Susanne Schädlich - Immer wieder Dezember. Der Westen, Die Stasi, der Onkel und ich - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 02.05.2009

Susanne Schädlich - Immer wieder Dezember. Der Westen, Die Stasi, der Onkel und ich
»Nana« Nicole Wenger

2009, ein Jubiläums-Jahr: Die offiziellen, kollektiven wie persönlichen "Jahrestage" jähren sich. Gefeiert und erinnert werden nicht alle. Die Schattenseiten der Geschichte(n) werden gerne ...



... vergessen, verschwiegen, verklärt oder idealisiert. Doch es gibt Unrecht, die Schuld des Einzelnen wie auch der Gesellschaft – die verjähren nicht und sie werden es nie!

Vor sechzig Jahren ... wurde die "Bundesrepublik Deutschland" und die "Deutsche Demokratische Republik" gegründet. Die BRD hat bis heute überlebt, die DDR ist untergegangen. Vor fast fünfzig Jahren wurde die "Berliner Mauer" gebaut, sie trennte zwei politische Systeme und Weltanschauungen - aber vor allem Familien. Vor zwanzig Jahren ... wurde sie geöffnet und zu einem Symbol für eine vermeintliche Vereinigung, der Vereinigung von "einem Volk".

Deutschland ist froh über seine "Revolution" von 1989 und dass endlich jemand aufgestanden ist, dass einem diktatorischen System die Stirn geboten wurde. Doch als die ersten Steine der Mauer weggetragen wurden, die ersten Türen zu Gefängnissen und Archiven des SED-Regimes sich öffneten, offenbarte sich wieder einmal ein Blick in eine perfide Machtstruktur und Staatsgewalt, die Menschen zerstörte und Familien vernichtete. Auch dieses System wurde getragen von gebildeten, von intelligenten Menschen, von Müttern, von Vätern, Schwestern, Brüdern – und dem "lieben" Onkel von nebenan.

So auch von Susannes Schädlichs Onkel und Hans Joachim Schädlichs Bruder. Der Überwachungsapparat, die Stasi, wurde unterstützt und mit Informationen gefüttert – von Karlheinz Schädlich, von einem "Gentleman IM", einem "Schöngeist, hochkultiviert", - einem "interessanten Gesprächspartner, der sich mit Literatur und Wissenschaft beschäftigte...", von einem, "der Freiräume brauchte und viel Luft zum Atmen" und von einem, der nicht davor zurückschreckte, seine Familie der "Zersetzung", einer anderen Art der Vernichtung, zu zuführen. Die Geschichte wiederholt sich, wenn auch in anderer Form.

Susanne Schädlichs Familien-Geschichte handelt von Menschen, die vor über dreißig Jahren aufstanden, als 1976 Wolf Biermann ausgebürgert werden sollte, von Menschen, SchriftstellerInnen und KünstlerInnen, die nicht bereit waren, ihr Leben, ihre Überzeugung oder ihr Werk an ein System zu verraten und zu verkaufen, das die Grundrechte des Menschen missachtete und beschnitt.
Es war eine Gruppe von ost- und westdeutschen SchriftstellerInnen, die sich in den 1970er Jahren regelmäßig, auch im Haus von Hans Joachim Schädlich, traf, um über Literatur und Philosophie zu diskutieren: wie z. B. Günter Grass, Sarah Kirsch, Jurek Becker oder Max Frisch Sie wollten ihre Gesellschaft verändern – nicht zerstören.
Schädlichs Geschichte wird aber auch geprägt von Menschen, die ihr Wohl dem der Anderen vorzogen, von Menschen, welche die Nähe der Familie, der FreundInnen suchten um sich zu erheben und um sich zu bereichern, in welcher Form auch immer. Ihre Familie hat andere Jahrestage, derer sie sich erinnern und die ihr Leben bestimmen. Tage und Monate, an denen sie immer wieder von ihrer Geschichte, die gleichzeitig auch unsere ist, eingeholt werden:

Es ist im Dezember 1977, als die Schädlichs ihr halbes Leben und ihre halbe Familie in der DDR zurück lassen müssen. Es ist der Dezember 2007, als Susanne Schädlich von dem Freitod des Onkels, dem Stasi-Spitzels, erfährt. Ihr Lebensweg führte sie aus der DDR, in die BRD, in die USA – nach Los Angeles und dann nach Berlin zurück.
Als talentierte Schriftstellerin steht sie spätestens seit ihrem beeindruckenden Debüt-Roman "Nirgendwoher, irgendwohin" nicht mehr ihm Schatten ihres berühmten Vaters. Ihrer Familien-Geschichte kann sie zwar nicht entfliehen, diese jedoch durch ihre schonungslose Rekonstruktion vor dem Zerrbild und dem Zuckerguss der "Ostalgie" retten.

Weiterlesen: "Nirgendwoher, irgendwohin" von Susanne Schädlich und "Apostoloff" von Sibylle Lewitscharoff.

Zur Autorin:: Susanne Schädlich wurde 1965 in Jena geboren. Die Tochter des Schriftstellers Hans Joachim Schädlich arbeitet als Autorin und Übersetzerin. Nach elf Jahren in den USA kehrte sie 1999 nach Berlin zurück. 2007 erschien ihr Roman "Nirgendwoher irgendwohin". (Verlagsinformationen)

Weitere Informationen von/zu Susanne Schädlich und finden Sie im Netz unter:
Interview mit Susanne Schädlich
www.was-sache-ist.de

AVIVA-Tipp: "Immer wieder Dezember" ist ein sehr persönliches, intimes und gleichzeitig sachliches Buch. Susanne Schädlichs Familiengeschichte wird dabei auch zu einem Zeitdokument und bleibt doch eins: Die Geschichte eines unglaublichen Missbrauchs: Missbrauch von Vertrauen, von Macht und Verantwortung. Die Täter waren der "liebe" Onkel und ein "demokratisches" System.
Dieses Buch ist auch eine Mahnung, gerade an unsere – die gesamt deutsche - Gesellschaft, nicht nur persönliche, sondern auch politische Verantwortung zu übernehmen. Es ist die(se) Geschichte, die auch die Frage stellt, ob wir alle wieder in einem Überwachungsstaat leben und welchen Preis wir dafür bezahlen wollen.

Susanne Schädlich
Immer wieder Dezember

Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich.
Droemer Verlag, erschienen Februar 2009
Gebundene Ausgabe 240 Seiten
ISBN: 978-3-426-27463-7
16,95 Euro

Literatur Beitrag vom 02.05.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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