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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 03.06.2010

Anna, Lily und Regine – herausgegeben von Antje Leschonski
Claire Horst

Lange Zeit galt es als vollkommen unmöglich, sich mit deutschen Regionen zu beschäftigen. Ein solches Hobby klang nach Heimatkunde, hoffnungslos altmodisch. Spätestens mit der Luisen-Ausstellung...



... in Berlin hat sich das geändert.

Die preußische Königin wurde als Lady Dis Vorgängerin inszeniert, als Königin der Herzen – nur eben in "preußischer" Ausprägung, was auch immer das sein mag. Zumindest steht das Adjektiv nun nicht mehr nur für altdeutsche Tugenden wie Pünktlichkeit, Zucht und Ordnung. Zum Glück, denn die Beschäftigung mit preußischer und brandenburgischer Geschichte kann Hochspannendes zutage fördern, besonders, wenn es um Frauengeschichte geht.

Das beweist der Band "Anna, Lily und Regine". Beginnend im 16. Jahrhundert, stellt das AutorInnenteam um Herausgeberin Antje Leschonski 30 Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen vor. Angefangen mit der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg (1485-1555) bis zur Sozialministerin Regine Hildebrandt (1941-2001) machen die Porträts deutlich, wie groß der Anteil von Frauen am gesellschaftlichen Leben immer war, selbst wenn sie von der offiziellen Geschichtsschreibung kaum wahrgenommen wurden.

Herausgeberin Antje Leschonski hatte ähnliche Bücher über Frauen im Rheinland und in Bayern entdeckt und vermisste einen Band über ihre Heimatregion. Anscheinend ging es anderen ähnlich, denn schnell fanden sich Co-AutorInnen, die Frauenporträts beitragen konnten. Unter den Porträtierten sind bekannte Persönlichkeiten wie die Widerstandskämpferin Libertas Schulze-Boysen, aber auch weniger berühmte wie die Hebamme Justine Siegmund und die Soldatin Eleonore Prochaska.

Wie bei Sammelbänden üblich, sind die Beiträge von unterschiedlicher Qualität. Spannend lesen sich vor allem die Texte über Frauen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, da von ihnen die wenigsten Informationen überliefert sind. Wer weiß schon, dass Kurfürstin Elisabeth eine Freundin von Martin Luther war und für die Reformation kämpfte? Das Porträt von Grete Minde, die als Brandstifterin in Fontanes gleichnamiger Novelle auftaucht, verrät ebenfalls unbekannte Hintergründe. Dass das erste deutschsprachige Lehrbuch der Gynäkologie von einer Frau stammt, zeigt das Porträt von Justine Siegmund.

Es sind Schriftstellerinnen und Gelehrte, Frauenrechtlerinnen, Arbeiterführerinnen und Kirchenfrauen, die der Band vorstellt. Die einzige Frau, bei der sich die Frage stellt, wie sie in dieses Buch gefunden hat, ist Therese von Kusserow (1845-1912). Pfarrerin Christina-Maria Bammel präsentiert sie als eine Frau, die "der Liebe ihres Herzens zu folgen verstand". Zu gönnen ist Kusserow ihre Liebe, die Leistungen der anderen Frauen beeindrucken dennoch mehr, vor allem, da sie es wagten, den "typisch weiblichen" Bereich der Gefühle zu verlassen.

Etwas bedauerlich für Nicht-TheologInnen ist die Konzentration auf Frauen der Kirchengeschichte - die Herausgeberin ist Mitbegründerin des Brandenburger Kirchensommers und hat zahlreiche TheologInnen als AutorInnen gewonnen. Die porträtierten Frauen sind zwar durchaus interessant, ein breiter gefasster Rahmen hätte aber die Möglichkeit geboten, mehr ungewöhnliche Frauen wie die Pilotin Melli Beese vorzustellen.

Das Buch enthält Porträts von:
Elisabeth Kurfürstin von Brandenburg, Anna Götzen, Grete Minde, Justine Siegmund, Anna Dorothea Therbusch, Anna Karsch, Frau von Friedland, Caroline de la Motte-Fouqué, Eleonore Prochaska, Luise Hensel, Clara Hoffbauer, Minna Cauer, Therese von Kusserow, Emma Ihrer, Auguste Viktoria, Käthe Pietschker, Johanna Beckmann, Anna Gottberg, Lily Braun, Amelie Hedwig Beese, Renate von Hardenberg, Marjana Domaškojc/Marianne Domaschke, Gertrud Kolmar, Libertas Schulze-Boysen, Kira von Preußen, Hedwig Bollhagen, Erna Roder, Ingeborg-Maria von Werthern, Maxie Wander, Regine Hildebrandt.

AVIVA-Tipp: "Anna, Lily und Regine" liest sich unterhaltsam und eignet sich wunderbar als Lesebuch zur Geschichte der Region Brandenburg. Die Porträts machen neugierig auf die vorgestellten Frauen und regen dazu an, sich eingehender mit ihnen zu beschäftigen.

Zu der Autorin/Herausgeberin: Antje Leschonski ist gelernte Buchhändlerin und Mitgründerin der Initiative "Dorfkirchensommer in Brandenburg". Als Herausgeberin mehrerer Bände zur brandenburgischen Kulturgeschichte widmet sie sich der Kirchen- und Denkmalgeschichte Brandenburgs. Zuletzt erschien ihr Band Engel, Fisch und falsche Bärte. Bilder und Geschichten aus märkischen Kirchen (Berlin 2008).

Antje Leschonski
Anna, Lily und Regine. 30 Frauenporträts aus Brandenburg-Preußen

Verlag für Berlin-Brandenburg, erschienen 2010
180 Seiten, 29 Abbildungen
Hardcover, Format: 14,3 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-86650-352-6
14,90 Euro

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Literatur Beitrag vom 03.06.2010 Claire Horst 

   




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