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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 14.10.2010

Katharina Fietze - Kluge Mädchen. Frauen entdecken ihre Hochbegabung
Antje Pohle

In ihrem Ratgeber stellt die Autorin sechs Kurzbiografien von hochbegabten Frauen vor, die in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren geboren wurden und sich trotzgesellschaftlicher Skepsis fanden.



Alle sechs Protagonistinnen haben unterschiedlichste Hintergründe und doch eine große Gemeinsamkeit, die sich der Leserin von der ersten bis zu sechsten Biografie eröffnet. Sie sind durchweg unentdeckt hochbegabt und fühlen sich zuweilen nicht gefördert und, anders als ihre Geschwister und Klassenkameradinnen, ungeliebt und unverstanden von den Menschen, die ihnen eigentlich am nächsten stehen sollten.
"Meine Mutter mochte mich nicht. Dabei hatte ich ihr nichts getan. Sie konnte keine Beziehung zu mir aufbauen. Ich fühlte mich von ihr abgelehnt. Was immer sie tat, betrachtete ich als Zeichen ihres Hasses mir gegenüber. Ständig kam es zu Konflikten." (Kapitel:"Rabenkind", die Protagonistin wurde von der Autorin anonymisiert)

Das beschriebene "Anderssein" und die damit verbundene Ausgrenzung lässt sich auch an der Titelwahl einzelner Kapitel schon vorab erahnen: "Das schwarze Schaf der Familie", "Mein ungeliebtes Leben", "Rabenkind". So wird der Leserin schnell bewusst, dass das Leben als hochbegabtes Mädchen sowie als hochbegabte Frau alles andere als einfach und viel komplexer ist, als erwartet. Bei allen sechs Frauen erstreckt sich die unentdeckte Hochbegabung als ein Leidensweg voller Anspannung und Selbstzweifel wie ein roter Faden durch das Buch.

"Soweit ich zurückdenken kann, war mein Lebensgefühl von einer inneren Zerrissenheit bestimmt. Auf der einen Seite waren Urvertrauen, Unbeschwertheit und Glück, auf der anderen Seite waren Aggressivität, Traurigkeit und Leere." (Kapitel: "Mädchen vom Lande", die Betroffene wurde von der Autorin namentlich nicht erwähnt)

Faszinierend ist die durchdringende Klarheit, mit der die Autorin jede einzelne Gefühlsnuance dieser sechs Frauen im ersten Teil des Buches wiedergibt, somit eine unmittelbare Nähe zu jeder einzelnen Persönlichkeit kreiert und es der Leserin ermöglicht, sich in die Handlung zu integrieren. Diese hat streckenweise das Gefühl, in einem Puppenhaus als stummes Inventar im Raum der Interaktion zu sitzen und sich sofort mit der Betroffenen zu verbünden, mitzufühlen und vielleicht sogar zu identifizieren.

"Als ich 37 Jahre alt war, erzählte ich meiner Mutter von der Hochbegabungsdiagnose meiner Tochter in der Hoffnung, dass sie es endlich unterlässt, an ihr und meiner Erziehung herumzumäkeln. Stattdessen erfuhr ich dies: ´Ein IQ über 130? Man sieht doch an dir was daraus wird!´ Ihren herablassenden Blick vergesse ich nie. Ich war verletzt und gekränkt. Wie konnte sie mir das antun? Über 30 Jahre hatte sie mir meine Hochbegabung verheimlicht. Stattdessen hat sie mir nur erzählt, wie schlecht ich bin, was ich alles nicht richtig mache." (Kapitel: "Rabenkind", die Protagonistin wurde von der Autorin anonymisiert )

Besonders im zweiten Teil ihres Buches widmet sich Katharina Fietze den Definitionen der Hochbegabung, indem sie wissenschaftlich fundierte Ergebnisse und Theorien aus Psychologie und Neurologie einflicht und erklärt. Des weiteren vermittelt sie den LeserInnen, dass Hochbegabung viel mehr bedeutet, als einen IQ von über 130 zu haben.

"Geht man vom Modell der neuronalen Überempfindlichkeit (...) aus, durchdringt Hochbegabung den ganzen Menschen. Sie sitzt als gesteigerte intellektuelle Aufnahmebereitschaft im Geist, als emotionale Sensibilität in der Seele und als erhöhte Sinneswahrnehmung im Körper. Somit haben intellektuell hochbegabte Menschen ebenfalls eine hochbegabte Seele und einen hochbegabten Geist", so die Autorin.

Da fünf der sechs betroffenen Frauen erst durch ihre Kinder und deren Hochbegabung ihr eigenes Potenzial entdeckten, entwickelt Katharina Fietze im drittenTeil ihres Buches einen Leitfaden für Frauen, die eine Hochbegabung bei sich oder ihren Töchtern vermuten. Die Autorin präsentiert unterschiedliche Intelligenztests und verweist auf die differenzierten Begabungspotenziale von Mädchen gegenüber Jungen. Diese unterschiedlichen intellektuellen Besonderheiten werden jedoch nur teilweise in der Hochbegabungsforschung und in den unterschiedlichen Testverfahren berücksichtigt. Solange Intelligenztests nicht ´gegendert´ seien, könnten sie laut Dr. med. Beate Lubbe (Ärztin) hochbegabte Mädchen nicht sicher identifizieren.

Abschließend spricht sich Katharina Fietze für ein starkes Feedback und ein ernst zu nehmendes Vorbild hochbegabter Kinder aus, um ihnen die Möglichkeit der Selbsterkenntnis und des Selbstentdeckens nicht zu nehmen. "Für alle hochbegabten Kinder, ob Mädchen oder Junge, gilt: Um sich selber richtig einschätzen zu können und eine begabungsgerechte Identität zu entwickeln, müssen sie gespiegelt werden." Sicherlich liegt diese Aufgabe nicht nur an den Eltern der betroffenen Kinder, sondern richtet sich an alle, die im direkten Kontakt zu (hochbegabten) Mädchen und Jungen stehen.

AVIVA-Tipp: Das Sachbuch "Kluge Mädchen. Frauen entdecken ihre Hochbegabung" von Katharina Fietze gibt primär einen realistischen Einblick in das Leben sechs hochbegabter Frauen, wobei die Intensität der Problematik jeder Einzelnen erfasst wird. Tiefgründig und wissenschaftlich fundiert stellt die Autorin darüberhinaus Definitionen und Erkenntnisse aus dem Bereich der Hochbegabung vor, wobei sie auf Wissen aus Neurologie und Psychologie zurückgreift. Abschließend bietet Katharina Fietze einen Leitfaden für Frauen, die eine Hochbegabung bei sich oder ihren Kindern feststellen. Ein Standardwerk für alle PädagogInnen und Eltern zur persönlichen Wissenserweiterung im Umgang mit Hochbegabten sowie für die Eigenidentifikation bei der ein oder anderen.

Zur Autorin: Katharina Fietze ist Privatdozentin an der Universität Hamburg, sie studierte Philosophie und Geschichte in Göttingen, London und München. Heute forscht sie auf dem Gebiet der interdisziplinären Frauenforschung, 2003 habilitierte sie an der Universität Hamburg im Fach Sportwissenschaft. Sie ist Mitglied im Verein für hochbegabte Menschen (MinD e.V.), www.mensa.de, aktiv in der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. (DGhK) www.dghk.de, und coacht darüberhinaus hochbegabte Erwachsene.

Katharina Fietze
Kluge Mädchen. Frauen entdecken Ihre Hochbegabung

Orlanda Verlag Berlin, erschienen im März 2010
Broschiert, ca. 260 Seiten
ISBN 978-3-936937-74-9
17,90 Euro
www.orlanda.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Darwins Schwestern. Porträts von Naturforscherinnen und Biologinnen", herausgegeben von Gudrun Fischer

Literatur Beitrag vom 14.10.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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