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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 12.11.2009

Holger Kulick und Toralf Staud - Das Buch gegen Nazis
Sunna Krause-Leipoldt

Unwissenheit und mangelnde Sensibilität im Umgang mit rechtsextremem Gedankengut sind ein oft unterschätztes Problem unserer Gesellschaft. "Das Buch gegen Nazis" versucht, diese Lücke zu schließen.



Am 10. November 2009 veröffentlichte der Verlag Kiepenheuer & Witsch eine Presseerklärung, in der mitgeteilt wurde, dass der Inhaber der Modemarke Thor Steinar mit einem Versuch gescheitert ist, den Ratgeber "Das Buch gegen Nazis" vom Markt nehmen, bzw. zensieren zu lassen. Auch die Forderung, bereits heraus gegebene Exemplare zurückzurufen, konnte nicht durchgesetzt werden. Die in Königs-Wusterhausen bei Berlin ansässige Firma Mediatex GmbH, die hinter dem Label steht, störte sich an einem Satz im Anhang. Darin ging es um rechtliche Schwierigkeiten Probleme mit dem bis 2004 offiziell verwendeten Logo der Marke, dessen Gebrauch wegen der Ähnlichkeit mit Symbolen verbotener Organisationen aus der Zeit des Nationalsozialismus untersagt worden war. Mediatex hatte mit dem Antrag vor Gericht keinen Erfolg, konnte jedoch durchsetzen, dass die beanstandete Passage in den folgenden Auflagen nicht mehr erscheinen darf. Die Firma wurde dazu verurteilt, 75 Prozent der entstandenen Gerichtskosten zu tragen. Das Urteil selbst ist bisher nicht rechtskräftig.

Warum ist es für Mediatex wichtig, dass ihr, in der rechten Szene beliebtes Label nicht mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird? "Das Buch gegen Nazis" versteht sich, dem Klappentext zufolge, als "Handbuch zum Rechtsextremismus" und genau hierin liegt anscheinend die Bedrohung. Neonazis sind heutzutage nicht mehr so leicht zu erkennen wie in den 90er Jahren, in denen sie als kahl geschorene Schläger auftraten.

Heutzutage versuchen sie, durch augenscheinliche Seriosität, zustimmungsfähige Parolen und soziale Angebote, ihr von Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus geprägtes Weltbild in den Köpfen der Menschen zu verankern. Dabei hilft ihnen die Tatsache, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, rechtsextremes Gedankengut als das zu erkennen, was es ist – sowohl bei anderen, als auch in sich selbst.

"Das Buch gegen Nazis" bemüht sich darum auf vielen verschiedenen Ebenen um Aufklärung. Es unterteilt sich in drei große Abschnitte – "Wissen", "Handeln" und "Erkennen".

Der erste Teil versucht, eine Vielzahl von Fragen zum Rechtsextremismus zu bündeln und zu beantworten, denn oft ist schlichtes Unwissen der Grund dafür, dass die Mitte der Gesellschaft sich von rechten Parolen vereinnahmen läßt. Das Kapitel vermittelt unter anderem Basiswissen, wie Rechtsextremismus eigentlich definiert werden kann. Die LeserInnen werden darüber informiert, wie und warum sich die NPD bemüht, in lokale demokratische Strukturen einzudringen. Sie erfahren, nach welchem Schema Holocaust-LeugnerInnen versuchen, ihrer "Diskussion" einen rechtschaffenen Anstrich zu geben oder sich selbst als Opfer eines Denkverbotes hinzustellen.

Im Anschluss an die Vermittelung theoretischer Grundlagen gibt das Kapitel "Handeln", Hinweise darauf, wie man im Alltag mit Rechtsextremismus umgeht und wie man sich dagegen organisieren kann. Hier werden alle Fragen von "Was tun, wenn Onkel Rolf am Kaffeetisch rassistische Witze loslässt?" bis "Im Gemeinderat sitzt neuerdings die NPD – wie können Lokalpolitiker reagieren?" beantwortet. Das Handbuch bietet sich damit allen gesellschaftlichen AkteurInnen, wie Jugendlichen, LehrerInnen, Eltern, Angestellten und PolitikerInnen an.

Der Abschnitt "Erkennen" beschäftigt sich mit der Frage, wie Neonazis identifiziert werden können. Die offensichtlichen Erkennungsmerkmale "Glatze" und "Springerstiefel" reichen heutzutage nicht mehr aus. Zum Einen gibt es eine überaus differenzierte Szene nicht unpolitischer oder linker Skinheads, die für den Außenstehenden wie "Nazis" aussehen. Zum Anderen gibt es in der rechten Szene inzwischen sowohl ein stärkeres Bewusstsein für Mode und deren Bedeutung in der Gesellschaft als auch taktische Überlegungen, durch den bewussten Einsatz linker Stilelemente Verwirrung zu stiften. Aus diesem Grund beinhaltet dieser Absatz eine mit Abbildungen versehene Übersicht über Modemarken, Symbole und Chiffren, die den LeserInnen helfen sollen, RechtsextremistInnen zu erkennen, um reagieren zu können.

AVIVA-Tipp: "Das Buch gegen Nazis" ist nicht einfach nur ein guter, sondern ein dringend notwendiger Ratgeber in einer Gesellschaft, in der ein offener Umgang mit Rechtsextremismus kaum stattfindet. Viele Menschen haben keine klare Vorstellung davon, wer die Neonazis von Heute sind und was sie eigentlich wollen. Diese Unwissenheit und die mangelnde Praxis im Umgang mit den Rechten sind bedeutende Faktoren für deren Erfolg. Die Autoren füllen diese gefährliche Lücke in verständlicher Form und lockerem Tonfall, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Die anvisierte "Erste Hilfe gegen Nazis" ist sehr gelungen und steht allen bei, die sich selbst und andere gegen rechtsextremistische Einflüsterungen wappnen wollen.

Zu den Autoren:

Toralf Staud
, geboren 1972, studierte Journalistik und Philosophie. Von 1998 bis 2005 war er Redakteur bei der ZEIT. Heute arbeitet er als freier Autor unter anderem für das greenpeace magazin. 2005 veröffentlichte Staud eine Arbeit über Rechtsextremismus in Deutschland unter dem Titel "Moderne Nazis. Die neuen Rechten und der Aufstieg der NPD". 2008 baute er für die ZEIT das Internetportal www.netz-gegen-nazis.de auf.

Holger Kulick geboren 1960, studierte Politik und arbeitete als Journalist in den Bereichen Kultur und Politik für ARD und ZDF. Er produzierte Dokumentationen zu Jugendgewalt und Rechtsextremismus. Seit 2005 leitet Kulick die Redaktion von www.mut-gegen-rechte-gewalt.de und beteiligt sich am Rechtsextremismusdossier der Bundeszentrale für politische Bildung im Netz unter http://www.bpb.de/rechtsextremismus.
(Quelle: Kiepenheuer & Witsch Verlag)

Holger Kulick, Toralf Staud
Das Buch gegen Nazis. Rechtsextremismus – Was man wissen muss und wie man sich wehren kann

Kiepenheuer & Witsch Verlag, erschienen August 2009
Taschenbuch, 304 Seiten, illustriert
ISBN: 978-3-462-04160-6
12,95 Euro
www.kiwi-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Nazi-Symbole in der deutschen Konsumwelt angelangt"

"Antisemitistische Realitäten im Deutschland von heute"

"Anne Frank Haus Amsterdam – Alle Juden sind... - 50 Fragen zum Antisemitismus"

"BGH erklärt die Verurteilung des Rechtsextremisten Horst Mahlers zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren wegen Volksverhetzung für rechtskräftig."

Recherchereise von Mo Asumang

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NPD-Hetze gegen den CDU-Politiker Schall in Thüringen. Amadeu Antonio Stiftung fordert konsequenteres Vorgehen der thüringischen CDU gegen Rechtsextremismus.

Bessere Bekämpfung des Antisemitismus gefordert. In einer gemeinsamen Erklärung fordern die jüdische Gemeinde zu Berlin, der Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus und das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus die zügige Umsetzung des Beschlusses des Deutschen Bundestags zur Antisemitismusbekämpfung.

Zentralrat der Juden bereitet Klage gegen Google und YouTube vor. Hakenkreuzvideos und brauner Sumpf auf YouTube. Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland geht mit einstweiliger Verfügung bei Hamburger Gericht gegen die US-Firma vor.

Mit Antisemitismus und Antiamerikanismus in die Charts. Immer mehr rechtsextreme und verfassungsfeindliche Inhalte finden bei Internetportalen wie youtube und myspace Verbreitung.

Die Geschichte der Juden von Lutz van Dijk.

Feindbild Judentum - Antisemitismus in Europa Herausgegeben von Lars Rensmann und Julius Schoeps

Linker Antisemitismus von Benjamin Weinthal

Neu-alter Judenhass

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Literatur Beitrag vom 12.11.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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