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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.09.2009

Sybille Bedford - Rückkehr nach Sanary
Clarissa Lempp

Sybille Bedford lässt in diesem autobiografischen Werk das Bild des mondänen Europas auferstehen und beschreibt ihre Jugend als Europareisende zwischen Frankreich, England und den Weltkriegen.



Alles soll mit der "Allenstein-Affäre" begonnen haben: 1907 wurde der im ostpreußischen Allenstein (das heutige Olsztyn/Polen) stationierte Offizier Gustav von Schoenebeck erschossen. Er selbst habe sich mehr für seine zahmen Wölfe als für seine schöne junge Gattin interessiert, die sich deshalb mehrere Liebhaber hielt, darunter den Hauptmann Hugo von Göben, der Schoenebeck erschoss. Der Fall ging durch die Presse und sorgte dafür, dass vom exzentrisch melancholischen Bruder des Ermordeten, dem frankophilen Baron von Schoenebeck, eine eigenartige Anziehungskraft ausging, die schließlich zur Ehe mit einer schönen und gebildeten britischen Kosmopolitin führte und diese wiederum zur Geburt der kleinen Sybille.

Nach ihrer Geburt zieht die Familie auf den Landsitz der Schoenbecks nach Baden. Hier in Feldkirch bleibt das Idyll nur ein kurzes und die lebenshungrige Mutter lässt sich bald scheiden. Sybille bleibt mit ihrem Vater und dessen Antik-Kunst- und Weinsammlung allein auf dem riesigen Gut des verarmenden Landadels. Sybille passt nicht in das kleine Leben der Dorfbevölkerung und ein anderes gesellschaftliches Leben gibt es nicht. Sie flieht zu ihrer verehrten Halbschwester und deren Mann. Dann stirbt ihr Vater. Der Teenager wird nun zu ihrer Mutter nach Italien übergesiedelt, und aus dem jungen Mädchen wird bald eine Europareisende. Die Mutter schickt sie zu Freunden nach London, wo Sybille, die zuletzt in Feldkirch eine Schule besucht hat, sich nun selbst unterrichtet. Die Ferien verbringt Sybille aber in Frankreich bei der Mutter, die nun ihren jungen italienischen Liebhaber geheiratet hat, in Sanary, an der Côte d’Azur.

Sanary war vor allem in den 1930ern ein Auffangbecken europäischer und vor allem auch deutscher SchriftstellerInnen und KünstlerInnen. In dieser aufkommenden Atmosphäre verbringt die junge Frau ihre Sommerferien und verliebt sich in die geheimnisvolle kühle Oriane. In den Wochen ohne die Mama, die sich zu einem Kuraufenthalt in die Schweizer Berge aufgemacht hat, genießen Sybille und ihr Stiefvater das Leben in vollen Zügen und nach einer verhängnisvollen Partynacht werden sie zu stillen Komplizen. Als Sybille im nächsten Sommer zurückkehrt trifft sie ihre Mutter in einem erbärmlichen Zustand an, sie nimmt Morphium. Genau zu jener Zeit treffen die beiden aber auch neue Freunde, Freunde, die das Schaffen von Sybille beeinflussen, das Ehepaar Aldous und Maria Huxley.

Die Weltenbürgerin Bedford hat in diesem Roman einer Jugend, so der Untertitel, den "ersten Teil" ihrer Biografie verarbeitet. Das 1989 im Englischen erschienene Original "Jigsaw. An Unsentimental Education" wurde bereits 1992 im Deutschen veröffentlicht, allerdings unter dem Titel "Zeitschatten. Ein biografischer Roman". Die Neuübersetzung durch den Schirmer Graf Verlag hat sich vor allem bei der Wahl des Titels bewiesen, der die Frische und die Reisen als Zeitanker besser hervorhebt. 2005 erschien, ein Jahr vor Sybille Bedfords Tod, ihre offizielle Autobiografie Treibsand. Erinnerungen einer Europäerin.


Zur Autorin: Sybille Bedford wurde 1911 in Berlin als Tochter des Baron Maximilian von Schoenbeck und der Engländerin Elizabeth Bernard geboren. Sie wuchs in Deutschland, England, Italien und Frankreich auf. Ihre Romane und Reiseerzählungen spiegeln vor allem die Lebensgeschichte Bedfords wider. Darüber hinaus arbeitete sie als Gerichtsreporterin auch für Zeitschriften wie Esquire und Life. Ihre zweibändige Biografie Aldous Huxleys wurde zum Standardwerk. Um die britische Staatsbürgerschaft zu erhalten, heiratete sie in den 1930er Jahren den britischen homosexuellen Offizier Walter "Terry" Bedford. Bis in die späten 1970er lebte und bereiste Sybille Bedford Europa, Mexico und die USA bevor sie nach London zog, wo sie bis zu ihrem Tod 2006 lebte. 1981 erhielt sie die Auszeichnung zum Officer of the British Empire (Offizierskreuz).

AVIVA-Tipp: Bedfords spritzige Prosa, die äußeren und inneren Landschaften die sie ihren ProtagonistInnen zeichnet, sind warm und sinnlich und doch vom typisch britischen Understatement durchdrungen. Das gibt vor allem den Momenten, in denen große Namen auftauchen, wie eben Huxley oder der des Schriftstellers und Revolutionärs Ernst Toller, eine angenehme Leichtigkeit. Sybille Bedfords Romane sind die perfekte Sommerlektüre, sie ziehen die Leserin sofort in ihre Zeit und versprechen charmante Unterhaltung mit historischem Tiefsinn.


Sybille Bedford
Rückkehr nach Sanary. Roman einer Jugend

Aus dem Englischen übersetzt von Sigrid Ruschmeier
SchirmerGraf Verlag, erschienen März 2009
Leinen mit Schutzumschlag und Lesebändchen, ca. 420 Seiten
ISBN 978-3-86555-062-0
22,80 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Die Romane "Ein Liebling der Götter" und "Ein trügerischer Sommer" sowie die Reiseessays "Am liebsten nach Süden"

Literatur Beitrag vom 02.09.2009 Clarissa Lempp 

   




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