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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 20.08.2009

Katja Behrens - Der kleine Mausche aus Dessau - Moses Mendelssohns Reise nach Berlin im Jahre 1743
Iella Peter

Die kaum beleuchtete Kindheit des berühmten Philosophen Moses Mendelssohn wird in dem Jugendbuch von Katja Behrens wieder zum Leben erweckt. Sie beschreibt auf einfühlsame Art die beschwerliche...



...Reise des kleinen Mausche nach Berlin.

Moses Mendelssohn, 1729 geboren, war ein großer deutscher Philosoph und gilt bis heute als Wegbereiter der jüdischen Aufklärung. Mit 25 Jahren, und soeben sein Studium an der Talmudschule abgeschlossen, lernt der junge Mendelssohn den Pfarrerssohn Gotthold Ephraim Lessing kennen. Sie verbindet schon bald eine tiefe Freundschaft und dies veranlasst Lessing im Jahr 1779, dem Freund in seinem berühmten Ideendrama "Nathan der Weise" ein bleibendes Denkmal zu setzen. Gotthold E. Lessing ist es auch, der Mendelssohn zur Publikation seiner ersten deutschen Schrift, den "Philosophischen Gesprächen", verhilft. Besonders aber Moses Mendelssohns deutsche Übersetzung des Pentateuch, der jüdischen Bibel, ist bis heute bekannt.

Über die Kindheit des Philosophen ist dagegen kaum etwas bekannt. Katja Behrens Buch "Der kleine Mausche aus Dessau" widmet sich diesem wenig recherchierten Teil von Mendelssohns Biografie.

Schon früh wird bei dem jungen Mendelssohn eine Hochbegabung erkannt und, ungeachtet der bescheidenen Verhältnisse des Elternhauses, gefördert. Als Zehnjähriger beginnt er bereits mit dem Torastudium und spricht West-Jiddisch, Hebräisch und Aramäisch. Seine körperliche Statur dagegen ist dem Jungen keine große Freude. Mit ungefähr dreizehn Jahren macht sich eine Krümmung des Rückens bemerkbar und er beginnt zu stottern. Für einen pubertierenden Jungen sicherlich kein Pluspunkt, um Freunde zu finden. Umso mehr widmet er sich daher seinem Talmudstudium.

Schon 1739 war er in die Klasse des Dessauer Oberrabbiners David Fränkel gewechselt. Im Buch wird beschrieben, wie sehr der Junge von Fränkel fasziniert war und seine Schriften förmlich verschlang. Denn Rabbi David, wie er ihn nennt, war "der erste Mensch gewesen, der ihn gelobt hatte". Zu seinen Eltern und Geschwistern hatte Moses kein besonders gutes Verhältnis. Er, der Spätgeborene, war für seinen Vater Luft und auch seine Mutter schenkte ihm kaum Aufmerksamkeit. So verwundert es nicht, dass der Vierzehnjährige, vor kurzem seine Bar Mizwa hinter sich gebracht und damit ein vollwertiges Mitglied der Gemeinde, sein Elternhaus verlässt und dem Rabbiner David Fränkel nach Berlin hinterher reist. Dieser hatte bereits einige Monate vorher Dessau verlassen, um eine frei gewordene Stelle als Oberrabbiner in Berlin einzunehmen.

Einfühlsam für die vielen neuen und oft beängstigenden Eindrücke der Reise, erzählt Katja Behrens die Geschichte von Moses Mendelssohns Wanderung nach Berlin im Jahr 1743. Im ersten Kapitel berichtet sie von Moses´ trauriger Begegnung mit den Kindern Roßlaus, einem Ort durch den er zieht. Sie bewerfen den Jungen mit Steinen und schreien ihm "Judd Judas" hinter her. Moses zieht den Kopf ein und hält die Schmährufe aus. Er kennt das Leben außerhalb von Dessaus jüdischem Viertel nur marginal. Wie sehr treffend im Buch beschrieben, herrscht in der Welt des Vierzehnjährigen nicht das Jahr 1743 - "er lebt in einer anderen Zeit, im Monat Tischri des Jahres 5504" - und er ist deshalb von den Reaktionen der anderen völlig überrumpelt.

Letztlich ist es Hannes, ein Nauzri, ein Christ, der ihn aus der Situation befreit. Er, auch auf dem Weg nach Berlin, um dort als Hufschmied zu arbeiten, begleitet Mendelssohn von da an auf seiner Reise durch "Feindesland".

Ihre Kommunikation, aufgrund der Sprachbarrieren, Hannes spricht nur Hessisch und Moses nur Jiddisch, fällt nur sehr wortkarg aus. Das tut ihrer Freundschaft, die sich auf der beschwerlichen Reise immer weiter vertieft, aber keinen Abbruch. Aufgrund der kulturellen Unterschiede, entstehen zwangsläufig Probleme zwischen den beiden. Katja Behrens nutzt die einfache und zugleich humorvoll wirkende Redart von Hannes und Mausche, um diese Schwierigkeiten aufzuzeigen und beschreiben zu können. beschreibt Katja Behrens die, aufgrund der kulturellen Unterschiede, zwangsläufig entstehenden Probleme zwischen den beiden. Am ersten Abend ihrer gemeinsamen Wanderung brät Hannes Fisch für Moses und sich, nicht wissend, dass Fisch, wenn er nicht komplett ausblutet, treife, unrein, ist. Auch wenn Moses sehr hungrig ist, diesen Fisch kann er nicht essen. Er lehnt ab und will Hannes sein Verhalten auch sogleich erklären, bringt aber, wie so oft, keinen Ton heraus. Hannes, nicht verstehend, wie ein solch köstlich riechender Fisch verschmäht werden kann, denkt für sich: "Alla, bei dene Judde weiß man nie".

Zusammen erreichen Hannes und Moses schließlich ihr Ziel und erst vor den Toren Berlins trennen sich die Wege der beiden. Nach vielen Entbehrungen wird der kleine Mausche später einmal als Moses Mendelssohn, der große Denker und Vorreiter der jüdischen Emanzipation, in die deutsche Geschichte eingehen.

Zur Autorin: Katja Behrens wurde 1942 in Berlin geboren und lebt heute als freie Schriftstellerin und Übersetzerin in Darmstadt. Lange schreibt sie schon für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Zu ihren bekanntesten Jugendbüchern zählt "Alles Sehen kommt von der Seele - Die Lebensgeschichte der Helen Keller". Sie ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschlands und seit 2007 dessen Vizepräsidentin. Weitere Infos und Kontakt unter: www.katja-behrens.de

AVIVA-Tipp: "Der kleine Mausche aus Dessau. Moses Mendelssohns Reise nach Berlin im Jahre 1743" ist ein sehr schönes, liebevoll geschriebenes Jugendbuch. Katja Behrens gelingt es, die historischen Fakten von Moses Mendelssohns Leben zu einer spannenden und lustigen Geschichte zusammenzufassen, die zu Herzen geht.

Katja Behrens
Der kleine Mausche aus Dessau. Moses Mendelssohns Reise nach Berlin im Jahre 1743

Carl Hanser Verlag München, erschienen im Juli 2009
Fester Einband, 208 Seiten
ISBN 978-3-446-23305-8
14,90 Euro


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Moses Mendelssohn. Der Autor Dominique Bourel versucht mit seiner umfangreichen 800 Seiten starken Biografie eine wissenschaftliche Würdigung des großen Philosophen.

Literatur Beitrag vom 20.08.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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