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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.01.2011

Marianne Suhr - Roter Milan
Jana Muschick

Ein Tagebuch aus West-Berlin schildert die Ängste einer Frau, die sich eine Öffnung der Grenzen nicht vorstellen will. Sinnsuche und versteckte Hoffnungen bestimmen Marianne Suhrs bewegenden Roman.



Kindheit

In einem kleinen Örtchen nahe Rathenow in Brandenburg lernen sich Karin Beuth und Janne Koller kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kennen. Die Freundschaft der beiden Frauen hält ein ganzes Leben an, auch wenn Janne nach kurzer Zeit mit ihren Eltern das Dorf verlässt. In Janne findet die stets suchende Karin eine Ansprechpartnerin, der sie 20 Jahre lang die Aufzeichnungen in ihrem Tagebuch widmet. Im Wechsel von Rückblenden und dem desillusionierten Blick auf die Wende 1989 geht es vor allem um das Gefühl, sich an etwas festhalten zu müssen, bevor die Welt unter den Füßen zusammenbricht.

Zweifelhafter Ausbruchversuch

Als Karin im September 1993 absichtlich gegen eine Mauer fährt, eilt Janne zu ihr, um zu erfahren, was geschehen ist. Im Krankenhaus erklärt ihr der Arzt, dass die Fahrt gegen die Mauer nach einem Suizidversuch aussähe. Nach Jahren kurzer Briefe und floskelhafter Telefonate will sich Janne endlich Zeit für Karin nehmen.

Notizen einer langen Suche

Doch nach einigen Tagen verschwindet Karin überraschend aus dem Krankenhaus und überlässt Janne den Schlüssel zu ihrer Wohnung. Schnell reist diese dorthin, in der Hoffnung, Karin noch zu finden. In den Räumen der Freundin macht sie eine unerwartete Entdeckung, die sie zutiefst berührt: Karin hat ihr das Tagebuch hinterlassen, in dem sie ihr Leben zwischen West-Berlin und dem Havelland, zwischen einer vermeintlich neuen Zeit und ihrer Angst vor der Öffnung der innerdeutschen Grenzen schildert.

Janne ist fasziniert von den Gedanken der Freundin. Im zweiten von insgesamt drei Teilen in "Roter Milan" findet ein Perspektivwechsel statt – an Stelle von Janne ist es jetzt Karin, aus deren Blickwinkel die Sicht auf die Welt beschrieben wird.

Erhalt des Status Quo

Anhand der vielen eigenen Erlebnisse der Autorin Marianne Suhr, die mit der fiktiven Handlung verwoben sind, gelingt es im Roman auf beeindruckende Weise, den inneren Abwehrprozess der einstigen DDR-Bürgerin Karin zu schildern. Die etwa 45 Jahre alte Protagonistin, die mindestens einmal im Monat ihre Mutter in Nennhausen besucht, fürchtet sich vor der Naivität ostdeutscher BürgerInnen, die durch eine diktatorische Politik und ohne Meinungsfreiheit jahrzehntelang hinter Grenzen leben mussten. Karin traut es diesen Menschen nicht zu, sich bei einer Maueröffnung gegen die Politik, die Wirtschaft und vor allem gegen die Menschen der BRD zu wehren. Die Öffnung der Grenze bedeutet für sie aber vor allem eine argeVerletzung ihres eigenen Status Quo.

Äußere Grenze – innere Abwehr

Ihre Angst vor der Naivität der anderen ist gleichzeitig die Resignation, die sie ihrem eigenen Leben gegenüber hegt: sie schafft durch die Flucht vor jeder sich anbahnenden Entscheidung eine Leere in ihrem Inneren, die sie durch niemanden und nichts zu füllen vermag –, außer durch die Rede an die idealisierte Freundin Janne. Ihre Suche nach Freiheit und Unabhängigkeit scheitert an der inneren Einsamkeit, der Karin auf Dauer nicht gewachsen ist. "Roter Milan" ist ein Roman über die Suche nach dem eigenen Weg. Die Gedanken von Karin Beuth kreieren ein Geflecht atmosphärischer Dichte, die Unsicherheit und Angst vor der Zukunft sowohl aus ost- wie auch aus westdeutscher Perspektive vermitteln.

Zur Autorin: Marianne Suhr wurde im Havelland geboren, verließ mit 18 Jahren ihr Heimatdorf in der damaligen DDR, heiratete und bekam drei Kinder. Seit 1979 lebt sie in Berlin, holte mit 39 Jahren das Abitur nach, studierte, promovierte und setzt sich seit Mitte der 1980er Jahre als Mitglied der SPD verstärkt für Kinder und Jugendliche in der Bildungspolitik ein. Seit 2001 ist Marianne Suhr Vorsteherin der Bezirksverordnetensammlung und Mitglied der Ausschüsse für Bauleitplanung und Schule in Charlottenburg.
Weitere Infos unter: archiv.spd-neuwestend.de

AVIVA-Tipp: "Roter Milan" ist mehr als ein Wende-Roman. Metaphorisch steht der Titel des Buches in Verbindung zum melancholischen Text. Gleich dem flüchtigen Vogel werden Themen wie Politik, Leben und Lieben voller Zweifel und ohne selbstzufrieden zu wirken gestreift. Zwischen den Zeilen wird das verstörende Gefühl des sich Verlierens und stets neu Erfindens auf beeindruckende Weise geschildert.

Marianne Suhr
Roter Milan

Edition Ebersbach, erschienen: September 2010
Gebunden, 256 Seiten
ISBN-13: 978-3-86915-026-0
Preis: 22,00 Euro
www.edition-ebersbach.de


Literatur Beitrag vom 15.01.2011 Jana Muschick 

   




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