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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 16.08.2010

Doron Rabinovici - Andernorts
Sharon Adler

Eine haarsträubend-genial konstruierte Geschichte des in Tel Aviv geborenen und in Wien lebenden, mehrfach ausgezeichneten Schriftstellers, Essayisten und Historikers Doron Rabinovici.



"Heimat ist, wo einem fremder zumute ist als an jedem anderen Ort."
Symbolhaft für diese Geschichte um Ethan Rosen und dessen Zerrissenheit steht dieses Statement, eingebettet ist es in eine Geschichte voller scheinbarer Widersprüche und augenscheinlicher Gegensätze.

Ausgelöst durch einen Nachruf auf Dov Zedek, den alten Freund seines Vaters, der vor vielen Jahren auch sein Vertrauter geworden ist, nimmt für Rosen eine schier unglaubliche Geschichte voller Verwicklungen ihren Lauf.

Er, Dozent für Sozialforschung am Wiener Institut, hatte es abgelehnt, einen Nachruf zu schreiben, denn er hasste nichts mehr als Fest- oder Trauerreden, Ansprachen oder persönliche Briefe. Sein Gebiet waren schon immer soziologische Analysen oder Polemiken. Diese schickte er selbst seinen Geliebten. Am Tag nach seiner Rückkehr aus Israel, das der Sabre vor einigen Jahren verlassen hatte, fand er in einer Wiener Zeitung einen Kommentar über Zedek vor, der ihn dazu veranlasste, in der gleichen Zeitung eine Antwort aufzusetzen. Eine Antwort, die den Verfasser scharf angriff, ihn indirekt wegen seiner antisemitischen Tendenzen kritisierte und ihm schließlich vorwarf, einem "ungenannt bleibenden Israeli ... heimatliche Selbstvergessenheit zu beschönigen." Rosen, übermüdet und gereizt von der Reise, dem Treffen mit seinen Eltern in Israel und diversen katastrophal-skurrilen Erlebnissen auf dem Flug Tel Aviv-Wien, schreibt sich in Rage. Verfasst einen Aufruf, die Erinnerung an die Shoah wach zu halten, ganz egal wo, auf jeden Fall aber im Geburtstland des Führers.

Pech für ihn, dass der Verfasser des ursprünglichen Nachrufs Ethan Rosen selbst zitiert hatte, denn der polemisierte selbst noch vor einiger Zeit auf hebräisch gegen die organisiert-kommerzialisierten Gruppenreisen nach Auschwitz.
Noch mehr Pech, dass sein Widersacher ausgerechnet der Wissenschaftler Rudi Klausinger ist, der sich um die gleiche Professur an der Wiener Universität beworben hatte wie Rosen.
Und zu allem Überfluss reklamiert der von der Suche nach seinem leiblichen Vater getriebene Klausinger ausgerechnet Rosens Vater zu seinem eigenen.

Der wiederum, ein alter Wiener Jude, der Auschwitz überlebte, braucht nötig eine neue Niere. Die Suche nach einem geeigneten Spenderorgan mündet in die Recherche nach der eigenen Herkunft und für beinahe alle Angehörigen ist nach den Ergebnissen nichts mehr so, wie es vorher war.

Was hier nach mühselig konstruierten Handlungssträngen klingt, ist jedoch ein genialer Entwurf einer Geschichte um Heimat und Heimatlosigkeit, Vertrautheit und Fremde, Verbundenheit und Ausgeschlossensein, Weggehen und Ankommen, Verlust und Vertrauen, Fanatismus und Religion.
Gleichzeitig ist "Andernorts" auch eine Geschichte voller Aberwitz und Irrsinn, voller Zärtlichkeit und Liebe.
Ein Roman, der Lust macht auf das Leben, so verrückt es auch sein mag.

AVIVA-Tipp: "Andernorts" lebt von messerscharfen Satzkonstruktionen, die, ohne glattgebügelt zu wirken, tief einsinken in das Bewusstsein der Leserin und dort noch lange nachhallen. Eine Geschichte, die in ihrer Direktheit trifft und verstört, in ihrer Schönheit berührt und mit einem unerklärlichen Trost zurück lässt.

Zum Autor: Doron Rabinovici, 1961 in Tel Aviv geboren, lebt seit 1964 in Wien. Der Schriftsteller, Essayist und Historiker wurde mehrfach ausgezeichnet, 1994 mit dem 3sat Stipendium des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs, 1997 mit dem Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik, 1998 mit dem Hermann-Lenz-Stipendium, 1999 mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis, 2000 mit dem Mörike-Förderpreis der Stadt Fellbach und dem Heimito-von-Doderer-Förderpreis, Preis der Stadt Wien für Publizistik, 2002 mit dem Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg und mit dem Jean-Améry-Preis. Weitere Veröffentlichungen: Ohnehin. Roman. (Suhrkamp, 2004), Credo und Credit. Einmischungen. (edition suhrkamp, 2001), Instanzen der Ohnmacht. Wien 1938-1945. Der Weg zum Judenrat. (Jüdischer Verlag in Suhrkamp, 2001), Suche nach M. Roman. (Suhrkam,p 1997 und suhrkamp taschenbuch, 1999), Papirnik. Stories. (edition suhrkamp, 1994), Gemeinsam mit Ulrich Speck und Natan Sznaider Herausgeber des Bandes: "Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte" (edition suhrkamp, 2004), Der ewige Widerstand. Über einen strittigen Begriff. (styria, 2008), Das Jooloomooloo, ein Kinderbuch mit Illustrationen von Christina Gschwantner (jooloomooloo, 2008), Gemeinsam mit Isolde Charim Herausgeber des Essaybandes: "Österreich. Berichte aus Quarantanien" (suhrkamp edition, 2000), Gemeinsam mit Robert Misik Herausgeber des Essaybandes: "Republik der Courage. Wider die Verhaiderung" (Aufbau Verlag, 2000). (Quelle: Doron Rabinovici)
Weitere Infos und Kontakt: www.rabinovici.at


Doron Rabinovici
Andernorts

Suhrkamp Verlag, erschienen 16. August 2010
19,90 Euro
Gebunden, 285 Seiten
ISBN: 978-3-518-42175-8

Literatur Beitrag vom 16.08.2010 Sharon Adler 

   




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