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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.06.2010

Maren Gottschalk - Die Farben meiner Seele. Die Lebensgeschichte der Frida Kahlo
Evelyn Gaida

Pop-Ikone, Mythos, "Postergirl des Feminismus", "Malerin der Schmerzen": Die Liste der Attribute Frida Kahlos ist lang und wird kontrovers diskutiert. Wer war die Frau und K├╝nstlerin, ...



... die sich dahinter verbirgt?

Der Historikerin und Politologin Maren Gottschalk gelingt es in ihrer Kahlo-Biographie f├╝r junge LeserInnen, sich in schlicht gehaltener Sprache auf Wesentliches zu konzentrieren, zur├╝ckhaltend zu erz├Ąhlen - und gleichzeitig die Vielschichtigkeit und Widerspr├╝che in Leben und Pers├Ânlichkeit der ber├╝hmten Malerin klar herauszuarbeiten.

Der besondere Reiz

Ihre Herangehensweise grenzt die Autorin gleich zu Beginn deutlich vom Kult um Frida Kahlo ab: Der besondere Reiz der K├╝nstlerin liege in einem "Zusammentreffen von Gegens├Ątzen", so Gottschalk im 1. Kapitel "Fridaman├şa". Die gel├Ąufige Stilisierung der Malerin zu einer heroischen Personifikation des Lebenswillens schlechthin bleibt ebenfalls aus, ohne Kahlos Energie und Willensst├Ąrke damit Abbruch zu tun. Ersch├╝tterndes Leid, Verzweiflung und die Entschlossenheit, ihnen die Stirn zu bieten, stehen gleichwertig nebeneinander. Ebenso treten neben Kahlos sprichw├Ârtlichem Freiheitsdrang und unkonventionellem Eigensinn in dieser Biographie auch ihre Zerbrechlichkeit, ihre Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit entscheidend hervor. Maren Gottschalk hat umfassend recherchiert und l├Ąsst die Malerin in Brief- und Tagebuchzitaten h├Ąufig selbst zu Wort kommen.

Wichtige Stationen im Leben der K├╝nstlerin werden mit einer sehr gerafften Werkschau und einflie├čenden Kurzinformationen zum zeitgeschichtlichen Hintergrund verwoben. Bilder und Szenen eines leidenschaftlich beschrittenen Lebensweges ziehen in einfachen Grundfarben und -elementen lebendig am inneren Auge der LeserInnen vorbei, der Phantasie bleibt viel Raum. Dennoch fehlt es der bewusst zur├╝ckgenommenen und distanzierten Erz├Ąhlhaltung nicht an Eindringlichkeit.

├ťberlebende und Malerin

"Ich bin in meinem Leben von zwei gro├čen Unf├Ąllen betroffen worden. Der eine geschah, als ich von einer Stra├čenbahn ├╝berfahren wurde, der andere ist Diego." Urspr├╝nglich wollte Frida Kahlo Medizin studieren und wartete als 18-J├Ąhrige begierig darauf, das Leben in allen Facetten auszukosten, dem Elternhaus und der Konvention zu entrinnen. "Doch es sollte anders kommen." Eine Eisenstange durchbohrte den K├Ârper der Sch├╝lerin beim Zusammensto├č von einem Bus und einer Stra├čenbahn. Sie wurde nicht ├ärztin, sondern seit diesem Unfall im Jahr 1925 immer wieder Patientin mit einem schwer besch├Ądigten R├╝ckgrat und einem zerquetschten, sp├Ąter verwachsenen Fu├č. Kahlo musste insgesamt 40 Operationen ├╝ber sich ergehen lassen und erlitt drei Fehlgeburten, um nur einige der (Sp├Ąt-)Folgen zu nennen. Und sie wurde Malerin. Bereits w├Ąhrend der ersten monatelangen Bettl├Ągerigkeit im Gipskorsett wandte sie sich der Kunst zu. Ihr k├╝nstlerisches Schaffen verlieh fortan sowohl ihren k├Ârperlichen und seelischen Schmerzen Ausdruck, als auch ihrem Lebenshunger, ihrer Liebe zur Natur und zu ihrer mexikanischen Heimat.

Die Verbergungsk├╝nstlerin

Der Dualismus in Leben, Werk und Pers├Ânlichkeit der K├╝nstlerin zieht sich als leitende Struktur durch das Buch. Er wirkt jedoch an keiner Stelle wie ein von der Autorin aufgezwungenes Korsett, sondern angesichts der popul├Ąren Mythisierung, Banalisierung oder Vereinnahmung Kahlos wie eine Befreiung.
Die Malerin inszenierte sich selbst meisterhaft. Ende der 1920er Jahre tauschte sie "ihre geliebten Herrenanz├╝ge, die Lederjacke und die Arbeiterkluft mit der Tracht der Indianerin" aus dem S├╝den Mexikos, um ihre innige Verbundenheit mit der Kultur des alten Mexiko und dem mexikanischen Volk hervorzuheben. Sie verstr├Âme die Aura einer aztekischen G├Âttin, schrieb der Schriftsteller Carlos Fuentes. Auf diese Weise konnte die Verbergungsk├╝nstlerin verschiedene Rollen ausprobieren und sich durch eine Maske sch├╝tzen, "denn sie lenkt ab vom Schmerz, vom Kr├╝ppel-Dasein, von der Zerst├Ârung", so Gottschalk. Auch auf Kahlos Bildern - fast ein Drittel der etwa 150 Gem├Ąlde sind Selbstportr├Ąts - bleibt ihr Gesichtsausdruck trotz der sonst expressiven und teils brutalen Symbolik zumeist ikonisch r├Ątselhaft und entr├╝ckt.

Die Liebe ihres Lebens

Diego Rivera, der erfolgreiche, 21 Jahre ├Ąltere Maler war die Liebe ihres Lebens und der zweite verheerende "Unfall". Obwohl Rivera auch "fanatischer Bewunderer" und F├Ârderer ihrer Malerei war, stellte Kahlo ihr k├╝nstlerisches Schaffen gegen├╝ber der Ehe mit ihm zur├╝ck und wurde lange Zeit als eigenst├Ąndige K├╝nstlerin nicht ernst genommen. Davon beeinflusst war Kahlos Einsch├Ątzung ihrer Kunst starken Schwankungen unterworfen: Auf die Frage eines Journalisten, ob sie auch Malerin sei, antwortete sie provokant, sie sei "die gr├Â├čte der Welt", z├Âgerte andererseits, Bilder auszustellen, da die meisten Leute sie f├╝r "zu verr├╝ckt" halten w├╝rden und glaubte zeitweise, niemand w├╝rde ihre Gem├Ąlde haben wollen. Vom Surrealismus grenzte sie sich dagegen mit unbeirrbar selbstbewusstem Sarkasmus ab: "Ich hatte keine Ahnung, dass ich surrealistisch male, bevor Andr├ę Breton nach Mexiko kam und es mir sagte. Das Einzige, was ich wei├č, ist, dass ich male, weil ich muss...". Sie habe niemals Tr├Ąume gemalt, ├Ąu├čerte Kahlo: "Was ich dargestellt habe, war meine Wirklichkeit."

Von Diego Rivera konnte die K├╝nstlerin sich lebenslang nicht l├Âsen, obwohl er ihr durch seine Unf├Ąhigkeit zur Treue H├Âllenqualen zuf├╝gte. Nachdem er sie mit ihrer Lieblingsschwester betrogen hatte, schuf sie eines ihrer grausamsten Gem├Ąlde: "Ein paar kleine Dolchstiche" (1935). Es zeigt eine blut├╝berstr├Âmte, nackte Frau und ihren M├Ârder. Andr├ę Breton bezeichnete Kahlos Malerei als "farbiges Band um eine Bombe". Mehrere Trennungen, zwei Scheidungen von Rivera und eigene Aff├Ąren konnten die tiefe, sehns├╝chtige Bindung an ihren Mann nicht ausl├Âschen. "Liebe mich ein kleines bisschen. Ich bete dich an", schrieb Kahlo nach der ersten Trennung an ihn.

Frida Kahlo blendete in ihrem unbestechlichen Ausdrucksverm├Âgen auch die eigene, allzu menschliche Bed├╝rftigkeit und Verletzlichkeit nicht aus, sondern schloss sie als elementare Grunderfahrung in die Ganzheit ihres Daseins und Schaffens mit ein. Das l├Ąsst Gottschalk in "Die Farben meiner Seele" als besondere Kraft der K├╝nstlerin deutlich werden.

AVIVA-Tipp: "Die Farben meiner Seele" bewahrt eine ruhige und gleichm├Ą├čige Distanz auch zu den dramatischen und heftigen Aspekten von Leben, Werk und Charakter Frida Kahlos. Der Malerin wird so unaufdringlich Raum gegeben, f├╝r sich selbst zu stehen und in sehr unterschiedlichen Facetten zur Geltung zu kommen. Gerade durch diese Zur├╝ckhaltung erzeugt Gottschalks Darstellung N├Ąhe: Anstelle des Mythos┬┤ Frida Kahlo tritt der Mensch in den Vordergrund. Das Buch ist besonders auch im Hinblick auf die gro├če Frida Kahlo Retrospektive, die der Berliner Martin-Gropius-Bau im Jahr 2010 beherbergte, als sensible Heranf├╝hrung an Person und ┼ĺuvre der K├╝nstlerin nicht nur f├╝r junge LeserInnen sehr empfehlenswert.

Zur Autorin: Maren Gottschalk wurde 1962 in Leverkusen geboren. Nach dem Abitur studierte sie in M├╝nchen Geschichte und Politik. W├Ąhrend der Promotion in Mittelalterlicher Geschichte entschied sie sich daf├╝r, nicht nur zu forschen, sondern ihre Begeisterung f├╝r Geschichte auch weiterzugeben.
Sie zog zur├╝ck ins Rheinland und begann, f├╝r den Westdeutschen Rundfunk zu arbeiten. Seit 14 Jahren schreibt und spricht sie dort Radiosendungen ├╝ber Geschichte, Kultur und Wissenschaft. F├╝r die Sendung WDR-Zeitzeichen verwandelt sie historische Fakten in lebendige Geschichten, egal, ob es um ber├╝hmte Pers├Ânlichkeiten oder namenlose Dienstm├Ądchen geht.
Diese F├Ąhigkeit setzt sie auch bei ihrer schriftstellerischen Arbeit ein. Bei Beltz & Gelberg ver├Âffentlichte sie zuletzt die vielfach ger├╝hmten Biographien "Der gesch├Ąrfte Blick. Sieben Journalistinnen und ihre Lebensgeschichte" sowie "Die Morgenr├Âte unserer Freiheit. Die Lebensgeschichte des Nelson Mandela" und "Es brennt das Leben. Die Lebensgeschichte des Pablo Neruda".
Neben ihrer T├Ątigkeit als Journalistin und Autorin bietet Maren Gottschalk auch Kreativ-Workshops und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen an.
Die Autorin lebt mit ihren drei Kindern in Leverkusen.
(Quelle: Beltz & Gelberg Verlag)

Maren Gottschalk
Die Farben meiner Seele. Die Lebensgeschichte der Frida Kahlo

Beltz & Gelberg Verlag, erschienen 2009
Hardcover, 224 Seiten
ISBN 978-3-407-81060-1
16,95 Euro
Ab 14 Jahre

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.beltz.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

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Literatur Beitrag vom 07.06.2010 Evelyn Gaida 

   




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