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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 22.07.2010

Sarah Schmidt - Bad Dates
Marie Heidingsfelder

Beim ersten Blick auf das Buch klingt Sarah Schmidt zwar genau so spannend wie Martina Musterfrau, doch wer es schafft, 32 Erzählungen auf 164 Seiten unterzubringen, kann sich keine Längen leisten



Seit mehr als dreißig Jahren lebt Sarah Schmidt in Berlin, Zeit genug für viele schlechte Dates - doch die Ansammlung misslungener Begegnungen ist keinesfalls die literarische Verarbeitung einer lang gehegten Großstadtdepression, sondern eine heimliche Liebeserklärung der Wahlkreuzbergerin an ihr Lebensgefühl zwischen zu kalten Wintern und zu heißen Sommern.

Im Schnitt braucht die Autorin gut fünf Seiten, um das einzufangen, was ein schlechtes Date ausmacht: Die falsche Zeit, der falsche Ort, die falschen Personen, der Frust und die tragische Komik der Situation. Hier zeigt sich die Qualität einer Autorin, die seit fünfzehn Jahren auf Lesebühnen in Berlin unterwegs ist: Schnelle, messerscharfe Situationsanalysen, ein ebenso knapper wie unverschämter Stil und die Fähigkeit, Pointen zu setzen. Das macht Spaß, besonders weil die Ich-Perspektive den Erzählungen eine hohe Glaubwürdigkeit verleiht. Wie ein unsichtbarer Schatten kann man Sarah Schmidt auf ihren Streifzügen durch Berlin folgen, die Welt durch ihre Augen sehen, selbst Erlebtes wieder wiederfinden, erfundene Figuren plötzlich leibhaftig in der U-Bahn sehen und aus der sicheren Perspektive der gerade nicht selbst Betroffenen schadenfroh lachen - sei es mit oder über die Autorin.

"Ich bin zu einer Gartenparty eingeladen. Meine Schwestern sind auch da. Alle! Lustig sind Schwestern schon, da hat Irina selbstredend recht, doch Lustigkeit ist nicht alles, was eine Schwesternschaft ausmacht. Wenn beispielsweise meine Familie zusammenkommt, gibt es im Großen und Ganzen ziemlich genau zwei Möglichkeiten, wie solch ein Abend verlaufen kann. Entweder schließen drei Schwestern ein spontanes Bündnis gegen die vierte. ´Mensch Sabine, du siehst aber schlecht aus heute Abend´, sagt man dann und wartet ab, ob jemand drauf einsteigt. Wer das Opfer wird, beschließt der Rest der Schwestern in Sekundenbruchteilen. Die zweite Schmidt-Schwestern-Möglichkeit besteht darin, dass sich alle schnell und zielgerichtet betrinken, um anschließend laut und peinlich zu werden."

So grausam und erfrischend ehrlich ist die Wirklichkeit, die Sarah Schmidt ihren LeserInnen offenbart. Zwischen Kindheitstraumata, schlimmen Pubertätserinnerungen, betrunkenen Männern, besorgten Handwerkern, einem fast erwachsenen Sohn, gefährlichen und ungefährlichen Liebschaften zieht Sarah Schmidt durch die Straßen von drei Jahrzehnten Berlin. Sie berichtet, analysiert und beurteilt ohne Blatt vor dem Mund und mit viel schwarzem Humor, was sie tut und was ihr geschieht - und beschert ihren LeserInnen so ein herrlich unkorrektes Lesevergnügen. Wer Blut geleckt hat und Sarah Schmidt live erleben möchte, kann dies jeden Sonntag um 13 Uhr im Schlot beim Frühschoppen tun, auf Berlins ältester Lesebühne. Den übrigen bleiben schöne Stunden mit schlechten Verabredungen.

AVIVA-Tipp: "Bad Dates" ist das perfekte Buch, um nachts mit den öffentlichen Berliner Verkehrsmitteln unterwegs zu sein: Es schützt davor, angesprochen zu werden, macht Spaß, hindert am Einschlafen - und vor allem zählen die Umgebung und die nächtlichen Gestalten als Film zum Buch.

Zur Autorin: Sarah Schmidt wurde 1965 in Dinslaken, als fünftes Kind und vierte Tochter geboren. 1976 emigrierte sie mit elf Jahren mitsamt der Familie nach Westberlin und ging dort durch die harte Schule von Schmargendorf, Schöneberg, und Neukölln. 1981 zog die ehemalige Hausbesetzerin aus Überzeugung nach Kreuzberg, wurde mit 19 von einem 17jährigen schwanger und bekam einen Sohn. Sie schreibt seit 1994 und ist seit 1995 Stammmitglied im "Frühschoppen" - lange Zeit als einzige Frau auf Berlins Lesebühnen. Neben ihren Veröffentlichungen im Verbrecher Verlag schreibt sie unter anderem Salbader, TAZ, Zitty und den Tagesspiegel, zudem Fernseh-Drehbücher und ein Stück über Billy Holiday. Alle drei Wochen erscheint ihre Kolumne "Sarah BSC" über ihre geliebte Hertha auf der Seite "Leibesübungen" in der TAZ. "Bad Dates" ist nach "Dann machen wir´s uns eben selbst" (2004) ihr zweiter Roman. Weitere Infos und Kontakt unter: sarah-schmidt.de und www.verbrecherverlag.de

Sarah Schmidt
Bad Dates

Verbrecher Verlag, 2. Auflage 2010
Taschenbuch, 164 Seiten
ISBN: 978-3935843959
12 Euro
www.verbrecherei.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Dann machen wir´s uns eben selbst, der Debütroman von Sarah Schmidt

Literatur Beitrag vom 22.07.2010 Marie Heidingsfelder 

   




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