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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.07.2010

Christa Wolf - Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud
Miriam Hutter

Wie schon in ihrem Buch "Mit anderem Blick" greift Christa Wolf in ihrem neuen Roman die Zeit am Getty Center in Santa Monica auf. Zusammen mit anderen KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen hatte..



...sie dort in den frühen 1990er Jahren ein Dreivierteljahr als Stipendiatin verbracht.

Auch wenn Wolf ausdrücklich darauf hinweist, dass es sich bei "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud" um erfundene Personen und Erlebnisse handele, lässt sich doch deutlich der autobiographische Hintergrund herauslesen, der dieser Prosa zugrunde liegt.
Ähnlich wie in ihren Werken "Mit anderem Blick" und "Kindheitsmuster" finden sich in ihrem neuem Buch verschiedene Erzählebenen, die miteinander verflochten werden.

Die Ich-Erzählerin schildert aus einer heutigen Perspektive ihre Erfahrungen, die sie kurz nach dem Mauerfall in Los Angeles gemacht hat.
Die Erinnerungen an ihren Aufenthalt in den USA erzählen von einer Annäherung an dieses ihr durchaus fremde Land, von der sie in kleinen Episoden berichtet. Dabei wird gerade ihre persönliche Begegnung mit unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten für die LeserInnen erfahrbar gemacht. Diese reicht von dem scheinbar unbeschwerten Leben der jungen internationalen BewohnerInnen L.A.´s, wie auch ihren MitbewohnerInnen im "CENTER" bis zu den Erfahrungen jüdischer EmigrantInnen der ersten und zweiten Generation und ihrer eigenen Geschichte als Deutsche.

Diese Erfahrungen sind eng verknüpft mit einer Gedankenreise in die eigene Vergangenheit, die verarbeitet werden will. Die Erinnerungen der Erzählerin an ihre Zeit in der DDR sind teilweise trügerisch, was sie ihnen vorhält, wieder und wieder. Immerzu dient ihr dabei das Aufschreiben als Mittel sich "richtig" zu erinnern, die Erinnerungen nicht durch den Zeitverschleiß verfälschen zu lassen. Denn muss sie nicht den Wahrheitsgehalt ihrer eigenen Erinnerungen hinterfragen, wenn ihr das Gedächtnis in Bezug auf ihre (harmlose) Stasi-Mitarbeit versagt? Für diese Tätigkeit wurde Wolf nach Bekanntwerden scharf kritisiert.
Dass die Erinnerungsreise in die Vergangenheit für die Erzählerin bedeutet, einer "Spur der Schmerzen" nachzugehen, wird schon auf den ersten Seiten deutlich. Tief versunken in ihre Erinnerungen an ihre DDR-Zeit wie in ein Selbstgespräch, wird die Ich-Erzählerin zum Du.

Und in manchen Momenten in der "Stadt der Engel" ist dann doch, unverhofft, alles ganz einfach: ein Sonnenuntergang, der durch seine Schönheit der Erzählerin die Sprache verschlägt, der leckere Margarita, die Verbundenheit, die immer wieder entstehen kann in der Begegnung mit anderen Menschen. Es ist ein Erstaunen darüber, dass die schönen Momente allem zum Trotz weiterhin möglich sind.

Christa Wolfs neues Buch ist ein Gewebe aus Erinnerungen, Träumen, Reflektionen, Gedanken, Begegnungen, Gesprächen, Zitaten, Liedertexten, Briefen, mit dem es der Autorin gelingt, der Komplexität der Wirklichkeit, die sich ja so schwer nur im linear angelegten Schreiben fassen lässt, sehr nahe zu kommen. Einem Rhizom gleichend, das die verschiedenen Sequenzen, die dieses Buch ausmachen, gleichwertig nebeneinander stehen lässt, ragen jedoch einige längere Erzählfäden heraus, die vor allem um ihr eigenes Deutsch-Sein kreisen.

AVIVA-Tipp: "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud" ist eine groß angelegte Erzählung von Wolfs eigener Geschichte, die durch ihre Authentizität berührt. Der Erzählerin kommt frau damit teilweise sehr nahe und meint manchmal sie vor sich zu sehen, Madame Wolf, wie sie sich durch L.A. bewegt, den Menschen dort begegnet. Ein Zitat von Doctorow ist dem Roman vorangestellt: "Die wirkliche Konsistenz von gelebtem Leben kann kein Schriftsteller wiedergeben." Christa Wolf gelingt das mit ihrem neuen Buch gar nicht so schlecht.

Zur Autorin: Christa Wolf, geboren 1929 in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski), lebt heute mit ihrem Mann in Berlin und Woserin, Mecklenburg-Vorpommern. Sie zählt zu den bedeutendsten deutschen SchriftstellerInnen der Gegenwart. Wichtige Bücher sind "Nachdenken über Christa T. ", "Kassandra", "Ein Tag im Jahr", "Was bleibt" u.a.
Ihr Werk wurde in sämtliche Weltsprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Georg-Büchner-Preis.

Christa Wolf
Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud

Suhrkamp Verlag, erschienen im Juni 2010
Gebunden, 416 Seiten
ISBN-978-3518420508
24, 80 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Ein Tag im Jahr 1960 – 2000" von Christa Wolf


Literatur Beitrag vom 06.07.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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