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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 27.07.2010

Becoming intense - becoming animal - becoming...
Marie Heidingsfelder

Geschlecht, Sexualität und Körper in einer transkulturellen Welt - Elf Arbeiten aus Asien und Europa, die sich mit identitären Grenzen beschäftigen, sie erweitern und tradierte Schranken brechen.



In der klassischen Physik ist ein Körper etwas, das Masse hat und Raum einnimmt. Jenseits dieser wissenschaftlichen Definition zeigt der Kehrer-Verlag elf Auseinandersetzungen mit dem Körper als kulturelle Einschreibungsfläche und performatives Ausdrucksmittel. KünstlerInnen aus Japan, der Volksrepublik China, Taiwan, Malaysia, Israel, Frankreich, Algerien, Italien, Portugal und Belgien, deren Arbeiten sich an den Grenzen die Grenzen des - manchmal eigenen - Körpers bewegen: Es geht um kulturelle, religiöse und soziale Differenzen, um Identität, Machtdynamik, Repräsentation, Begehren und Raum. Der Körper bekommt in ihren Bildern, Videos und Performances eine "historische Dimension, als organische und vereinheitlichte Repräsentation von Zeit und Raum".

Was sich so abstrakt anhört, wirkt auf den ersten Blick in der Umsetzung teilweise eher verspielt: Eine Frau heiratet eine Person im Gorilla-Kostüm, eine als orthodoxer jüdischer Mann verkleidete Frau zeigt ihre Brust, in einem Museum angelt ein Mann in einem riesigen Aquarium nach einem goldenen Fisch, ein Mann imitiert Pflanzen in einem Park... Andere Arbeiten verstören: Bilder einer Folterung, eine mit einem Nagel durchschlagene Zunge, ein Portrait von Hitler als Baby oder Arm- und Beinamputierte, die an einem Seil von einem Hubschrauber hängend eine Leinwand bemalen.

Körper im Stillstand oder in Bewegung, als passiv leidend oder aktiv performend, Körper zwischen festen Kategorien für Geschlecht- und Art, die sich an den Zusammenflüssen von Extremen wie Menschheit und Animalität, Maschine und Monster positionieren. Alle Arbeiten umspielen und berühren einen theoretischen Kontext, der auch in den Begleittexten von Larys Frogier, Martina Köppel-Yang und Melanie Trede nur angedeutet werden kann: Bereits der Titel verweist auf ein Konzept von Gilles Deleuze und Felix Guattarí, den "Corps sans organes": Ein organloser Körper, der dem Organismus entgegen steht und nur mehr ein Ensemble von Klappen, Öffnungen und Ventilen in ständiger Kommunikation ist. Des weiteren zitieren die AutorInnen PhilosophInnen wie Donna Haraway, Michel Foucault, Jacques Lacan oder auch Judith Butler, ohne dass der Raum für eine ausführliche Auseinandersetzung mit deren Arbeiten zu Cyborgtheorie, Machtstrukturen, Psychologie, Geophilosophie und Diskursanalyse gegeben wäre. Es gelingt den AutorInnen dennoch, die gewaltige philosophische Basis nicht in Vergessenheit geraten zu lassen - immer wieder scheint sie in den sehr dichten Texten auf und zeigt mögliche Denkwege und Interpretationen für die gezeigten Werke. Trotz der theoretischen Last und der Komplexität der Werke bewahrt sich der Katalog so eine fast spielerische Annäherung - man kann sehr tief gehen, aber man muss nicht.

"Becoming intense - becoming animal - becoming..." war ebenfalls der Titel einer Ausstellung, die von November 2009 bis Februar 2010 in Heidelberg zu sehen war. Diese war Teil des Exzellenzclusters "Asien und Europa im globalen Kontext: Wechselnde Asymmetrien in kulturellen Austauschprozessen" der Universität Heidelberg und wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
Der Katalog ergänzt die gezeigten Werke durch ein Vorwort, eine Einführung in das Thema, einen Essay von Larys Frogier, den Biographien der elf KünstlerInnen, und Interviews mit Adel Abdessemed, Oreet Ahery und Koen Vanmechelen.
Fast überflüssig zu erwähnen, dass der Kehrer-Verlag sein Talent für außergewöhnlich schöne Publikationen ein weiteres Mal bestätigt.

AVIVA-Tipp: Kein Katalog zum leichten Durchblättern, aber sowohl was die Werke, als auch was die Texte angeht, eine tolle Annäherung an Konzepte von Geschlecht, Sexualität und Körper. "We have to fertilize to create diversity" fasst Koen Vanmechelen das heimliche Motto in seinem Interview zusammen - "Becoming intense - becoming animal - becoming…" ist Reiseeinladung in transkulturelle Grenzgebiete.


Zu den Herausgeberinnen:

Martina Köppel-Yang
hat in Heidelberg, Peking und Paris studiert, besitzt einen Doktortitel in Ostasiatischer Kunstgeschichte und Sinologie und arbeitet als unabhängige Kunsthistorikerin, Autorin und Kuratorin in Paris. Sie schreibt unter anderem für "Yishu Journal for Contemporary Chinese Art" und "Red Flag Collection". Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Künstler Yang Jie-Zhang hat sie "Mühlgasse 40", ein online Archive für zeitgenössische chinesische Kunst gegründet.
Weitere Infos zu Martina Köppel-Yang und "Mühlgasse 40" finden Sie unter: www.1-10.fr/en
Melanie Trede wurde 1963 in Heidelberg geboren und hat dort auch studiert und promoviert. In ihrem zweiten Studienort Berlin lernte sie Japanisch und wechselte von dort nach Tokyo zu einem zweijährigen Studienaufenthalts an der Gakushûin University. Vor ihrer Rückkehr nach Heidelberg, wo sie als Professorin für japanische Kunstgeschichte arbeitet, war sie Assistant Professor am New Yorker Institute of Fine Arts. Melanie Tredes Forschungsspektrum ist breit, es umfasst Kunst aus den verschiedensten Epochen, ihr methodisches Besteck reicht von der Rezeptionsästhetik über Medientheorie bis hin zu Gender-Fragen.

Becoming intense - becoming animal - becoming...
Herausgeberinnen: Martina Köppel-Yang und Melanie Trede
Kehrer Verlag, erschienen Dezember 2009
AutorInnen: Larys Frogier, Martina Köppel-Yang und Melanie Trede
Sprache: Deutsch und Englisch
Broschiert, 160 Seiten mit 120 farbigen Illustrationen
ISBN 978-3-86828-110-1
25 Euro
www.kehrerverlag.com

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Double Sexus. Louise Bourgeois und Hans Bellmer

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Literatur Beitrag vom 27.07.2010 Marie Heidingsfelder 

   




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