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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.07.2010

Regina Maria Anzensberger - West
Marie Heidingsfelder

Go West, where the skies are blue - Regina Maria Anzenberger begibt sich auf die Suche nach der "westlichen Idee" und zeigt sie als Simulacrum, zwischen konstruktiver Phantasie und falschem Schein



Der ├äquator teilt die Erde in Nord und S├╝d, der Nullmeridian teilt sie in Ost und West. Er l├Ąuft durch das englische Greenwich und ist - im Gegensatz zu seinem horizontalen Pendant - v├Âllig willk├╝rlich. Wo und wie Orient und Okzident aufeinander sto├čen, ist eine Frage der Grenzziehung - sei es auf internationaler, nationaler oder auch pers├Ânlicher Ebene. Und doch ist es gerade diese Dichotomie, die unsere Vorstellung der modernen Welt in zwei sauber getrennte Bereiche schneidet. Obwohl die gesteigerte Mobilit├Ąt Entfernungen zusammenschrumpft, die Politik immer internationaler wird und die Weltwirtschaft die nationalen M├Ąrkte bestimmt, obwohl also die tats├Ąchlichen Grenzen im Zuge der Globalisierung verschwimmen, ist die Faszination f├╝r "den Anderen" ungebrochen: Fern-Ost und wilder Westen.
Die Erforschung dieses Spannungsfeldes hat Regina Maria Anzenberger bereits in ihrem Bildband "East" begonnen - mit "West" folgt nun die logische Fortsetzung der Identit├Ątssuche unter der Frage, ob der Westen nur noch ein Traum ist. Sechzehn FotografInnen begeben sich auf die Suche nach der westlichen Identit├Ąt und ihren traumhaften Repr├Ąsentationen auf beiden Seiten des Meridians.

Westen, das ist eine junge Frau im - bis auf die glitzernden Pailletten anachronistischen - Westernoutfit, die im dritten Jahrtausend f├╝r den Traum von Freiheit und Abenteuer posiert. Westen, das ist die verstaatlichte, architektonisch perfekt konstruierte Autorit├Ąt moderner Gef├Ąngnisse. Westen, das ist die morgendliche Denaturalisierung von der Bett- zur Tageslicht-Variante. Westen, das ist die imperative Verschr├Ąnkung von Zeit und Geld. Auf der anderen Seite, im Osten, ist Westen die Indoor-Skihalle in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Und die Kulisse des Eiffelturms f├╝r Hochzeitsphotos in Shenzhen. Und der vage Traum eines besseren Lebens, den die Rallye Paris-Dakar allj├Ąhrlich nach Nordafrika bringt - Regina Maria Anzensbergers Katalog enttarnt den Westen als Mosaik von Westlichkeiten, das schon lange keinen geografischen Mustern mehr folgt.

Die sechzehn Fotoserien stammen von Annet van der Voort, Arabella Schwarzkopf, Gianmaria Gava, Horst Friedrichs, Lauren Hermele, Mauro Bottaro, Paolo Woods, Philipp Horak, Reiner Riedler, Richard Ross, Robert Haidinger, Simone Casetta, Stuart Isett, Toni Anzenberger, Ulrich Eigner und Yadid Levy - diesen K├╝nstlerInnen auf ihrer Spurensuche zu folgen, macht zweifellos Spa├č: Nicht nur der Ideen, sondern auch der Qualit├Ąt der Aufnahmen wegen, die immer wieder Momente einfangen, in denen sich Westlichkeit verdichtet. Was das Layout angeht, ist es dem Kehrer-Verlag ein weiteres Mal gelungen, dem Inhalt ein grandioses Format zu geben: Gro├čformatige Fotos, ein silbergl├Ąnzendes Cover und Seiten, die beim Bl├Ąttern nicht zusammenfallen. Der R├╝cken des "Riesentaschenbuchs" ist nicht kaschiert und nur mit einer kleinen "WEST" Banderole beklebt.
Neben der Einleitung von Regina Maria Anzenberger und den Biografien der K├╝nstlerInnen steht den Fotoserien ein Essay von Corinna Milborn voran, in dem sie einige der Fotoserien aufgreift und so ihre Vorstellung des Westens als Simulacrum vorstellt:
"Der Westen hat sich seine eigenen Fakes geschaffen, in denen er sich die Welt baut, wie er sie aus den eigenen Filmen kennt. In Disneyland rei├čen die Figuren aus dem Sonntags-Cartoon die Karten ab. Vor dem Kreml in der T├╝rkei fliegt Superman ├╝ber den Pool, den Karibikstrand findet man in einem Zelt in der trostlosen Ebene Brandenburgs und die Alpen stehen in Hallen sowohl in Dubai als auch im Ruhrpott - Skipiste inklusive. An den Kanten der Au├čenw├Ąnde kommt hinter den aufgemalten Wolken der Beton zum Vorschein. (...) So h├Ąlt sich der Westen aufrecht: als Illusion seiner selbst."

AVIVA-Tipp: Die B├Ąnde "West" und "East" sind eine inhaltlich und ├Ąsthetisch au├čerordentlich gelungene Ann├Ąherung an eine weltweite Identit├Ątskrise. Ein Buch, das zu beidem einl├Ądt: Zum Bl├Ąttern und Kopfzerbrechen, zum Zerstreuen und Verorten.

Zur Herausgeberin: Regina Maria Anzenberger wurde in Wien geboren und arbeitet dort als Malerin, Gr├╝nderin und Gesch├Ąftsf├╝hrerin ihrer 1989 gegr├╝ndeten Agentur. Ihre Liebe zur Fotografie wurde durch ihre T├Ątigkeit als leitende Bildredakteurin bei einer Reihe ├Âsterreichischer Magazine in den Jahren vor der Selbstst├Ąndigkeit gepr├Ągt. Seit 2002 kuratiert sie au├čerdem regelm├Ą├čig internationale Ausstellungen. Weitere Informationen zu Regina Maria Anzenberger und ihrer Agentur finden Sie unter: www.anzenberger.com

West
Kehrer Verlag, September 2010
Sprache: Deutsch und Englisch
Taschenbuch, 272 Seiten mit 179 Farbabbildungen
ISBN 978-3-86828-067-8
57,40 Euro


Literatur Beitrag vom 14.07.2010 Marie Heidingsfelder 

   




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