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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.08.2009

Mona Hanafi El Siofi - Westliche Frauen und Männer im Fokus ägyptischer Musliminnen
Britta Leudolph

Welches Bild haben muslimische Frauen von westlichen Geschlechterverhältnissen? Mona Hanafi El Siofi hat im Rahmen ihrer ethnologischen Studie ägyptische Frauen interviewt und dabei interessante,..



... zum Teil überraschende Antworten erhalten.

Über muslimische Frauen kursieren in westlichen Medien häufig verzerrte Vorstellungen: sie seien unterdrückt und entmündigt – Opfer der patriarchalen Verhältnisse in der arabischen Welt. Dabei ist die Stimme muslimischer Frauen nur sehr selten zu hören. Mona Hanafi El Siofi untersucht in ihrer Studie die Lebenssituation ägyptischer Frauen aus der Kairoer Mittel- und Oberschicht und nimmt einen Perspektivwechsel vor. Sie fragt, wie diese Frauen die westlichen Geschlechterverhältnisse charakterisieren.

Um diese Vorstellungen einordnen zu können, fragt die Autorin ihre Interviewpartnerinnen nach ihrer aktuellen Lebenssituation und ihren Wünschen für die Zukunft, im Mittelpunkt stehen hier die Themen Sexualität, Partnerschaft und Familie, Beruf, Religion und Feminismus.

In der ägyptischen Öffentlichkeit wird "der Westen" im Rahmen von Verschwörungstheorien häufig als Hauptverursacher aller sozialen Schwierigkeiten im Land ausgemacht. Auch die Sicht der Interviewten ist von mancherlei Vorurteil geprägt: "Viele westliche Frauen imitierten die Männer, indem sie ihr Haar sehr kurz trügen oder maskuline Bekleidung bevorzugten. Männer im Westen könnten jede Frau leicht zum Sex überreden. One-Night-Stands seien praktisch der Normalfall [...]." Die Interviewpartnerinnen erkannten jedoch auch gute Seiten westlicher Gesellschaften, insbesondere ihre Technologien und ihr Wissen, zudem bewerteten mehrere von ihnen es als positiv, "[...] dass sie sich als Frau im Westen unkompliziert bewegen konnten und sich keinerlei Gedanken über ihre Reputation machen mussten." Im Vergleich zu westlichen Gesellschaften forderten die Befragten bezüglich ihrer eigenen Gesellschaft die Freiheit des Denkens und vor allem die Verbesserung der rechtlichen Stellung der Frau.

Insgesamt zeigt sich in Hanafi El Siofis Studie ein differenziertes Bild der Lebensumstände und Sichtweisen ägyptischer Frauen aus der Mittel- und Oberschicht. Auch wenn viele der Frauen ein gewisses Maß an Unabhängigkeit, beispielsweise durch Berufstätigkeit, erreicht haben, bleiben sie tief in der muslimischen Kultur verankert. Auch wenn sich die ägyptische Gesellschaft in Richtung Moderne verändert und etwa arrangierte Ehen seltener werden, Frauen sich freier bewegen können als noch vor zwei Generationen, bleibt die patriarchale Grundstruktur bestehen. Bei der Eheschließung hat nach wie vor der Vater als Familienoberhaupt das letzte Wort, was von den Befragten nicht als negativ beurteilt wurde, könne der Vater doch durch seine Lebenserfahrung besser abschätzen, was gut für die Tochter wäre.

Einige der Ansichten werden bei westlichen LeserInnen jedoch Kopfschütteln oder ein müdes Lächeln hervorrufen: So erklärt Dr. Sonja Aly Dabbous ihre Vorstellung von westlichen Männern: "Westliche Männer? Sie sind unvergleichbar! Einige ägyptische Männer haben einen westlichen Charakter: Sie behandeln ihre Frauen auf eine sehr anständige Art: Höflich, sie sind freigiebig und sie kümmern sich um ihre Kinder, um den Haushalt. Das ist etwas, was typischen ägyptischen Männern völlig fehlt. Sie würden sogar nicht mal aufstehen und sich für sich selbst ein Glas Wasser holen."

Die Autorin führte für diese Studie 29 Einzelinterviews sowie ein Doppelinterview und verwendete neben diesen Interviews die Methode der teilnehmenden Beobachtung.

Zur Autorin: Mona Hanafi El Siofi studierte Islamwissenschaften, Soziologie und allgemeine Sprachwissenschaften, anschließend Germanistik, Philosophie, Ethnologie, Psychologie und Gender Studies in Freiburg. Seit 2004 ist sie Redakteurin bei den Freiburger Geschlechterstudien.

AVIVA-Tipp: "Der Westen – ein Sodom und Gomorrah?" gewährt interessante Einblicke in das Denken und die Wahrnehmung muslimischer Frauen aus der ägyptischen Mittel- und Oberschicht. Die Autorin stellt ausführlich dar, wie die von ihr befragten Musliminnen die Geschlechterverhältnisse in ihrer eigenen Gesellschaft beurteilen und wie sie sich jene in westlichen Gesellschaften vorstellen. Natürlich zeigt diese Studie nur einen kleinen Ausschnitt der ägyptischen Lebenswelt, denn die Auswahl der Befragten ist nicht repräsentativ und doch leistet sie einen nützlichen Beitrag zum Verständnis der muslimischen Kultur.

Mona Hanafi El Siofi
Der Westen – ein Sodom und Gomorrah? Westliche Frauen und Männer im Fokus ägyptischer Musliminnen

Ulrike Helmer Verlag, erschienen April 2009
Paperback, 200 Seiten
ISBN 978-3-89741-281-1
22 Euro


Literatur Beitrag vom 05.08.2009 Britta Leudolph 

   




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