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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 18.08.2011

Ivan E. Coyote - Als das Cello vom Himmel fiel
Karin Plankl

Endlich ist der erste Roman von Ivan E. Coyote, der k.d. Lang der kanadischen Literatur, erschienen – ein hinreißender, tief bewegender Roman, der aus der Sicht eines Mannes erzählt wird, der ...



... miterlebt, wie seine Frau ihn wegen einer anderen Frau verlässt.

Wenn ein Cello vom Himmel fällt, ist das in erster Linie eine große Überraschung. Diese erlebt der Protagonist des im Frühjahr 2011 erschienen Buches, der Automechaniker Joey, als einer seiner Kunden ein Auto mit einem Cello bezahlen möchte. Joey lässt sich auf den Deal ein. Doch sein Geschäftspartner verhält sich daraufhin geheimnisvoll und unverständlich. Als Joey der Sache nachgeht, macht er eine Entdeckung, die ihn nicht mehr loslässt. Eine genau solche Überraschung erlebt auch die Leserin/der Leser dieses Buches. Denn: Überraschenderweise thematisiert der Roman der kanadischen Autorin Ivan E. Coyote nicht, wie man es sonst bei Büchern aus dem Hause Krug & Schadenberg kennt, lesbisches Leben mit seinen Licht- und Schattenseiten.

Die Hauptfigur ist ein Mann, der, nachdem ihn seine Frau verlassen hat, versucht, den Boden unter den Füßen wiederzufinden. Die Tatsache, dass ihn seine Frau für eine Frau verlassen hat, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Der Verlockung, hier dem heterosexuellen Protagonisten naheliegende Zweifel unter der Gürtellinie á la "Hab ich´s im Bett nicht gebracht" zuzuschreiben, erliegt Coyote erfreulicherweise nicht. Im Gegenteil: Joey versucht trotz des Trennungsschmerzes einen positiven Zugang zu seiner Exfrau und deren Freundin zu finden – was ihn unter anderem an seine gesundheitlichen Grenzen bringt. Dies ist Grund genug dafür, Joey nach Calgary aufbrechen zu lassen. Ein anderer Grund ist das Cello, das der spröde, zurückgezogen auf dem Land lebende Automechaniker so unverhofft sein eigen nennt. Er möchte lernen, es zu spielen. So ist das Cello hier mehr als nur Instrument – es ist auch Symbol für Joeys Weg zurück ins Leben.

Die Art und Weise, wie Coyote diese Geschichte erzählt, stringent, ohne Rückblenden, ohne Nebenschauplätze, ist rührend und beglückend zugleich. Sie ist zweifelsfrei eine meisterhafte Erzählerin, die es versteht, eine klare, wunderbar lesbare Sprache zu finden und dennoch das Gefühl vermittelt, bei der Lektüre hochwertige Literatur mit emotionalem und sozialpolitischem Tiefgang zu entdecken. Und Übersetzerin Andrea Krug versteht es wieder einmal ebenso meisterhaft, den Zauber des Textes auch für deutschsprachige Leserinnen und Leser einzufangen.

AVIVA-Tipp: Als das Cello vom Himmel fiel ist eine ungewöhnliche Geschichte, die so manche Leserin, manchen Leser überraschen wird. Es ist dem Verlag zu dem Risiko zu gratulieren, uns diesen Roman zugänglich gemacht zu haben. Im männerdominierten Literaturbetrieb hätte eine offen lesbisch lebende Frau wie Coyote wohl sonst nur schlechte Karten, ein Forum zu finden. Dem Buch Als das Cello vom Himmel fiel ist eine breite LeserInnenschaft zu wünschen – sie wird mit einem vorzüglichen literarischen Vergnügen belohnt.

Zur Autorin: Ivan E. Coyote, die k.d. lang der kanadischen Literatur, stammt aus Whitehorse, Yukon, im äußersten Nordwesten Kanadas. Sie hat bereits fünf Erzählbände veröffentlicht und mit Als das Cello vom Himel fiel nun ihren ersten Roman vorgelegt. Neben dem Schreiben hat sie sich auch als Spoken Word-Performerin einen Namen gemacht. Zurzeit lebt sie mit ihrer Partnerin in Vancouver. Weitere Infos und Kontakt unter: www.ivanecoyote.com und www.facebook.com/ivanecoyote


Ivan E. Coyote
Als das Cello vom Himmel fiel

Verlag Krug & Schadenberg, erschienen Februar 2011
Gebunden, 220 Seiten
ISBN: 978-3-930041-74-9
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 18.08.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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