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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 20.06.2009

Annegret Held - Fliegende Koffer
Britta Leudolph

Sicherheitskontrollen an Flughäfen sind für die meisten Menschen ein unvermeidliches Übel, aber wie geht es eigentlich jenen, die diese Tag für Tag durchführen müssen? Annegret Held erzählt ...



... von der Arbeitswelt des Bodenpersonals und davon, was es bedeutet, im Schichtsystem Menschen unterschiedlichster Herkunft zu kontrollieren und dabei jederzeit freundlich zu bleiben.

Das "neue Prekariat" oder "working poor" sind wissenschaftliche Labels und politische Schlagworte, die eine gesellschaftliche Gruppe beschreiben, die trotz regelmäßiger Arbeit nicht genug verdient, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Es sind jedoch nur Begriffe, die nichts darüber aussagen, wie es sich anfühlt, Tag für Tag zum Teil schwere Arbeit zu verrichten ohne eine entsprechende Bezahlung zu bekommen.

Annegret Held erzählt in ihrem Roman "Fliegende Koffer" die Geschichte der fünfundvierzigjährigen Annette aus deren Perspektive. Annette arbeitet sechs Tage in der Woche zehn Stunden im Schichtsystem auf einem großen deutschen Flughafen in der Sicherheitskontrolle. "[...] ich bin hier, weil das Singen und Tanzen und Gedichtaufsagen danebenging. Aber ich habe nicht so lange hierbleiben wollen. Wollte nur vorübergehend einen Job, um Hungerzeiten zu überbrücken, aber ich bin immer noch hier. Früher habe ich mal in einer Buchhandlung gearbeitet, das war eigentlich ganz gut. Man braucht einen Job. Alle die hier sind, brauchten dringend einen Job, und so stehen wir hier." Es ist also einiges schief gelaufen in Annettes Leben und auch in der Liebe scheint alles trostlos, die letzte bedeutende Liebesbeziehung ist schon zehn Jahre her, Simon, der so innig Geliebte, hatte sich damals für seine schwangere Frau und gegen Annette entschieden.

So steht Annette jeden Tag an der Sicherheitskontrolle, kontrolliert PassagierInnen die von überall her kommen: "Meine Sonde wechselt von Kontinent zu Kontinent wie von Kniescheibe zu Kniescheibe, und sobald ich selbst in die Knie sinke, habe ich einen anderen Hintern wie einen Erdteil vorm Gesicht. Bei Indien und Afrika ist es ein Erlebnis. Grundsätzlich aber sind hintenrum alle gleich."

Durchbrochen wird Annettes alltägliches Einerlei nur durch gelegentliche Treffen mit ihren KollegInnen. Doch dann plötzlich taucht Simon wieder auf, steht vor ihr in seiner Bundespolizistenuniform und will zurück zu ihr. Seine Frau ist weg mitsamt den gemeinsamen Kindern, er ist zurückgeblieben in seinem neu gebauten Haus. Annette schwankt zwischen den Gedanken an ein spätes Glück und dem Gefühl, dass alles was ihr passiert nicht real sein könnte. "Ich habe ihn zurückerobert. Jetzt schon. Ich habe mir einen zehnjährigen Traum erfüllt, und zwar einfach so, er kommt zur Tür herein und fällt sofort in mein Bett. Die mangelnde Anstrengung von meiner Seite läßt meinen Triumph ein wenig verpuffen. So einfach ist das? Vielleicht hat er auch einen an der Waffel." Annette klammert sich an ihr neues Glück, sie merkt jedoch schnell, dass Simon sich verändert hat und ahnt, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird.

Zur Autorin: Annegret Held wurde 1962 in Pottum geboren. Nach dem Abitur und der Absolvierung eines freiwilligen sozialen Jahres begann sie 1982 eine Ausbildung zur Polizistin. Seit 1987 studierte sie Ethnologie und Kunstgeschichte. Im Anschluss arbeitete sie unter anderem als Sekretärin, Altenpflegerin und Luftsicherheitsassistentin, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern und über diese Arbeitswelten schreiben zu können. Die Autorin verfasst neben Romanen Theaterstücke. Ihr Buch "Meine Nachtgestalten" bildete die Filmvorlage für "Die Polizistin", ein Film von Andreas Dresen und Laila Stieler, der 2001 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Annegret Held lebt in Pottum und in Frankfurt.

AVIVA-Tipp: Annegret Held erzählt in "Fliegende Koffer" sehr authentisch davon, was es bedeutet, den Lebensunterhalt mit sogenannter prekärer Arbeit zu verdienen. Ihre Romanfigur Annette verliert jedoch trotz aller Widrigkeiten nie ihren Humor, obwohl ihr Leben alles andere als erfüllt zu sein scheint. "Fliegende Koffer" ist ein warmherziges, lebensnahes Plädoyer für die Arbeit der kleinen Leute, verfasst mit großem Witz und Mitgefühl.

Annegret Held
Fliegende Koffer

Eichborn Verlag, erschienen Februar 2009
Gebunden, 288 Seiten
ISBN 978-3-8218-5732-9
19,95 Euro


Literatur Beitrag vom 20.06.2009 Britta Leudolph 

   




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