Silke Scheuermann - Shanghai Performance - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f├╝r das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in gr├Â├čerer Schrift!

TIPP: ├╝ber den Zur├╝ck-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 16.06.2011

Silke Scheuermann - Shanghai Performance
Marie-Luise Wache

In einer dramatisch verstrickten und gleichzeitig erfrischend ehrlichen Geschichte rechnet die Autorin vor der Kulisse einer anonymen Hochhausstadt gleich mit drei Themen ab, ...



... mit einer erfolgsorientierten Generation, der Oberfl├Ąchlichkeit einer ├╝berinszenierten Kunstszene und drei exemplarisch f├╝r diesen Lifestyle stehenden Frauenschicksalen.

Die angesehene und schillernde Performancek├╝nstlerin Margot Wincraft nennt die ganze Welt ihre B├╝hne. St├Ąndig begleitet von einer Entourage aus FotografInnen und ihrer Assistentin Luisa reist sie von einer Stadtkulisse zur n├Ąchsten, auf der Suche nach Inspiration und passendem Beiwerk f├╝r ihre Performancekunst. Diese besteht f├╝r Margot aus meist nackten, auf sich fokussiert r├Ąkelnden und in die Leere starrenden Models. F├╝r ihr Werk bedeutend ist, dass keine Beziehung zu dem Publikum entstehen darf. Diese bewusst gef├Ârderte Distanz und K├╝hle fasziniert und be├Ąngstigt ihre BewundererInnen zugleich und ist entscheidend f├╝r die Entwicklung und Handlungen jener Menschen, die die K├╝nstlerin umgeben.

Die Geschichte beginnt, indem Margot Wincraft ├╝berraschend ein Angebot aus Shanghai erh├Ąlt und annimmt. Die sich st├Ąndig im Wandel befindende und dabei anonymisierende Stadt ist die perfekte Kulisse f├╝r eine zun├Ąchst harmlose Geschichte, welche sich jedoch in unaufhaltbarem Tempo und mit vielen Wirrungen zu einem klug und fesselnd inszenierten Drama aufbaut.

So muss die Assistentin Luisa zusehen, wie sich ihre Chefin mit den Wochen, die sie in China verbringen, immer seltsamer verh├Ąlt. Mittels eines wohldurchdachten Ablenkungsman├Âvers wird ihr schlie├člich der wahre Grund f├╝r den Aufenthalt mitgeteilt: Die von Margot bislang verheimlichte Tochter Winona, lebt in der Millionenstadt und fordert Kontakt.

Etwa zwanzig Jahre zuvor n├Ąmlich studierte die Performancek├╝nstlerin in Amerika und brachte dort eine Tochter zur Welt, die sie, um ihre Karriere zu f├Ârdern, weggab. Was bei Margot mit einer anf├Ąnglichen Wiedersehensfreude und der Vers├Âhnung mit einer oberfl├Ąchlich gef├╝hlten Schuld beginnt, entpuppt sich als tempor├Ąre Laune. Das "versto├čene Kind" wird erneut mit einer Distanziertheit und K├╝hle zur├╝ckgelassen, die schlie├člich den Auftakt zur gro├čen Wende bildet.

Nach dem explosiven Umschwung entsteht eine Stille und Leere, in der die Protagonistinnen endlich klar zu sehen sind. Alle Oberfl├Ąchlichkeiten sind abgefallen, der rohe Kern wird sichtbar. Eine Einsamkeit wird sp├╝rbar, die die Protagonistinnen zu neuen Taten antreibt.

Silke Scheuermann zeichnet in ihrem neuen Roman drei Hauptfiguren, die in verschiedenen Richtungen nach dem erf├╝llten Lebensweg streben. Alle sind durch ihre Schicksale und Entscheidungen fest miteinander verbunden. Es ist das Verwirrende und gleichzeitig Faszinierende an diesem Roman, dass die N├Ąhe zwischen diesen Menschen jederzeit mit bewusster Distanz durchbrochen werden kann.
Eine Anlehnung Margots Charakters an die real existierende Performancek├╝nstlerin Vanessa Beecroft ist m├Âglich. Diese schockiert seit 1995 mit ihren Installationen, f├╝r die sie vorwiegende nackte oder halbnackte Frauen zu Themen wie Gewalt, Uniformit├Ąt oder Sch├Ânheitswahn inszeniert.

Mittels einer schlichten Sprache legt die Autorin den Fokus auf die Entscheidungen und sich entwickelnden Beziehungen oder Nicht-Beziehungen der Frauen. Die K├╝hle, die die Figuren auszeichnet, bewirkt, dass auch die Leserin au├čen vor bleibt, nie richtig eintauchen kann. Hat sie einmal einen Zugang gefunden, wird er ihr auf der n├Ąchsten Seite wieder versperrt. Es ist ein Spiel, welches die Autorin mit der Lesenden f├╝hrt. Eines, bei dem dieselbe Faszination und Verwirrtheit entsteht, mit der frau auch Margots Kunst betrachten kann.

AVIVA-Tipp: Die pr├Ązise und mitleidlose Zeichnung einer Generation und die Erz├Ąhlung dreier Frauenschicksale in "Shanghai Performance" entwickelt sich langsam aber unaufhaltsam zu einer Geschichte, deren Sog frau nicht entgehen kann.

Zur Autorin: Silke Scheuermann, geboren 1973 in Karlsruhe, lebt in Offenbach. Sie studierte Theater- und Literaturwissenschaften in Frankfurt, Leipzig und Paris und arbeitete am Germanistischen Institut der Universit├Ąt Frankfurt. Neben Kritiken ver├Âffentlicht sie Gedichte und Erz├Ąhlungen in Zeitschriften und Anthologien und erhielt mehrere Stipendien und Literaturpreise, darunter den Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt. 2006 war sie in der Jury des weltweit bedeutenden Preises f├╝r Kurzgeschichten, dem Frank OConnor International Short Story Award. Erz├Ąhlungen sammelte sie in dem 2005 erschienen Band "Reiche M├Ądchen". Ihr erster Roman "Die Stunde zwischen Hund und Wolf" entstand zwei Jahre darauf.

Silke Scheuermann
Shanghai Performance

Sch├Âffling & Co., erschienen Februar 2011
312 Seiten. Gebunden
19,95 Euro
ISBN: 978-3-89561-373-9

www.schoeffling.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Silke Scheuermann ÔÇô Reiche M├Ądchen

Literatur Beitrag vom 16.06.2011 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken