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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 22.10.2010

Arye Sharuz Shalicar - Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude
Britta Leudolph

Sharuz ist Sohn iranischer MigrantInnen, die Berlin zu ihrer Heimat gemacht haben. Lange spielt Religion für ihn keine Rolle, bis er bemerkt, dass er Jude ist. Als er dies offen zu zeigen beginnt,...



... muss er erleben, wie hasserfüllt die Muslime seiner Umgebung darauf reagieren.

Antisemitismus in Deutschland ist ein jahrhundertealtes Phänomen, das im Holocaust seinen grausamen Höhepunkt fand, jedoch auch heute nicht aus den Köpfen vieler Menschen verschwunden ist. Wenn heute die Rede von Antisemitismus ist, fallen den meisten wahrscheinlich unbelehrbare Alt- oder Neonazis ein. Die Erfahrung von Arye Sharuz Shalicar ist jedoch eine andere.

Sharuz wurde als Sohn iranischer Eltern in Göttingen geboren und verlebt seine Kindheit im eher beschaulichen Berlin-Spandau. Er hat ebenso deutsche wie türkische Freunde, Religion spielt in seinem Leben keine Rolle. Die Sommermonate verbringt die Familie bei den Großeltern in Israel. Dort liebt er besonders die Sonne, das Meer und den Strand. Warum seine iranische Familie in Israel lebt, interessiert den Jungen erst später.

Sharuz´ Leben ändert sich schlagartig als er mit seiner Familie nach Berlin-Wedding zieht. Zunächst fällt ihm auf, dass er, wohin er auch geht, immer das gleiche gefragt wird: "Bist Du auch Muslim?". Am Anfang denkt er sich nicht viel dabei.
Eines Sommers, nach Sharuz´13. Geburtstag, schenkt ihm seine Großmutter ein Schmuckstück: "[...] zwei Dreiecke, ein smaragdgrünes und ein bordeauxfarbenes, wie verkehrt herum miteinander verbunden, ein Stern, eine schöne Figur." Der Teenager will mit seinen Klassenkameraden mithalten, die immer eine Kette über dem Pullover tragen und kommt mit seiner neuen Kette in die Schule. Welche Konsequenzen dies für seine Zukunft hat, kann er nicht ahnen. Sein bisheriger Freund Mahavir, ein muslimischer Inder, wendet sich von ihm ab, als er erfährt, dass Sharuz tatsächlich ein Jude ist. Und er erzählt es allen anderen, mit denen sich Sharuz vormals gut verstanden hat. Sharuz ist isoliert. Auch in seinem Fußballverein wird er plötzlich gemieden. Und es wird immer schlimmer. Er wird auf der Straße gedemütigt, beschimpft und angegriffen: "Erzähl uns keine blöden Geschichten, von wegen nicht religiös [...] Du bist Jude und gehörst zum stinkendsten Volk, das auf Erden existiert. Ihr habt uns unseres Landes beraubt und eines Tages werden wir euch alle ausrotten, wie Hitler es schon wollte, und wir werden unser Land zurückerobern. Frieden wird es nie geben, nicht ehe ihr alle im Meer ersauft."

Die Zahl seiner Freunde kann er an einer Hand abzählen: Sahin, einer der wenigen praktizierenden Muslime, die er je kennen gelernt hat, Mehmet und die kroatisch-stämmige Janica, die ihm immer eine große Unterstützung ist.
Sharuz´ weiterer Weg ist geprägt von Widerstand, doch er rennt lange in die falsche Richtung. Er will sich in seinem Umfeld beweisen, wird kriminell und gerät in Schlägereien. Dass er nicht total abdriftet hat er nicht zuletzt seiner Freundin Janica und seinen Eltern zu verdanken, die ihn immer wieder daran erinnern, wie froh er sein kann, in einem freien Land zu leben und an die Möglichkeiten, die ihm offen stehen. Und so macht er trotz aller Missstände seinen Weg, der ihn letztendlich nach Israel führt.

Zum Autor: Arye Sharuz Shalicar, geboren 1977, leistete nach seinem Abitur seinen Militärdienst in Deutschland und begann danach sein Studium. 2001 wanderte er nach Israel aus. Dort diente er in einer Fallschirmjägereinheit. Im Anschluss studierte er an der Hebräischen Universität Jerusalem das Bachelor-Studium Internationale Beziehungen, Nahostgeschichte und Politik als auch nachfolgend 2009 ein Master-Studium der European Studies. 2002 bis 2009 arbeitete er für The Jewish Agency for Israel und seit 2007 für das Nahost-Studio der ARD in Tel Aviv. Er ist Vorsitzender der Organisation junger deutscher Einwanderer in Israel und Pressesprecher der israelischen Armee.

AVIVA-Tipp: Arye Sharuz Shalicar führt die Leserin in eine Parallelwelt, die für die meisten BürgerInnen nicht sichtbar ist. Seine Erfahrungen wecken furchtbare Erinnerungen an eine Zeit, in der in Deutschland Menschen wegen Ihrer Religion oder Abstammung erst diskriminiert und später ermordet wurden. Sharuz wird immer wieder persönlich für den Nahost-Konflikt verantwortlich gemacht, erfährt aber wegen seines arabischen Aussehens auch Ablehnung durch die jüdische Gemeinde. Auch im 21. Jahrhundert sind pseudoreligiöse Überzeugungen und faschistische Hetze ein reichhaltiger Boden für Diskriminierung und Ausgrenzung. "Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude" ist ein Lehrstück über die Macht von Vorurteilen. Der Autor hätte heute auch ein fundamentalistischer Jude sein können. Dass es nicht so gekommen ist, verdankt er seinen Eltern, die im Iran selbst schlimmsten Diskriminierungen ausgesetzt waren und ihm wieder und wieder Toleranz predigten.

Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude. Die Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde
Arye Sharuz Shalicar
Deutscher Taschenbuch Verlag, erschienen Oktober 2010
Taschenbuch, 248 Seiten
Mit 16 schwarz-weiß Abbildungen
ISBN 978-3-423-24797-9
14,90 Euro

Literatur Beitrag vom 22.10.2010 Britta Leudolph 

   




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