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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 12.04.2009

Francine du Plessix Gray - Majakowskis letzte Liebe
Sabine Grunwald

Tatjana Jakowlewa, eine Ikone der Modewelt Manhattans, bewahrte bis an ihr Lebensende das Geheimnis ihrer großen Liebe Wladimir Majakowski. Ihre Tochter lüftet das Geheimnis dieser Romanze



Die 1930 geborene Francine du Plessix Gray erzählt nicht nur die Geschichte einer tragisch endenden Liebe, sondern auch die Geschichte einer Tochter auf den Spuren einer übermächtigen Mutter. Die Leserin erfährt so manches über das stalinistische Russland und seine Kulturpolitik wie auch über die komplizierten Beziehungen Majakowskis zu seinen Musen. Eine, die seiner Faszination erlag, war Lilja Brik, die Frau seines Verlegers Ossip Brik, deren Dreiecksbeziehung bis zu seinem Lebensende Bestand hatte.

Majakowski wurde am 7. Juli 1893 in Bagdadi, einem kleinen Dorf im Westen Georgiens geboren und interessierte sich schon früh für politische Vorgänge. Wenn er seine Gedichte in der Öffentlichkeit vortrug, tobte die Jugend. Majakowski war populär, wenn auch nicht unumstritten: Beim bürgerlichen Publikum galt seine Kunst als gotteslästerlich, während das proletarische Publikum Probleme mit der modernen futuristischen Struktur hatte.
Majakowski war zudem charmant, elegant und liebevoll. Ein Mann, dem die Herzen vieler schöner und kluger Frauen zuflogen, die auch erkannten, dass er eine äußerst zarte Seele hatte und verletzlicher war, als er zugeben wollte.

Die russische Emigrantin Tatjana Jakowlewa, die selbst auch Gedichte schrieb, begegnete dem Dichter 1928 in Paris. Sie war 13 Jahre jünger als Majakowski, stammte aus einer exzentrischen, jüdischen Familie und kam als 19-Jährige nach Paris, wohin schon etliche ihrer Verwandten emigriert waren, die alle keinen Hehl aus ihrer antikommunistischen Haltung machten. Bereits 14 Tage nach ihrer Bekanntschaft erhielt Tatjana Jakowlewa einen Heiratsantrag von Majakowski. Er schrieb Gedichte für sie, und bestürmte sie mit Telegrammen und Briefen, die voller Leidenschaft waren. Er hielt seine Passion nicht geheim und gestand sie sogar Lilja Brik. Bald überschlugen sich die Ereignisse und Majakowski kehrte in die Sowjetunion zurück.
1929 reiste Majakowski wieder nach Paris. Seine revolutionäre Heimat war ein Land der Funktionäre geworden, doch in Frankreich wollte er nicht bleiben und Tatjana wollte nicht in die kommunistische Sowjetunion. Er kehrte nach Russland zurück und sie heiratete den reichen französischen Diplomaten du Plessix.
Majakowski begann zu trinken. Krankheit und Enttäuschung in gesellschaftlicher wie auch privater Hinsicht prägten seine letzten Monate. Seine Stücke wurden scharf kritisiert, seine Lyrik zum Teil als dekadent verurteilt

Am 14. April 1930 schoss er sich eine Kugel in den Kopf und hinterließ folgendes Telegramm:
"An alle! Wie man so sagt, der Fall ist erledigt; das Boot meiner Liebe am Alltag zerschlug. Bin quitt mit dem Leben. Gebt niemandem die Schuld, dass ich sterbe, und bitte kein Gerede. Der Verstorbene hat das ganz und gar nicht gemocht. Mama, Schwestern, Genossen, verzeiht mir, das ist keine Lösung (anderen rate ich davon ab), aber für mich gibt es keinen Ausweg mehr."

Tatjana du Plessix flüchtete 1940, zwei Tage vor dem Einmarsch der Nazis in Paris, zusammen mit ihrer Tochter in die USA. Sie machte nach dem Krieg Karriere als Modedesignerin und stieg zu einer Ikone der Modewelt Manhattans auf. Sie sprach meist nur in Andeutungen über ihre Liebe zu Majakowski und die vorhandenen Dokumente wurden lange von ihrem zweiten Ehemann, dem Condé Nast Verleger Alexander Liberman, unter Verschluss gehalten.
Doch ihre Tochter, Francine du Plessix Gray, hat diese tragische Geschichte recherchiert und detailliert aufgeschrieben.
Ausgewählte Kapitel aus ihrer Biografie wurden ins Deutsche übersetzt. Sie stützen sich auf zwei Gedichte, Briefe und Telegramme Majakowskis zwischen 1928 und 1930 sowie Briefe von Tatjana an ihre Mutter.

Zur Autorin: Francine du Plessix Gray, geboren 1930, wuchs in Frankreich auf und emigrierte 1943 nach New York. Sie lebt in Connecticut, schreibt regelmäßig für den New Yorker und ist die Autorin zweier Romane sowie mehrerer Biographien, u. a. über Simone Weil, Louise Colet, Madame de Staël, den Marquis du Sade und Frauen in der Sowjetunion.

AVIVA-Tipp: Der liebevoll aufgemachte Band mit zahlreichen Fotos und Gedichten Wladimir Majakowskis ist das Vermächtnis und die Aufarbeitung einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. Er nähert sich der Wahrheit einer bittersüßen Liebesgeschichte, die kein Happy-End finden konnte.

Francine du Plessix Gray
Majakowskis letzte Liebe

mit Gedichten von Wladimir Majakowski
Berenberg Verlag, erschienen 2008
128 Seiten, Abbildungen, Halbleinen, fadengeheftet
ISBN 978-3-937834-27-6
19,00 Euro


Literatur Beitrag vom 12.04.2009 Sabine Grunwald 

   




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