Esther Dischereit - Vor den hohen Feiertagen gab es ein Flüstern und Rascheln im Haus - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.09.2009

Esther Dischereit - Vor den hohen Feiertagen gab es ein Flüstern und Rascheln im Haus
Iella Peter

In bruchstückhaften Klang- und Textzeichen erzählt Esther Dischereit, deutsch-jüdische Schriftstellerin, vom jüdischen Leben in Dülmen und wählt damit einen ganz besonderen Weg der Erinnerung.



Dülmen. Eine Stadt in Nordrhein-Westfalen. Früher, vor dem Holocaust, gab es hier eine große, alteingesessene jüdische Gemeinde. Heute leben keine JüdInnen mehr in Dülmen. In einer Installation von 55 Klangzeichen, seit 2008 in Dülmen zu sehen und nun auch in literarischer Form herausgegeben, stellen sich Esther Dischereit und der Wiener Komponist Dieter Kaufmann diesem Vergessen entgegen und konfrontieren die Dülmer Bevölkerung mit ihrer verdrängten Vergangenheit. Ihre Erinnerungsstücke zum jüdischen Leben an diesem Ort sind bruchstückhaft, haben keinen Anfang und kein Ende.

Die renommierte deutsch-jüdische Schriftstellerin schert damit aus den üblichen Ritualen des Erinnerns aus und nähert sich dem Thema Aufarbeitung auf ungewöhnliche Weise. Die Erinnerung, aber auch das Verschwinden derselbigen, im stetigen Ablauf des Alltäglichen, ist ihre Form, um sich dem Geschehenen zu nähern. Für ihr sprachempfindliches- und erfinderisches Werk bekannt, wird Esther Dischereit am 29. November 2009 mit dem Erich-Fried-Preis ausgezeichnet.

Die Klang- und Textzeichen im Buch und auf den beiliegenden CDs werden nicht erklärt oder in einen inhaltlichen Kontext gesetzt. Sie stehen für sich und es ist der LeserIn selbst überlassen, was sie mit dem Gelesenen und dem Gehörten anfängt. Auf den ersten Blick scheint das Buch ungeordnet zu sein. Die kleinen Geschichten wirken wahllos aneinander gereiht und doch herrscht in dem Buch eine Spannung zwischen Ordnung und Zufall. Der LeserIn ist es, anders als bei der Live-Installation in Dülmen, scheinbar möglich, Anfang und Ende der jeweiligen Geschichte zu erkennen. Eingeführt werden die Textzeichen im Buch mit dem bedeutenden Wort "Ich" und enden auf der letzten Seite mit "Sprachbrief". Das "Ich", welches in den Geschichten spricht, springt von Gestalt zu Gestalt. Manchmal ist es eine Frau, ein Mann oder ein Kind.

In den kurzen Abschnitten leben die Spuren der verschwundenen jüdischen Kultur wieder auf. Das "Ich" benutzt Begriffe, wie "Matze", "Salomon" oder "L`Chaim", die den vergessenen jüdischen Alltag in Dülmen prägten. Esther Dischereits Buch nimmt dabei keine belehrende Haltung ein. Es zeigt auf, dass jüdisches Leben in Dülmen existiert hat. Welche Position die LeserIn zu dem Gehörten einnimmt, ob ihr Urteil sie dazu animiert, den fast vergessenen Spuren zu folgen oder aber ihrem alltäglichen Leben weiter nachzugehen, obliegt ganz allein ihrer Entscheidung.

Auch die Musik, welche die einzelnen Textzeichen untermalt, kommentiert nichts. Sie gibt den Geschichten lediglich ein gewisses Format und unterstützt ihre Wirkung. Streckenweise wirken die Klänge dissonant zum gehörten Text, manchmal scheinen sie den geschriebenen Worten zu noch mehr Klarheit zu verhelfen. Schließlich wird die lange Liste der Namen der Dülmer JüdinInnen vorgelesen.

Esther Dischereit und Dieter Kaufmann geben der LeserIn mit ihrem Werk die Möglichkeit, zwischen den unterschiedlichen Texten und Klängen hin und her zu springen und sich aus den Bruchstücken ein eigenes Gerüst der Geschichte zusammenzufügen.

Zur Autorin: Esther Dischereit lebt in Berlin und ist Lyrikerin, Erzählerin und Autorin für Hör- und Theaterstücke. Sie ist seit ihrem Erstlingswerk "Joemis Tisch - Eine jüdische Geschichte" eine der wichtigsten VertreterInnen der jüngeren jüdischen Generation. Zuletzt veröffentlichte sie die Geschichtensammlung "Der Morgen an dem der Zeitungsträger". Am 29. November 2009 wird sie mit dem Erich-Fried-Preis geehrt. Weitere Infos und Kontakt finden Sie unter: www.estherdischereit.de

AVIVA-Tipp: Ein wirklich bemerkenswertes Buch ist Esther Dischereit mit "Vor den hohen Feiertagen gab es ein Flüstern und Rascheln im Haus" gelungen. Ungewöhnlich in seiner Gestaltung, erzählt das Buch auf sehr ausdrucksstarke Weise vom jüdischen Leben in der deutschen Kleinstadt Dülmen.

Esther Dischereit
Vor den hohen Feiertagen gab es ein Flüstern und ein Rascheln im Haus

AvivA-Verlag, erschienen Juli 2009
Gebunden, 128 Seiten und 2 CDs
ISBN: 978-3-932338-38-0
19,80 Euro


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Der DGB hat der Schriftstellerin Esther Dischereit gekündigt. Der "Offene Brief", der am 16.06.06 dem Bundesvorsitzenden Michael Sommer übergeben wurde, wurde von zahlreichen Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft unterschrieben.

Literatur Beitrag vom 02.09.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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