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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.07.2009

Christine Fischer-Defoy - Frida Kahlo - Das private Adressbuch
Jana Muschick

Die renommierte Herausgeberin präsentiert erneut ihr fachkundiges Händchen für faksimilierte Adressbücher. Nach Marlene Dietrich und Hanna Ahrendt folgt Frida Kahlos Directorio 3.



Verschlossene Vergangenheit

2004 wurden die Türen zu den persönlichen Gegenständen Kahlos und Riveras auf Erlaubnis einer Freundin des KünstlerInnenehepaars und in Vorbereitung auf Frida Kahlos 100. Geburtstag geöffnet. Das Museum in Coyacán/ Mexiko-Stadt sollte renoviert werden. Während der Renovierungsarbeiten wurden mehrere Koffer mit zahlreichen Fotografien, Briefen und zwei Adressbüchern Frida Kahlos gefunden. Für Kahlo-ForscherInnen ist die Veröffentlichung dieser privaten Gegenstände der Künstlerin eine wahre Fundgrube und ein wichtiger Blick in deren Leben.

Directorio 3 als Einblick in die private Korrespondenz

Die Adressbücher Kahlos – eines war schon vor der Veröffentlichung der versiegelten Gegenstände bekannt gewesen, die Anderen kamen in dem gefundenen Nachlass zum Vorschein – befinden sich heute im Archiv des Geburtshauses von Frida Kahlo. Sie tragen die Titel Directorio 1, Directorio 2 und Directorio 3 – die Verzeichnisbücher wurden vor Fischer-Defoys kommentierter Faksimileausgabe nicht veröffentlicht.

In "Frida Kahlo – Das private Adressbuch" ist Kahlos Directorio 3 vollständig abgebildet. Das Verzeichnis befindet sich in einem Ringbuch mit genarbtem, rotbraunem Ledereinband. Auf den einzelnen Blättern sind die Adressen in vielen Farben abgebildet. Neben einzelnen Anschriften sind kleine Zeichnungen eingearbeitet. Einige Adressen stehen eng aneinander, andere sind großzügig auf dem Blatt verteilt; wieder andere sogar übereinander geschrieben.

Struktur der faksimilierten Ausgabe

"Ich werde dir weiter mit meinen Augen schreiben, immer!"

Dieses Zitat Frida Kahlos steht leitmotivisch auf der ersten Seite des von Christine Fischer-Defoy herausgegebenen und kommentierten Adressbuches der Künstlerin.

Christine Fischer-Defoy, erklärt einleitend, wie ihre Spurensuche mit der Reise nach Mexiko-Stadt begonnen hat. Darauf folgen die 69 faksimilierten Seiten des Adressbuches. Sehr spannend sind auch die Zitate und biographischen Angaben von WeggefährtInnen Frida Kahlos, Persönlichkeiten, deren Verbindungen mit Frida Kahlos Leben und der Bedeutung, die sie für die Künstlerin hatten. Nicht alle Menschen hinter den Adresseinträgen konnten für diese Ausgabe ausfindig gemacht werden, weil sich unter den Adressen auch eine Schneiderin und zahlreiche Ärzte Kahlos befinden, die nicht in der Öffentlichkeit standen. Die Ausführungen der Kommentatorin ermöglichen ein gezieltes Nachschlagen und das Erkennen des persönlichen Wertes unterschiedlicher Einträge für Frida Kahlo.

Farben und ihre Bedeutungen

In dem faksimilierten Buch finden sich 205 Einträge. Kahlo benutzte Bleistifte, Buntstifte, blaue, grüne oder schwarze Kugelschreiber, Federhalter mit sepiafarbender Tinte oder einen speziellen magentafarbenen Stift. Wer sich mit der Künstlerin beschäftigt hat, weiß, wie wichtig für Frida Kahlo die persönliche Bedeutung einzelner Farben für ihr Erleben der eigenen Kunstproduktion war. Die vorherrschende Farbe in ihrem Adressbuch ist Magenta – eine Farbe, die Kahlo selbst als "aztekisch" bezeichnet hat.

Aufeinanderfolgende Adressen in grün, grau, gold und magentarot, kleinere und größere durchgestrichene Kästchen, das Durchschimmern der Farben auf den anderen Seiten, die Größe dieses kleinen und sehr privaten Adressbuches Kahlos und andere Feinheiten in der Struktur des Papiers oder am Schnitt sind einige der vielen Details, die nur durch eine Faksimile-Ausgabe sichtbar gemacht werden können.

Zur Biographie der Künstlerin

Magdalena del Carmen Frieda Kahlo y Calderón wurde am 6. Juli 1907 im Stadtteil Coyoacán in Mexiko-Stadt geboren und starb am 13. Juli 1954. Die mexikanische Malerin zählt heute zu den bedeutendsten VertreterInnen einer tradiert-volkstümlichen Entfaltung des Surrealismus, wobei in ihrem Werk auch Elemente der Neuen Sachlichkeit vorkommen. Ihre Bilder befassten sich einerseits mit sozialen und politischen Problemen. Andererseits thematisierte sie in ihrer Kunst ihre chronischen Krankheiten, ihre Totgeburten sowie die wachsenden Eheprobleme mit ihrem Ehemann Diego Rivera. Frida Kahlo präsentiert sich selbst sehr häufig in ihrer Kunst, von 143 Bildern sind 55 Selbstbildnisse der Künstlerin. (Quelle: Frida Kahlo - Das private Adressbuch)

Zur Herausgeberin: Christine Fischer-Defoy , 1951 in Hanau geboren, ist Historikerin, Filmemacherin und Autorin. Sie begab sich wiederholt auf die Spurensuche einzelner Namen und verbrachte unzählige Stunden im Nachlass großer DenkerInnen des 20. Jahrhunderts. 1999 veröffentlichte sie als erste HerausgeberIn überhaupt das private Adressbuch Paul Hindemiths, 2003 folgte das Adressverzeichnis von Marlene Dietrich und 2006 das "Adressbuch des Exils 1933-1940" von Walter Benjamin. 2007 erschien das private Adressbuch Hannah Arendts. Fischer-Defoy beschäftigt sich seit Jahren mit den Lebensgeschichten deutscher EmigrantInnen und ist die Vorsitzende des Vereins "Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin". 1993 heiratete sie den Politiker Ulrich Roloff-Momin, mit dem sie in Berlin lebt.

AVIVA-Tipp: Frida Kahlos kommentiertes Adressbuch stellt ein Zeitdokument von großem Wert dar. Das Faksimile der einzelnen Seiten bietet für die BetrachterIn einen intimen Einblick in das Kommunikationsnetz der Künstlerin und lässt zugleich erkennen, wie Krankheit, Kunst und Schrift sich in ihrem Leben miteinander vermischten.

Christine Fischer-Defoy (Herausgeberin)
Frida Kahlo – Das private Adressbuch

Koehler und Amelang Verlag, erschienen: 20. Januar 2009
Gebunden, 240 Seiten
ISBN-13: 978-3-7338-0367-4
24,90 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Hannah Arendt - Das private Adressbuch 1951-1975

Frida-Kahlo-Museum in Mexiko-Stadt bittet um Hilfe zur Rettung und Erhaltung der Sammlung

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Literatur Beitrag vom 06.07.2009 Jana Muschick 

   




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