Melda Akbas - So wie ich will. Mein Leben zwischen Moschee und Minirock - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.07.2010

Melda Akbas - So wie ich will. Mein Leben zwischen Moschee und Minirock
Undine Zimmer

Sch├╝lersprecherIn zu werden, birgt keine Karrierechancen? Weit gefehlt! Die Abiturientin Melda Akbas erz├Ąhlt in ihrem Buch, was eine Deutsch-T├╝rkin zwischen deutschem Schulalltag und t├╝rkischem...



... Familienleben besch├Ąftigt, und dass sie fr├╝h lernen musste, ihren Platz zwischen den St├╝hlen zu finden.

Kulturen sind manchmal wie R├Ąume

Der postkoloniale Identit├Ątsforscher Homi Bhabha hat die Situation, in der Melda sich befindet, als den "Dritten Raum" bezeichnet und meint damit die selektive Aneignung bestimmter F├Ąhigkeiten und Sichtweisen aus unterschiedlichen kulturellen R├Ąumen, aus der etwas Neues entsteht. Anschaulich beschreibt Melda, wie in ihrem Leben zwei kulturelle Identit├Ąten miteinander verhandeln und sich st├Ąndig in die Quere kommen. Um sich nicht st├Ąndig rechtfertigen zu m├╝ssen, setzt Melda ihre eigenen Ma├čst├Ąbe. Zum Beispiel dann, wenn sie gerne sp├Ąt nach Hause kommt und gerne in Bars geht. Das klingt dann so: "Muslime d├╝rfen eigentlich keinen Alkohol trinken. Eine b├Âse S├╝nde. Man verunreinigt den K├Ârper und verliert die Kontrolle ├╝ber sich. Wei├č ich alles. Doch was soll man sonst in einer Bar anstellen?"

Was ist denn eigentlich ┬┤t├╝rkisch┬┤?

Melda verst├Â├čt mit Handlungen, die sie als ihre Freiheiten versteht, gleichzeitig gegen einen anderen Teil ihrer Identit├Ąt: Sie ist Muslimin, sie ist Tochter eines t├╝rkischen Einwandererpaares, sie ist eine engagierte Sch├╝lerin und sie ist jung und lebensfroh. Das bedeutet, dass sich Melda nicht nur in st├Ąndiger Verhandlung mit ihrer Umwelt, sondern auch mit sich selbst befindet. Von ihrer deutschen Umwelt wird sie als T├╝rkin wahrgenommen, dazu geh├Âren auch Diskriminierungserfahrungen auf dem Spielplatz oder auf dem Amt. Aber auch in t├╝rkischen Kontexten findet sie sich mitunter in einer Au├čenseiterposition und st├Â├čt auf Kommunikationsschwierigkeiten in der Schule, in der Moschee oder auf der Stra├če. Melda weigert sich bewusst eine Identit├Ąt zu w├Ąhlen. Sie bleibt beides, T├╝rkin und Deutsche, das Ergebnis dieser Mischung ist sie selbst: Melda Akbas. Dabei gibt sie uns zu verstehen, dass es schon lange gar nicht mehr m├Âglich ist, klare Zuordnungskriterien f├╝r eine der beiden Seiten aufzustellen.

Wer wagt, gewinnt

Zum Gl├╝ck hat Melda Mut und Verstand. Sie hat erkannt, dass ihr nur die Freiheiten zugestanden werden, die sie sich nimmt. Das hei├čt aber auch, dass sie f├╝r jede ihrer Freiheiten ein Risiko eingeht: Von ihrer eigenen Familie ausgeschlossen zu werden. Diesen Druck versp├╝rt sie besonders stark, als sie von einer Agentur das Angebot bekommt, ihre Biographie zu verfassen. Ihr Leben in einem Buch zu beschreiben, das jeder - auch ihre Eltern - lesen kann, bedeutet, dass sie alle ihre Tricks verr├Ąt (Minirock wird in der Tasche aus dem Haus geschmuggelt und erst vor der Party angelegt) und ihre Geheimnisse (Melda hat schon einen Jungen gek├╝sst, trinkt Alkohol und hat heimlich mit Hilfe ihres Bruders eine rauschende Geburtstagsparty gefeiert) aufdeckt.

Wir, die op├Ąische/ europ├Ąisch-sozialisierten LeserInnen sind nat├╝rlich stolz auf Melda. Sie reflektiert ihre Handlungen und ist eine optimistische, lernfreudige, engagierte junge Frau und k├Ânnte f├╝r jede/n Sch├╝lerIn als Musterbeispiel gelten. Viele Konflikte, die sie t├Ąglich verhandeln muss, scheinen wie gegl├╝ckte Streiche, die im Grunde genommen harmlos sind. Wer genau liest, erkennt jedoch, dass dieses Versteckspiel auch seinen Preis hat: K├Ârperlich kommt unsere Heldin n├Ąmlich an ihre Grenzen. Nervenzusammenbr├╝che und Burn-out Syndrome sind Ph├Ąnomene, von denen 18-j├Ąhrige Sch├╝lerInnen verschont beleiben sollten. Melda ist sicherlich nicht die einzige Sch├╝lerIn, die damit zu k├Ąmpfen hatte.

Locker versucht Melda in Interviews zu ├╝berspielen, dass ihr Vater sich seit Erscheinen des Buches nicht dazu ge├Ąu├čert hat. Der gr├Â├čte Erfolg des Buches ist sicherlich ihr pers├Ânlicher: Sie ist sich treu und die Tochter ihrer Eltern geblieben. Mit "So wie ich will" richtet Melda ihre Botschaft vor allem an die Deutsch-T├╝rkInnen ihrer eigenen Generation: Wenn ich dieses Risiko eingegangen bin, dann k├Ânnt ihr das auch. In Meldas Worten hei├čt es: "(...) und Liebe f├Ąngt lange vor der Hochzeit an, das ist nun mal so."


AVIVA-Tipp: Unterhaltsam, anschaulich und mit einer geh├Ârigen Portion pragmatischer Selbstironie beschreibt Melda Akbas, wie sie in ihrem Alltag ihre Familie, ihre Tr├Ąume und die Schule unter einen Hut bringt. In ihrer ganz pers├Ânlichen Geschichte spricht sie viele Themen und Probleme an, die nicht nur f├╝r Jugendliche mit Migrationshintergrund in Berlin relevant sein d├╝rften. "So wie ich will" l├Ąsst ahnen, dass Berliner PolitikerInnen den Dialog mit den jungen Menschen Berlins in den sogenannten "Problembezirken" umso mehr suchen sollten. Denn auch wenn Melda bewusst ist, dass sie eine Ausnahme ist - vielleicht gibt es ja noch mehr "Meldas" zu entdecken. Ihnen sollte frau/man aufmerksam zuh├Âren.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Lesen Sie auch unser Interview mit Melda Akbas.

Melda Akbas
So wie ich will. Mein Leben zwischen Moschee und Minirock

C. Bertelsmann, erschienen Mai 2010
Broschiert, 172 Seiten
ISBN: 978-3-570-10043-1
14,95 Euro

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Literatur Beitrag vom 06.07.2010 Undine Zimmer 

   




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