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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 21.08.2009

Hanna Mandel - Beim Gehen entsteht der Weg
Daniela Besser

Dieses Buch ist ein langes Gespräch mit Hanna Mandel über ihr Leben vor und nach Auschwitz. Die Geschichte ihres Lebens hat sie dem Theologen Norbert Reck erzählt, der sie für uns dokumentiert hat.



Zehn Jahre lang dauerte das Gespräch zwischen der Auschwitz-Überlebenden Hanna Mandel und dem Theologen Norbert Reck. Dabei war Hanna Mandel zunächst überhaupt nicht begeistert von der Idee eines Interviews. Sie hatte schlechte Erfahrungen mit JournalistInnen gemacht – konnte sich hinterher in deren Texten nicht mehr wiedererkennen. Norbert Reck wollte damals einen Beitrag zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz machen. Er überzeugte sie, dass nichts veröffentlicht würde, was sie nicht ausdrücklich zum Druck freigäbe. Hanna Mandel blieb skeptisch, willigte aber dennoch in einen Besuch von ihm ein. Sie empfing ihn dann in ihrer Wohnung mit einem liebevoll gedeckten Tisch – mit selbstgebackenem Kuchen und frisch gebrühtem Kaffee.

Sofort waren sie mitten im Gespräch. Und so blieb es für die folgenden zehn Jahre. Denn beiden wurde bald klar, dass es nicht bei dem geplanten kurzen Interview bleiben konnte. Hanna hatte nicht nur Zweifel, ob sich das, was sie erlebt hatte, überhaupt mit Worten ausdrücken lasse – sie meinte auch, dass es in einem kurzen Artikel gar nicht möglich sei, all das zu erzählen, worum es in ihrer Geschichte eigentlich ging. Dass einer/einem immer wieder die Worte fehlen angesichts der grausamen und menschenverachtenden Erfahrungen im KZ bleibt ein unüberwindbares Faktum. Was Hanna am eigenen Leib durchgemacht hat, können wir uns zwar vorstellen, indem wir versuchen uns in ihre Schilderungen einzufühlen, aber es bleibt doch etwas anderes, es wahrhaftig am eigenen Leib erlebt zu haben. Und dennoch bleibt Hanna angesichts dieser Kluft nicht sprachlos, sondern ermöglicht uns durch ihre Berichte einen Einblick in diesen Abgrund.

Obwohl Hanna Mandel durch ihre Erfahrungen von Entrechtung, Deportation, Eingesperrtsein/Unfreiheit und Entmenschlichung sowie vom schmerzlichen Verlust ihrer gesamten Familie geprägt ist, ist es ihr ein Anliegen, auch das Leben vor und nach Auschwitz nicht zu vergessen. Und so wird aus einem kurzen Artikel ein ganzes Buch – ein Buch über das Leben einer Jüdin im 20. Jahrhundert.

Zur Autorin: Hanna Mandel wurde 1927 in Oradea/Rumänien geboren und wuchs in Ungarn auf. Sie war die Älteste von acht Geschwistern einer orthodoxen jüdischen Familie. Hanna war siebzehn, als die gesamte Familie 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Als einzige Überlebende ihrer Familie heiratete sie nach der Befreiung einen Cousin und lebte mit ihm in Rumänien, 1948 flohen sie nach Ungarn. Später wohnten sie in Wien, wo ihre erste Tochter zur Welt kam. 1952 folgte die Übersiedlung nach Fürth, 1956 der Umzug nach München. Dort brachte Hanna drei weitere Töchter zur Welt und arbeitete in der Exportfirma ihres Mannes mit. 1975 ließ sie sich von ihrem Mann scheiden. Hanna machte eine Ausbildung zur Bürokauffrau, blieb aber lange arbeitslos. Schließlich bekam sie eine Stelle als Verwaltungsangestellte, die sie bis zur Rente ausübte.
Seit Mitte der 1970er Jahre sprach Hanna in Schulen und auf öffentlichen Veranstaltungen über ihre KZ-Erfahrungen und zur Frage, wie Gewalt in der Gesellschaft überwunden werden kann. Neben diesem Engagement beschäftigten sie aber auch Umwelt- und Frauenfragen.
Hanna Mandel hat das Erscheinen des Buches nicht mehr erlebt, sie starb im Februar 2003, drei Monate vor ihrem 76. Geburtstag.

Zum Herausgeber: Norbert Reck, geboren 1961, freier Publizist und Theologe in München. Er promovierte über die Bedeutung der Erinnerung von Auschwitz-Überlebenden für die Theologie und ist verantwortlicher Redakteur der internationalen Zeitschrift Concilium. Er unterrichtet Theologie und Philosophie an der katholischen Stiftungsfachhochschule München, ist Rundfunkautor und Referent in der religiösen Bildungsarbeit. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit den Verfolgten und Tätern des Nationalsozialismus, mit Erinnern und Verleugnen. (Verlagsinformation)

AVIVA-Tipp: Dieses Buch dokumentiert nicht nur die Lebensgeschichte von Hanna Mandel, sondern legt auch ein beredtes Zeugnis von ihrem Denken und Handeln ab. In einer jüdisch-orthodoxen Familie behütet aufgewachsen, durch die Shoah traumatisiert, musste sie ihren Weg als einzige Überlebende ihrer zehnköpfigen Familie ganz alleine finden. Und trotz dieser Erfahrung des Abgrunds verbitterte sie nicht, sondern nahm ihr Leben in die eigene Hand. Es war ein langsamer und schmerzhafter Prozess, doch sie ging unbeirrt ihren Weg. An ihrer Entwicklung zu einer selbstbestimmten Frau, an ihren neu gewonnenen Ansichten lässt sie uns in aller Offenheit teilhaben. Eine starke und lebenskluge Frau, die sich um die gesellschaftliche und ökologische Zukunft sorgte und sich dafür bis zuletzt engagierte. Ein Buch, das schwer in einem Satz zu beschreiben ist – frau/man muss es einfach selbst lesen!


Hanna Mandel
Beim Gehen entsteht der Weg. Gespräche über das Leben vor und nach Auschwitz

Herausgegeben von Norbert Reck
Argument Verlag, erschienen: Oktober 2008
Hardcover, 288 Seiten
ISBN 3-88619-464-7
17,90 Euro

Weiterlesen/-sehen/-hören:

"Gespräche mit Überlebenden des Holocaust"

"Ruth Klüger - unterwegs verloren"

"Ruth Klüger - Katastrophen"

Literatur Beitrag vom 21.08.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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