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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 26.02.2010

Daria Donzowa - Den letzten beißt der Hund
Claire Horst

Unter ihrem Pseudonym hat die Autorin Agrippina Donzowa bereits 46 Bücher veröffentlicht, dreimal war sie russische Schriftstellerin des Jahres. 72 Millionen Exemplare wurden bisher verkauft, ...



... und auch in Deutschland erschienen schon mehrere Bände.

In mittlerweile vier Krimireihen machen Donzowas HeldInnen Jagd auf MörderInnen, DiebInnen und organisierte Kriminelle. Tanja, die Hauptfigur des Romans "Den letzten beißen die Hunde", verbringt mit einigen Kindern, Hunden und andern Haustieren den Sommer in ihrer Datsche auf dem Land. Eines Morgens stürzt das Haus über ihren Köpfen zusammen - die Folge des Neubaus einer riesigen Villa auf dem Nachbargrundstück, wie sich später herausstellt.

Zunächst ist sie voller Wut auf die "Neureichen", die ohne Rücksicht auf Sicherheitsbestimmungen gebaut haben, doch als der gutaussehende Herr von nebenan in seinem Sportwagen vorfährt und sofort den Neubau der Datsche auf seine Kosten anordnet, ist sie schnell besänftigt.Die nächsten Wochen verbringen Tanja und ihr Anhang in seiner riesigen Villa, zusammen mit seiner unübersichtlichen Großfamilie, die hauptsächlich aus seinen Kindern aus verschiedenen Ehen und deren Kindern besteht.

Als in der Villa ein Mord geschieht - ihr Wohltäter ist erschossen worden - stellt sich heraus, dass der Familienfrieden schon lange nur mit Mühe zusammengehalten wird. Auf das umfangreiche Erbe des Millionärs sind alle scharf, und so haben die Familienmitglieder bald eine Schuldige ausgemacht. Tanja, die (wie Donzowa in weiteren Bänden der Reihe erzählt hat) schon umfangreiche Erfahrungen mit Mordfällen gesammelt hat, ist mit dieser einfachen Lösung nicht zufrieden. Und so macht sie sich in bester Miss-Marple-Tradition auf die Suche nach den wahren Schuldigen.

Im Unterschied zu Agatha Christies meisterhaft erzählten Krimis wirkt Donzowas Roman leider etwas konstruiert. Der im Titel angedeutete Hundebiss etwa ist derart an den Haaren herbeigezogen, dass die Auflösung des Falls ins Märchenhafte abgleitet. Anders als die Figuren in den Miss-Marple-Romanen, die psychologisch sehr genau charakterisiert sind, bleiben Donzowas Figuren blass und unscheinbar. Bei ihrer Beschreibung schreckt sie auch vor offensichtlichen Klischees nicht zurück. Ein alternder General ist natürlich ein "alter Haudegen", Blondinen sind schön und dumm, sämtliche Kinder sind lärmende Wildfange, und alle reichen Männer werden von finster aussehenden Bodyguards begleitet. Bester Krimi-Trash, der sich bei Regenwetter in ein paar Stunden durchlesen lässt.

Dennoch verrät das Buch jenseits der Stereotypen einige Wahrheiten über das Leben in Russland. Wenn ein Anwalt sich ärgert, an den einzigen unbestechlichen Polizisten geraten zu sein und seinen Mandanten nicht freikaufen zu können, wenn eine Kriminelle daran erkannt wird, dass sie das falsche Schminkköfferchen dabei hat (eine Blondine mit blauen Augen würde nie grünen Lidschatten benutzen), verrät der Roman zwischen den Zeilen mehr, als die direkte Handlung aussagt.

Dabei fallen auch einige unangenehme Details der Erzählweise auf. So stellen sich die Kinder ihren nie gesehenen, reichen Nachbarn als einen "Zwerg im Rollstuhl" vor, worauf der antwortet, das sei eine langweilige Fantasie: "Viel interessanter wäre doch ein Neger mit einem Harem weißer Sklavinnen, findet ihr nicht?" Nicht nur rassistisches und diskriminierendes Denken, auch nationalistische Klischees fallen immer wieder auf. "So sind wir russischen Frauen. Erst haben wir Mitleid, und dann verlieben wir uns", klingt doch etwas zu allgemein.

Dass die Autorin ihre 46 Romane in nur 12 Jahren geschrieben hat, erklärt einige der logischen Lücken und auch die oberflächliche Beschreibung ihrer Figuren. Ihr Erfolg ist sicherlich in der Unterhaltungsfunktion begründet: Wohlhabende Heldinnen, deren einziges Problem darin besteht, nicht den Überblick über ihre Hunde, Katzen und Kinder zu verlieren, lenken das vorrangig weibliches Lesepublikum wunderbar von den eigenen Problemen ab.

AVIVA-Fazit: "Den Letzten beißt der Hund" ist leicht verdauliche Lektüre für einen gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa. Für Fans von Hera Lind und Eva Heller und für LeserInnen, die über Klischees gern hinweglesen, wenn sie nur gut unterhalten werden - denn unterhalten kann die Autorin wirklich.

Zur Autorin: Darja Donzowa (eigentlich Agrippina Donzowa) wurde 1952 in Moskau geboren. Sie studierte Journalistik an der Moskauer Lomonossow-Universität, arbeitete zunächst als Übersetzerin und unterrichtete später Französisch und Deutsch. Seit 1998 schreibt sie Kriminalromane, mittlerweile sind es vier Krimi-Reihen. Sie hat bisher 46 Bücher veröffentlicht, von denen insgesamt 72 Millionen Exemplare verkauft wurden. Darja Donzowa wurde dreimal in Russland Schriftstellerin des Jahres. 2002 und 2003 wurde jeweils eines ihrer Bücher als "Bestseller des Jahres" ausgezeichnet. Darja Donzowa moderiert im russischen Radio eine Talkshow und hat im Fernsehen eine Rubrik. Ihre Kriminalromane dienten als Vorlage für Hörspiele und Fernsehserien. Sie lebt mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und ihren Hunden in Moskau. Im Aufbau Taschenbuch Verlag erschienen bisher ihre Romane "Nichts wäscht weißer als der Tod" (2006), "Spiele niemals mit dem Tod" (2007), "Perfekt bis in den Tod" (2007), "Bis dass dein Tod uns scheidet" (2008), "Verlieb dich nie in einen Toten" (2009) und "Vögel, die am Abend singen" (2009). (Verlagsinformationen)

Darja Donzowa
Den Letzten beißt der Hund

Kriminalroman
Broschur, 368 Seiten
Aufbau Taschenbuch Verlag
Erschienen 2010
ISBN: 978-3-7466-2575-1
9,95 Euro

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Literatur Beitrag vom 26.02.2010 Claire Horst 

   




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