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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 21.09.2009

Xiaolu Guo - Ein Ufo, dachte sie
Claire Horst

Dass der Fremde, den sie eines Tages auf einem Feld bei ihrem Dorf findet, ein Außerirdischer sein könnte, denkt die chinesische Bäuerin Kwok Yun zunächst gar nicht. Auf die Idee bringt sie erst...



... die Dorfvorsteherin, Chang Lee.

Nachdem sie den verletzten Fremden zu Hause verarztet hat und dieser spurlos verschwunden ist, zeigt Kwok Yun das Geschehene pflichtbewusst bei Chang Lee an. "Du hättest mir den Fremden unverzüglich melden müssen, wie es in den Richtlinie ´Fremde auf chinesischen Territorium` vorgeschrieben ist", schimpft diese. Dass es sich auch um einen Außerirdischen handeln könnte, folgert die Vorsteherin aus einem Telefonat mit dem Leiter des Fachbereichs Wissenschaft in der Stadtverwaltung.

Aus dieser eigentlich banalen Begebenheit – ein Fremder mit gelben Haaren landet in der chinesischen Provinz und verschwindet wieder – folgt die grundlegende Veränderung des gesamten Dorfes. Denn die engagierte Dorfvorsteherin, die die Idee des chinesischen Aufschwungs vollkommen ernst nimmt, sieht in dem Vorfall eine Gelegenheit, ihren Ort von Grund auf neu aufzubauen.

Diese Geschichte wird nun nicht aus einer klassischen Erzählperspektive heraus erzählt. Bei dem Roman handelt es sich um eine Aneinanderreihung von Polizeiberichten dreier Agenten, die das Ereignis in der Provinz untersuchen sollen. Was es mit dem Alien auf sich hat und wohin der blinde Glaube an Wohlstand und Fortschritt führt, wird von Verhör zu Verhör deutlicher.

Dass die Polizeiprotokolle neben Namen und Adresse auch den politischen Stand ihrer GesprächspartnerInnen aufnehmen (entweder "Bäuerin" oder "Kommunistin" sind die Alternativen), dass bestimmte Gesprächspassagen geschwärzt sind, ist natürlich als beißende Satire auf das heutige China zu verstehen. Der Turbokapitalismus des Staates, der sich bis heute als "kommunistisch" versteht, gipfelt in diesem Roman darin, dass die BäuerInnen am Ende der Modernisierungswelle zwar in neuen Häusern wohnen und genug zu essen haben, aber dafür als Putzhilfen im neu gebauten Supermarkt arbeiten, für den ihre eigenen Felder zubetoniert wurden.

Reisbauer Wong Jing lässt sich von keinem Polizisten den Mund verbieten: "Reisfelder? Was für bekackte Reisfelder? Haben Sie keine Augen im Kopf? Es gibt keine Reisfelder mehr. Sie liegen unter den Fabriken, die Sie dort drüben sehen – und unter dem Touristenzentrum mit seinem dämlichen Museum und dem riesigen leeren Parkplatz."

AVIVA-Tipp: "Ein Ufo, dachte sie" ist eine wunderbar kluger und witziger Roman. Neben dem rasenden Fortschritt um seiner selbst willen werden die bürokratische Arroganz der Beijinger Kader und der Rassismus der verschiedenen Bevölkerungsgruppen untereinander aufs Korn genommen. Sehr gekonnt wechselt die Autorin zwischen den verschiedenen Codes der einzelnen Verhörten: Von der Intellektuellen bis zum alten Bauern sprechen ihre Figuren jeweils eine eigene Sprache. Das Gesamtbild ist ein komisches und sarkastisches Portrait eines irrwitzigen China mit liebenswerten, wenn auch heillos überforderten EinwohnerInnen.

Zu der Autorin/Herausgeberin: Xiaolu Guo wurde 1973 in einer kleinen Stadt am chinesischen Meer geboren. Mit achtzehn ging sie nach Beijing, studierte dort an der Filmhochschule. und schrieb fünf Romane. 2002 zog sie nach London. Sowohl in China als auch in ihrer britischen Wahlheimat machte sie sich als Filmemacherin und Schriftstellerin einen Namen. Mit "Kleines Wörterbuch für Liebende" gelang ihr 2008 der internationale Durchbruch. Im Knaus Verlag erschien 2005 von Xiaolu Guo bereits der Roman "Stadt der Steine". (Verlagsinformationen)
Die Autorin im Netz: www.guoxiaolu.com

Xiaolu Guo
Ein Ufo, dachte sie. Roman

Originaltitel: Ufos in Her Eyes
Aus dem Englischen von Anne Rademacher
Knaus Verlag, erschienen September 2009
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 224 Seiten
ISBN: 978-3-8135-0353-1
18,95 Euro


Literatur Beitrag vom 21.09.2009 Claire Horst 

   




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