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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 18.08.2010

Alexandra Lavizzari - Glanz und Schatten. Truman Capote und Harper Lee - eine Freundschaft
Elina Ioschpa

Sie ist ein Raufbold, geht keinem Faustkampf aus dem Weg und macht mit ihrer Jungenbande die Stadt unsicher. Wenn sie genug Nasen blutig geschlagen hat, zieht sie sich am liebsten in ihr Baumhaus...



... zur├╝ck und liest. Er tr├Ągt wei├če Shorts und elegant geschnittene Hemden, seine Haare sind immer fein gek├Ąmmt, er sieht aus wie ein M├Ądchen. Wegen seiner Fistelstimme nennen ihn die anderen Jungs "Sissy". Weil er in Pr├╝geleien st├Ąndig den K├╝rzeren zieht, weckt er ihren Besch├╝tzerinstinkt. So wurden zwei Stars der amerikanischen Literatur, Truman Capote und Harper Lee, Freunde.

Vor 50 Jahren, am 11. Juli 1960, ver├Âffentlichte Harper Lee ihren Weltbestseller "Wer die Nachtigall st├Ârt...". Bis heute geh├Ârt der Roman zu den meistgelesenen B├╝chern in den Vereinigten Staaten. Lee faszinierte die LeserInnenschaft nicht nur mit ihrem literarischen Werk, sie wurde auch als langj├Ąhrige Freundin von Truman Capote bekannt. Stets wurde sie in einem Atemzug mit dem extrovertierten Kultautor genannt. Alexandra Lavizzari, die bereits in "Fast eine Liebe" ├╝ber die Liebesbeziehung der Schriftstellerinnen Annemarie Schwarzenbach und Carson McCullers schrieb, schildert in "Glanz und Schatten" die intensive und fragile Freundschaft zwischen Lee und Capote. In lebhaften Bildern erz├Ąhlt Lavizzari die Geschichte der beiden SchriftstellerInnen, die mit der Liebe zur Literatur begann und am Erfolg scheiterte.

Lavizzari skizziert, wie die beiden Kinder ganze Tage in Lees Baumhaus verbrachten, sich Detektivgeschichten vorlasen und auf einer alten Schreibmaschine ihre eigenen Erz├Ąhlungen tippten. Das Baumhaus wurde ein Zufluchtsort vor dem tristen Alltag in Monroeville, Alabama. Die Kinder erlebten hautnah mit, wie sehr das Leben der S├╝dstaaten-Provinz in den 1930er Jahren durch Sozial- und Rassenkonflikte bestimmt war. Sie entzogen sich der Gewalt und Intoleranz und fl├╝chteten in die Welt der Literatur und hegten den Traum, gro├če SchriftstellerInnen zu werden. An der Verwirklichung dieses Ziels arbeiteten sie jahrelang.

Im Jahr 1948 gelang Capote mit "Andere Stimmen, andere R├Ąume" der lang ersehnte Durchbruch. ├ťber Nacht wurde er zum Shooting Star der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Auch Harper Lees Erstlingswerk "Wer die Nachtigall st├ÂrtÔÇŽ" ├╝bertraf alle Erwartungen. Kurz nach der Ver├Âffentlichung im Jahr 1960 erhielt sie den Pulitzer-Preis, die h├Âchste Auszeichnung f├╝r US-amerikanische Literatur. ├ťber den gro├čen Erfolg seiner Jugendfreundin konnte Capote sich jedoch nicht freuen. Er sah Lee als Konkurrentin und beneidete sie um den hoch angesehenen Preis. Als er aber auf ihre Hilfe f├╝r sein neues Romanprojekt "Kaltbl├╝tig" angewiesen war, bat er sie um Unterst├╝tzung. Gemeinsam machten die beiden sich auf die Reise nach Garden City, eine Kleinstadt in Kansas, um ├╝ber einen Mord an einer Farmerfamilie zu recherchieren.

Dort, wo der exzentrische Schriftsteller mit seinem extravaganten Auftreten bei den S├╝dstaatlerInnen auf Ablehnung stie├č, half Lee. Sie gewann schnell das Vertrauen der Menschen und ├Âffnete Capote alle T├╝ren. Zwei Monate beteiligte sie sich an Capotes Recherchen, begleitete ihn zu unz├Ąhligen Gerichtsterminen und fertigte f├╝r ihn Protokolle der Gerichts-Verhandlung an, die Capote in seinen Roman ├╝bernahm. "Kaltbl├╝tig" wurde schlie├člich Capotes gr├Â├čter Erfolg. Doch er spielte den Anteil Harper Lees an den Recherchearbeiten zum Buch g├Ąnzlich herunter und lie├č sich als alleiniger Autor feiern.

Obwohl Harper Lee nach ihrem Bestseller "Wer die Nachtigall st├Ârt ..." alle T├╝ren offen standen, zog sie sich, entt├Ąuscht von ihrem Freund, aus der ├ľffentlichkeit zur├╝ck. Capote hingegen st├╝rzte sich in das Partyleben der New Yorker Schickeria und verlor sich in Alkohol- und Drogenexzessen. Er starb 1984 im Alter von 60 Jahren an einer ├ťberdosis Schmerz-Tabletten. Lee lebt heute zur├╝ckgezogen in New York und Monroeville. Der langj├Ąhrigen Freundschaft der AutorInnen mit all ihren H├Âhen und Tiefen hat Lavizzari mit "Glanz und Schatten" ein lesenswertes Denkmal gesetzt.

AVIVA-Tipp: In "Glanz und Schatten" legt Lavizzari den Fokus auf die Kinderfreundschaft von Capote und Lee, die weitere Entwicklung der SchriftstellerInnen behandelt sie nicht mehr in aller Ausf├╝hrlichkeit. Die Gegens├Ątzlichkeit der Charaktere von Harper Lee und Truman Capote werden zwar eindringlich veranschaulicht, wirken aber streckenweise zu einseitig. Capote wird durchg├Ąngig als ruhms├╝chtiger Exzentriker und Lee als scheue Eremitin dargestellt. Auch wenn es Lavizzari nicht gelingt ein umfassendes Bild der beiden AutorInnen zu zeichnen, so ├╝berzeugt ihr Buch als eine Einf├╝hrung in das Leben und Werk von Harper Lee und Truman Capote und macht auf deren Hauptwerke neugierig.

Zur Autorin Alexandra Lavizzari, geboren 1953 in Basel, studierte Ethnologie und Islamwissenschaft. Sie ist Autorin von Romanen (zuletzt: "Wenn ich w├╝sste wohin" 2007), Gedichten und biografischen Essays. In der edition ebersbach erschien neben Beitr├Ągen in Sammelb├Ąnden ihr Buch ├╝ber das Leben ber├╝hmter Kindsmusen "Lulu, Lolita und Alice (2005) sowie ihr Essay "Fast eine Liebe. Annemarie Schwarzenbach und Carson McCullers" (2008). Alexandra Lavizzari lebt in England und in der Schweiz. (Quelle: Verlagsinformationen)

Alexandra Lavizzari
Glanz und Schatten

edition ebersbach, erschienen August 2009
Klappen-Broschur, 180 Seiten
ISBN 978-3-938740-90-3
16,80 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Fast eine Liebe. Annemarie Schwarzenbach und Carson McCullers" von Alexandra Lavizzari
"Grenzg├Ąngerinnen der Moderne" herausgegeben von Unda H├Ârner, Alexandra Lavizzari, Susanne Nadolny und Jutta Rosenkranz

Literatur Beitrag vom 18.08.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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