich in diesem behutsam edierten Bildband. Die Abbildungen der wundervollen, oft von zynischem Humor geprägten Dada-Montagen, die zwischen 1916 und 1933 entstanden, wurden von Verlagsseite in erstklassiger Qualität gedruckt, die biographischen Informationen, Zitate und Quellen von der Autorin Helen Adkins sensibel recherchiert. So kommt nicht nur Erwin Blumenfeld selbst zu Wort, auch wichtige ZeitzeugInnen werden zitiert und zeigen so den Menschen hinter der Kamera.
Das Buch von Helen Adkins, einer Kennerin der Berliner Dada-Bewegung, die zudem mit der Enkelin des großen Modefotografen zur Schule ging, widmet sich erstmals umfassend diesen frühen Papierarbeiten, die der Künstler nicht für die Öffentlichkeit schuf, sondern nur als persönliches Geschenk oder (Liebes-)Briefbeilage an seine Verlobte, an Freunde und Bekannte aus der Hand gab. Die rund 100 Blätter – unter ihnen zahlreiche bisher unveröffentlichte Montagen, die die Autorin im Familienarchiv des Künstlers sowie in weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen ausfindig gemacht hat – werden im Kontext der Biografie Blumenfelds, seiner zeitgleich entstandenen Fotografien, Zeichnungen und dem literarischen Werk eingehend betrachtet.

AVIVA-Tipp Erwin Blumenfeld, ein unbequemer Mensch voller Widersprüche, prägte die Fotografie auf seine eigene, unnachahmliche Art und gab der Fotomontage ein Gesicht. Wer die Ausstellung in der Berlinischen Galerie nicht besuchen konnte, sollte jedoch den wunderbaren Bildband mit den perfekt in Szene gesetzten, großformatigen Arbeiten, "In Wahrheit war ich nur Berliner", erwerben. Der weitsichtige und ironisch-mutig-kreative Blick des Künstlers, der niemals nur ein "armer Poet" sein wollte und dem es gelang, die Fotografie zu seinem Beruf zu machen, sorgt auch heute noch für eine Gänsehaut.

Der Bildband
Erwin Blumenfeld
"In Wahrheit war ich nur Berliner". Dada-Montagen 1916-1933

Vorwort von Janos Frecot, Text von Helen Adkins
Hatje Cantz Verlag, erschienen Oktober 2008
Deutsch, 224 S., 227 Abb., davon 97 farbig, 22 x 28,7 cm, gebunden mit Schutzumschlag
Euro 39,80
ISBN 978-3-7757-2126-4
Weitere Informationen finden Sie unter: www.hatjecantz.de

Literatur Beitrag vom 02.03.2009 Sharon Adler 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken