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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 13.07.2008

Carolyn Gammon und Christiane Hemker - Zweimal verfolgt - Eine Dresdner Jüdin erzählt
Sharon Adler

Dieses Buch stellt die erschütternde Lebens- und Leidensgeschichte der mutigen Dresdner Jüdin Johanna Krause dar und ist Bilanz unzähliger Gespräche, die Krause mit den beiden Autorinnen geführt hat



1994 entdeckte die in Berlin lebende Kanadierin Carolyn Gammon in einer Zeitschrift eine Annonce, in der ein Wochenendseminar in der Gedenkstätte des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück angeboten wurde. Dort traf sie auf Johanna Krause, die als Ehrengast und Zeitzeugin eingeladen war.
Schon bald traten die beiden Frauen – Johanna war mittlerweile 86 Jahre alt, Carolyn Gammon fünfzig Jahre jünger – in einen vertrauten Dialog miteinander, der sich auch nach dem Seminar in einer privaten Korrespondenz fortsetzte.

Es war Johannas Wunsch, dass ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben wurde, denn sie wollte, dass zukünftige Generationen davon lernen.

Carolyn Gammon ist diesem Wunsch nachgekommen und hat die Lebens- und Leidensgeschichte der mutigen Dresdnerin Jüdin respekt- und liebevoll aufgezeichnet.
Über einen Zeitraum von zwei Jahren interviewte sie Johanna Krause gemeinsam mit der Archäologin Dr. Christiane Hemker. Insgesamt elf Tonbänder mussten transkribiert, redigiert und korrigiert werden. Johanna verlangte während des gesamten Prozesses: "Jedes Wort muss wahr sein", denn sie hasste nichts mehr als Lügen.

Johannas Geschichte

Am 23. Oktober 1907 als uneheliche Tochter einer ungarischen Jüdin und eines deutschen Fabrikanten geboren, erinnert sich Johanna auch Jahrzehnte später in den Interviews an ihre Kindheit und Jugend, an ihre Träume und Hoffnungen. Doch es kommt anders.
Nach einer schwierigen Kindheit und Jugend wird die junge Dresdnerin Johanna Krause, die so gern Tänzerin geworden wäre, 1934 wegen "Führerbeleidigung" verhaftet. Einige Monate später will der brutale NS-Polizist Herbert Ossmann die Jüdin vergewaltigen und stößt sie später in die Elbe.
1935 wird sie zusammen mit ihrem nichtjüdischen Mann Max wegen Verstoßes gegen die Rassengesetze erneut verhaftet und später zur Zwangsarbeit gezwungen. Sie ist bereits im achten Monat schwanger, als die Nazis ihr Kind abtreiben und Johanna sterilisieren.
1944 wird sie ins KZ Ravensbrück verbracht, wo sie nur durch einen Registrierfehler der Gaskammer entgeht. Sie überlebt drei Konzentrationslager und den Todesmarsch, ehe sie schwerkrank nach dem Krieg nach Dresden zurückkehrt, um ihren Mann zu suchen.
Das Ehepaar Krause engagiert sich in den 50er-Jahren beim Aufbau der DDR, Johanna arbeitet in Gaststätten, Max, der Maler, ist in der Partei aktiv. Bald schon holt Johanna die Vergangenheit ein. Als sie eines Tages den neuen Parteisekretär bedienen soll, erkennt sie in ihm den SS-Offizier, der 1934 versucht hatte, sie zu vergewaltigen und zu ertränken. Bei dem Versuch, ihn anzuklagen, wird sie diesmal von der DDR-Obrigkeit verfolgt. Johanna ist erneut antisemitischen Attacken ausgesetzt und kommt zusammen mit ihrem Mann 1957 wegen ´Staatsverleumdung´ wieder in das Gefängnis in dem sie früher schon wegen ´Rassenschande´ einsaß.
Nach dem Zusammenbruch der DDR hatte Johanna gehofft, vollständig rehabilitiert zu werden, was aber nicht gelang. Erst durch die Recherchen von Freya Klier in der Gauck Behörde und im Document Centre erhielt sie Einsicht in ihre Stasi-Akten und wurde schließlich in Karlsruhe rehabilitiert.

Lesen Sie auch unsere Rezension zum Dokumentarfilm "Johanna - eine Dresdner Ballade" der Autorin und Regisseurin Freya Klier, die der erschütternden Lebens- und Leidensgeschichte der mutigen Dresdnerin Jüdin Johanna Krause ein filmisches Denkmal gesetzt hat.

Zu den Autorinnen:

Carolyn Gammon

1959 in Ost-Kanada geboren und in 1992 nach Berlin gezogen. Die Schriftstellerin hat in verschiedenen Anthologien in Nordamerika, Großbritannien und Deutschland Gedichte, Prosatexte und Essays veröffentlicht.

Christiane Hemker, 1959 in Westdeutschland geboren, hat in verschiedenen deutschen Städten gelebt, bevor sie 1993 nach Dresden zog. Sie ist Archäologin und veröffentlicht auf diesem Gebiet diverse Texte. Sie ist in der Gewerkschaft Verdi insbesondere für Frauenthemen aktiv.

AVIVA-Tipp: "Zweimal verfolgt. Eine Dresdner Jüdin erzählt" leiht der eine Stimme, die nie leise war und setzt ihr damit ein Denkmal. Bereits zu Lebzeiten Johannas hat die Arbeit an diesem Werk ihr eine Würde zurückgegeben, die sie kaum jemals verloren hatte. Ergänzt um Fotografien von Johanna Krause und wertvolles Archivmaterial hat dieses wichtige Buch von Carolyn Gammon und Christiane Hemker nun auch seinen Platz in der Bibliothek der Erinnerung erhalten.

Carolyn Gammon und Christiane Hemker
Zweimal verfolgt
Eine Dresdner Jüdin erzählt

Reihe: Bibliothek der Erinnerung, Band 13
Metropol-Verlag, erschienen 2004
ISBN 3-936411-42-5
208 Seiten
Preis: 18,00 Euro

Literatur Beitrag vom 13.07.2008 Sharon Adler 

   




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