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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 03.02.2011

C.E. Morgan - Die Glut der Sonne
Evelyn Gaida

Mitten im kalten Winter sind die LeserInnen eingehüllt von der sonnendurchfluteten Hitze einer fremdartigen und fragwürdigen Welt: Auf einer Farm in Kentucky scheint die Zeit stehengeblieben zu ...



... sein und wird nur durch die Erwähnung von Telefon, Pick-Up-Truck und Waschmaschine näher bestimmt. "Knochendürre Erde", Tabakblätter "wie angesengte Vogelflügel", "Spinnweben, schlaff wie altes Haar" – in ihrem Debütroman fesselt die amerikanische Autorin aus dem "Bluegrass State" mit faszinierenden Bildschöpfungen und spannungsreicher erzählerischer Konzentration.

Auch wenn jedes Zögern "eine Lüge" gewesen wäre, hatte die junge Waise und Missionsschülerin Aloma keinen wirklichen Begriff davon, worauf sie sich einlassen würde: Sie zieht zu ihrem Geliebten Orren auf dessen schwächelnde Tabakplantage in ein heruntergekommenes, unwirtliches und viel zu großes Haus. Völlig auf sich gestellt kämpfen beide gegen Trockenheit und drohenden Ruin. Allein kämpft Aloma gegen die fortschreitende Entfremdung zwischen dem Paar, gegen Orrens machohafte Grobschlächtigkeit und die arbeitsreiche Öde ihrer Tage als unerfahrene "Haushälterin".

Öde ist dieser Roman jedoch an keiner Stelle. Ereignislos und wortkarg auf der Handlungsebene, dabei voller Ereignisreichtum an Sprachgeschehen, an zwischenmenschlicher Spannung und kraftvoll ausgeformter Gegenständlichkeit. Wie das Licht die Dinge immer neu und anders ins Dasein hebt und den Roman in vielfältigen Variationen durchstrahlt, so erfassen Morgans Sprachbilder die präsentierte Landschaft und Lebenswelt mit großer Eindringlichkeit und Originalität.

Für die erzählte Geschichte ist dies auch unabdingbar, denn die Kommunikation zwischen den Figuren fällt extrem dürftig und problematisch aus. Diese Dürftigkeit ist nachgerade selbst Thema des Romans, schafft dafür umso mehr Raum, in dem das Wortlose, Verschwiegene seine Blüten treiben kann, die Nuancen einer Stimme, das leise Zucken eines Gesichtsmuskels die stockende Verständigung übernehmen müssen. Oder der Sex. Von routiniert bis aggressiv, in jedem Fall ohne "sentimentale" Umschweife, wird übereinander hergefallen, auch wenn die Fremdheit dadurch nicht überbrückt werden kann. Die Sexszenen bewegen sich teils grenzwertig in Richtung Softporno, fügen sich in den kargen Hintergrund wie ein dumpfer Schlag in die Stille. Weniger Details wären mehr gewesen, obwohl Sex für die beiden Hauptcharaktere offensichtlich eine Konstante bildet, die auf irritierende Weise von keiner persönlichen Verletzung, keinem Zerwürfnis, keiner Kluft unterbrochen wird.

Aloma schafft sich einige Freiräume – innerhalb der engen Grenzen und traditionalistischen Strukturen einer hinterländlichen Südstaaten-Mentalität. Die ausgebildete und passionierte Klavierspielerin findet in Orrens Haus nur ein Wrack von Instrument vor, samt einem Klang, "der verdorben war wie Fleisch". Ihr Lebensgefährte hat keinerlei Anteil an diesem essenziellen Aspekt ihres Lebens – noch nie hat er sie spielen hören(!) Doch die Musik in ihren Adern lässt sich auch durch rigide Haushaltspflichten nicht unterbinden: "wenn sie an der Anrichte stand und Gemüse klein hackte, fuhr ihr manchmal der Rhythmus des Messers auf dem Schneidebrett in die Glieder, oder sie ertappte sich dabei, wie sie eine Melodie summte und ihre Finger auf einmal zuckten vor Gier, die Tasten unter sich zu spüren." Sie sucht sich einen Job als Gemeindepianistin in der naheliegenden Kirche, wo sie dem charismatischen Pfarrer Bell Johnson begegnet.

Aufgezogen im ständig verdunkelnden und bedrückenden Schatten der Berghänge, träumte Aloma als Mädchen vor allem anderen davon, den "leeren Tagen ihres Heranwachsens" endlich zu entfliehen, aufzubrechen in die Weite einer hügellosen Gegend. Sie kommt nur bis zu Orrens Farm. Mittellos einerseits, andererseits zwischen Widerspruchsgeist und Hingabe schwankend, nicht nur finanziell, sondern auch emotional auf rätselhafte Weise an den ungeschlachten Landwirt und schließlich sein Land gebunden. Nicht nachvollziehbar ist die abrupte Wendung, die Aloma nimmt, wenn sie plötzlich in ihren ehemaligen Träumen die Quelle ihres Unglücks und ihrer Unzufriedenheit sieht - obwohl das Verhältnis zu Orren krude bleibt. In Frage gestellt werden am Ende nicht die herrschenden Konventionen, sondern der Wunsch, ihnen zu entfliehen. So büßt die "Glut der Sonne" zum Abschluss beträchtlich an Strahlkraft ein.

AVIVA-Tipp: C.E. Morgan bannt die LeserInnen in ihrem Debütroman mit einer starken und eigenständigen Handschrift, zieht poetische Bilder aus verdorrter Erde und drückender Luft wie Sommerregen, der einen gänzlich unromantischen und nüchternen Landstrich heimsucht - auch wenn das Ende des Romans nicht überzeugen kann.

Zur Autorin: C.E. Morgan hat am Berea College in Kentucky Literatur und Gesang studiert und an der Harvard Divinity School in Massachusetts den Master in Theologie gemacht. Für ihren Debütroman wurde sie vom "New Yorker" unter die vielversprechendsten "20 Autoren unter 40" gewählt. Die Autorin lebt in Kentucky.

C.E. Morgan
Die Glut der Sonne

Originaltitel: All the Living
Originalverlag: Trident Media
Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth
Luchterhand Literaturverlag, erschienen am 23.08.2010
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 256 Seiten
ISBN: 978-3-630-87298-8
19,99 Euro

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.randomhouse.de

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Literatur Beitrag vom 03.02.2011 Evelyn Gaida 

   




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