Jutta Allmendinger - Verschenkte Potenziale, Bascha Mika - Die Feigheit der Frauen - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J√ľdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J√ľdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f√ľr das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: √ľber den Zur√ľck-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.02.2011

Jutta Allmendinger - Verschenkte Potenziale, Bascha Mika - Die Feigheit der Frauen
Evelyn Gaida

Allmendinger liefert die Zahlen und Strukturanalysen, Mika eine geballte Ladung Wut. Zur Diskussion trafen die Soziologieprofessorin und die ehemalige taz-Chefredakteurin am 16.02.2011 in der ...



... Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin unter dem Titel "Hart erk√§mpft, leichtfertig verspielt? Zum Stand der Gleichstellung, zu Rollenmustern und weiblichen Lebensl√§ufen in Deutschland" vor √ľber 800 Zuh√∂rerInnen zusammen.

Sie nehme das Streitangebot Mikas nicht an, sagte Allmendinger, Pr√§sidentin des Wissenschaftszentrums Berlin f√ľr Sozialforschung und Professorin an der Humboldt-Universit√§t, in ihrem einleitenden Vortrag ‚Äď und tat es doch. Leidenschaftlich und bewegt an diesem Abend die Wissenschaftlerin, entschieden, aber rhetorisch eher zur√ľckhaltend dagegen die Journalistin und Honorarprofessorin der Universit√§t der K√ľnste Berlin. Stellenweise hitzig, dabei beeindruckend fair, hochspannend und treffend die Diskussion.

Zum Hintergrund: Die aktuellen B√ľcher der beiden Autorinnen

Jutta Allmendinger - Verschenkte Potenziale? Lebensverläufe nicht erwerbstätiger Frauen

"Gleichstellung wird debattiert wie schon lange nicht mehr. Wann gab es zuletzt eine so lange w√§hrende frauenpolitische Debatte?", freute sich Er√∂ffnungsrednerin Dr. Christine Bergmann, Bundesministerin a.D. und Vorstandsmitglied der Friedrich-Ebert-Stiftung. Grund zur Freude die Aufmerksamkeit, ihr Seltenheitswert katastrophal. Die Belange der einen Bev√∂lkerungsh√§lfte f√ľhren ansonsten ein herablassend bel√§cheltes Schattendasein. In ihrer Studie widmet sich Jutta Allmendinger den 5,6 Mio. Frauen unter 60 Jahren in Deutschland, die nicht nur im Arbeitsmarkt, sondern auch in √∂ffentlichen Diskussionen au√üen vor bleiben. So zum Beispiel, wenn es um die Gewinnung fehlender Fachkr√§fte und den rapiden demografischen Wandel geht. 2 Mio. dieser Frauen sind nach Allmendingers Ergebnissen sehr gut ausgebildet und k√∂nnten dem Arbeitsmarkt sofort zur Verf√ľgung stehen.

"Und aus bist du"

Wer sich hierzulande f√ľr Kinder entscheidet, sieht sich der weitgehenden Unvereinbarkeit von Beruf und Familie gegen√ľbergestellt. Real davon betroffen sind vor allem Frauen: W√§hrend M√§nner "nur selten und kurze Erziehungs- und Pflegezeiten nehmen", "unterbrechen Frauen ihre Erwerbst√§tigkeit lange, um ihre Kinder zu erziehen oder ihre Eltern zu pflegen". Die Folgen sind Abh√§ngigkeit vom Unterhalt des Partners oder Transferleistungen des Staates sowie drastisch reduzierte Renten. 90% der nicht erwerbst√§tigen Frauen geben an, berufst√§tig sein zu wollen ‚Äď doch nur 13% gelingt der tats√§chliche Wiedereinstieg. Von diesen kehren nur 3% in eine Vollzeitbesch√§ftigung zur√ľck, √ľber die H√§lfte (53%) arbeitet Teilzeit, 44% wechseln in eine geringf√ľgige Besch√§ftigung. Finanziell tragbar sind Allmendinger zufolge in Deutschland nur zwei Wege: Ein Elternteil verzichtet zugunsten der Familie auf das eigene Markteinkommen oder umgekehrt, auf eine Familie zugunsten des eigenen Einkommens. Selbstverst√§ndlich n√§hmen auch nicht erwerbst√§tige Frauen "starke und wirkungsvolle Rollen" ein, entscheidend sei jedoch, ob freie Wahlm√∂glichkeiten vorhanden sind.

Gesellschaftliche und steuerliche Verortung von Frauen

Wovon sind diese Wahlm√∂glichkeiten abh√§ngig? "Verantwortlich zeichnet ein Geflecht von Institutionen und Kulturen, die √∂ffentliche Kinderbetreuung, besonders f√ľr Kinder unter drei Jahren, die finanzielle Unterst√ľtzung von Familien, Arbeitszeiten und Steuersysteme". Auf der individuellen Ebene sind vor allem das Alter, die Qualifikation und der vorher ausge√ľbte Beruf ausschlaggebend, so Allmendinger.
In der deutschen Gesellschaft, Kultur und Steuergesetzgebung gibt noch immer das sogenannte Zuverdienermodell den Ton an: Durch gemeinsame Versteuerung und Veranlagung beider PartnerInnen und Ehegattensplitting ist ein zweites gutes oder Vollzeiteinkommen nicht lukrativ. Laut Allmendinger sollte Steuersystemen zwar keine zu gro√üe Bedeutung beigemessen werden, aber sie "zeigen sehr deutlich an, wie Frauen gedacht und gesellschaftlich verortet werden ‚Äď als Zuverdienerin wie in Deutschland oder als eigenst√§ndige Verdienerin wie in Finnland und Schweden." Die Lohnungleichheit zwischen M√§nnern und Frauen tut ihr √úbriges, zudem das niedrige Lohnniveau klassischer Frauenberufe, die paradoxerweise von famili√§r ung√ľnstigen Arbeitsbedingungen und -zeiten gepr√§gt sind. Nur 11% der Frauen verf√ľgen √ľber ein h√∂heres Einkommen als ihre M√§nner, nur 6% sind in F√ľhrungspositionen von Unternehmen mit mehr als 500 MitarbeiterInnen zu finden, in mittelst√§ndischen Betrieben sind es 20%.

Frauen ‚Äď eine "Sondergruppe"

"Frauen wie M√§nner m√ľssen ihren eigenen Unterhalt sichern und Kinder erziehen k√∂nnen." Um diese Auffassung gesellschaftlich und kulturell zu verankern, fordert die Soziologin ununterbrochenes Werben der Politik. "Es muss hier einfach Ziel werden, dass man bei Frauen nicht an eine Sondergruppe denkt", zitiert Allmendinger eine Gespr√§chspartnerin aus der Bundesagentur f√ľr Arbeit.

V√§ter √ľbernehmen nur selten ihre Kinder

Als "Schl√ľssel" sieht Allmendinger die Kinderbetreuung. Eltern in L√§ndern wie Finnland und Schweden haben ein universelles Recht auf staatlich finanzierte Betreuung auch sehr kleiner Kinder oder alternativ die M√∂glichkeit, in den ersten Lebensjahren des Kindes Eltern- und Betreuungsgeld zu beziehen. In Deutschland sind nur die H√§lfte der Schulen Ganztagsschulen, sind die meisten Kinderg√§rten nicht ganztags ge√∂ffnet. Die Auswirkungen von Ganztagsbetreuung, besonders auf Kinder unter drei Jahren, bleiben dabei umstritten.

Allmendinger h√§lt es in ihrem Buch wiederholt fest: "Nach wie vor √ľbernehmen die V√§ter nur selten ihre Kinder." Die kulturelle Vorstellung sehe noch immer im Mann den Ern√§hrer und Hauptverdiener, was sich nach Angaben von Angestellten der Bundesagentur f√ľr Arbeit auch auf die Vermittlung von M√§nnern gegen√ľber Frauen niederschl√§gt. Hilfe m√ľsse insbesondere von M√ľttern aktiv eingefordert werden, "auch von ihren Partnern", so Allmendinger.

Politik und Arbeitgeber in der Pflicht

Zu langen Erwerbsunterbrechungen d√ľrfe es erst gar nicht kommen ‚Äď das Stichwort Pr√§vention ginge alle an. Die Politik w√ľrdige derweil solche langen Unterbrechungen, setze beim Unterhaltsrecht im Widerspruch dazu jedoch auf eigenst√§ndige Versorgung.
"Pr√§vention, Vereinbarkeit, Vermittlung ‚Äď ohne Arbeitgeber ist nichts von alledem zu verwirklichen." Die Professorin fordert eine "Humanisierung der Arbeitswelt", weg von der "Fiktion einer ununterbrochenen Besch√§ftigung" aus Sicht der ArbeitgeberInnen. Beide PartnerInnen k√∂nnten dann w√§hrend der Erziehung und Pflege ihre Arbeitszeit verringern und sp√§ter nacharbeiten. Angesichts rasanter Ver√§nderungen des Arbeitsmarktes m√ľssten auch Auszeiten f√ľr Weiterbildung zur Regel werden. Themen, die nicht nur das Familienressort betreffen, sondern im Hinblick auf Bildung, Arbeit und soziale Sicherung von nationalem Interesse sind, betont die Autorin. Wie wenig sie von einer m√§nnlich gepr√§gten Wirtschaft und Politik als solche behandelt werden, zeigt stattdessen, wie sehr Frauen mit Selbstverst√§ndlichkeit als Sondergruppe gelten. Das ist keine Selbstverst√§ndlichkeit, das ist ein Skandal.

Bascha Mika ‚Äď Die Feigheit der Frauen. Rollenfallen und Geiselmentalit√§t. Eine Streitschrift wider den Selbstbetrug

Skandal√∂s klingt es dann auch in Bascha Mikas Provokationsbuch: "Vielleicht hat sich das Bewusstsein gewandelt, aber kaum die Realit√§t. (‚Ķ) Wer dominiert in der Wirtschaft? Wer in der Politik? Und wer dominiert die privaten Beziehungen? Die Antwort ist klar: Wenn Macht bedeutet, den eigenen Willen durchsetzen zu k√∂nnen, l√§sst sich nur feststellen: Wir leben in einer m√§nnlich dominierten Gesellschaft ‚Äď wenn auch nicht mehr im Patriarchat. Deutschland ist in Sachen Emanzipation finsteres Entwicklungsgebiet. (‚Ķ) Unser politischer Einfluss ist l√§cherlich, unser √∂konomisches Drohpotential der reinste Witz und unsere gesellschaftliche Durchsetzungskraft geringer als die jeder B√ľrgerinitiative gegen einen Bahnhofsbau."

"Komfortzone" vs. "Schock der Außenwelt"?

Vorab ist zu sagen, dass Mikas Streitschrift ihre Funktion als solche klar erf√ľllt: Es ist ein aufst√∂rendes Buch, eine Herausforderung, Position zu beziehen, rasant und schlagkr√§ftig geschrieben, zielsicher den Finger in Wunden legend. Umso bedauerlicher ist es, dass die Autorin sich durch Widerspr√ľchlichkeiten und oftmals grobe Verflachung den Sprit gleich selbst wieder abdreht. Mika m√∂chte aufr√ľtteln, das ist un√ľbersehbar. Der Autorin zufolge sind Frauen also willf√§hrig sich unterwerfende Komplizinnen ihrer Unterdr√ľcker, die es sich dann doch lieber feige in der "Komfortzone" und traditionellen Rollenmustern gem√ľtlich machen, als sich dem "Schock der frischen, kalten Au√üenwelt" auszusetzen, oder, noch schlimmer, zu Hause mal auf den Tisch zu hauen. "Zwingt uns jemand, das m√§nnliche Streben ernster zu nehmen, als unser eigenes?" Laut Mika leben Frauen, die ihrem eigenen Anspruch an Karriere und Emanzipation nicht gerecht werden, "in Ohnmacht und Unterwerfung und tarnen dies als Autonomie."

Selbstkasteiung

In ihrem Eifer, Frauen aus der Unterwerfung zu rei√üen, bedient sich Mika gleich reihenweise althergebrachter m√§nnlicher Vorurteile: Frauen "f√ľrchten sich vor der Welt drau√üen und schaffen sich ihren Schutzraum drinnen. Sie w√§hlen die eigene Ohnmacht. Freiwillig." "Sich abh√§ngig zu machen, war schon immer ein weibliches Erfolgskonzept. (‚Ķ) √Ėffentlich haben wir der M√§nnergesellschaft den Kampf angesagt, heimlich profitieren wir von deren Bestand." "Auch in diesem Bereich (der Berufswelt, Anm. d. Red.) zeigt sich neben den m√§nnerdominierten Strukturen viel typisch weibliches Rollenverhalten, viel Feigheit und Kleinmut." Stellt sich unausweichlich die Frage: Was hat ein derartig charakterisierter H√ľhnerhaufen eigentlich in F√ľhrungspositionen verloren? Wenn das keine selbstkasteiende Unterwerfung der Autorin ist.

Emanzipation vs. Anpassung

Auch die √ľbliche Abwertung vorwiegend von Frauen geleisteter Familienarbeit kommt nicht zu kurz. Mikas Gleichungen sind dabei √§u√üerst vereinfacht: Kindererziehung und Hausarbeit = Verbl√∂dung, dummes Muttchen und Mit-mir-kann-man(n)¬īs-ja-machen. Beruf und Arbeitswelt = Selbstwert, Anerkennung und Unabh√§ngigkeit. Derma√üen undifferenziert geht der Wahrheitsgehalt fl√∂ten. Frauen sind nach dieser Logik die schlechteren M√§nner, M√§nner die besseren Frauen und eben nicht so doof, einen Gro√üteil ihrer kostbaren Zeit auf dem Spielplatz zu vergeuden oder sich zum Wischmopp zu degradieren. Da macht es auch wenig Sinn, gleichzeitig eine gr√∂√üere Beteiligung von M√§nnern in diesem Bereich einzuklagen. Seinen Selbstwert vorrangig √ľber beruflichen Erfolg und Gehalt zu definieren, ist dabei gegen√ľber typischen Rollenverteilungen auch nicht gerade revolution√§r neu, sondern ein ausgelatschter Stiefel> unz√§hliger M√§nner- und V√§tergenerationen. Niemand wolle laut Mika das m√§nnliche System kopieren, aber dieses Emanzipationsmodell riecht stark nach Anpassung. Ebenso wenig wollen Emanzipation und der Anti-Feigheitsdrill des Buches samt seiner suggestiven Wiederholungen zusammenpassen.

"Wollen wir frei und gleich sein?"

Unbestreitbar recht hat Mika, wenn sie festh√§lt: "Aber das kann doch nicht hei√üen, dass Frauen auf einen Beruf verzichten." Kann es nat√ľrlich nicht. Derweil ist ihre Frage "Wollen wir frei und gleich sein?" nur zur H√§lfte affirmativ zu beantworten: "Frei" unbedingt, "gleich" auf keinen Fall. Frauen wollen sich dem Ma√üstab des Mannes nicht angleichen oder sich daran orientieren, sondern als eigenst√§ndiger Ma√üstab gleichberechtigt und partnerschaftlich danebenstehen. Familienarbeit und -engagement sind gegen√ľber dem Beruf nicht ab-, sondern endlich aufzuwerten. F√ľr deren Vereinbarkeit, f√ľr die gleichen Rechte und Pflichten beider PartnerInnen in beiden Bereichen, f√ľr strukturelle Ver√§nderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die dazu unbedingt notwendig sind, m√ľssen Frauen auf politischer wie privater Ebene k√§mpfen. Das eigene Geschlecht als feige, bequem und opportunistisch abzuurteilen, ist dabei wenig hilfreich.

Rosa-Pest und Modelzucht

Bei aller Kritik darf die gro√üe St√§rke des Buches nicht unerw√§hnt bleiben: Mikas Ausf√ľhrungen zur Sozialisation, Erziehung und gesellschaftlichen Pr√§gung von Frauen. Was sie zu diesen Themen herausstellt, klingt weniger nach Feigheit, als nach einem kollektiv eingeimpften Minderwertigkeitskomplex, vielleicht entgegen Mikas eigener Intention. Rosa-Pest und Modelzucht, das sexistische "Grundrauschen" unserer Gesellschaft, das zum Alltag geworden ist, das Aggressionsverbot f√ľr Frauen per Versto√üungsdrohung, die Pflicht zum Mann an der Seite als unabdingbare Voraussetzung f√ľr die gesellschaftliche Anerkennung ‚Äď Mika kn√∂pft sie sich ebenso scharfsichtig wie scharfz√ľngig vor.

Jutta Allmendinger trifft Bascha Mika

Die Soziologin propagierte in der Friedrich-Ebert-Stiftung eine feministische √Ėkonomie gegen√ľber dem √∂konomischen Mainstream und √ľbte scharfe Kritik an Mikas Buch: Die "Blame the victim"-Argumentation halte sie f√ľr hochgradig problematisch. Die Diskussion √ľber feige Frauen bedeute einen politischen R√ľckschritt. Stattdessen solle es um konkrete politische Handlungsfelder und eine pr√§ventive Sozialpolitik gehen, die "Abreizsystemen" der Erwerbst√§tigkeit von Frauen entgegentritt. Frauen h√§tten oft keine M√∂glichkeit zur Vollzeiterwerbst√§tigkeit und passten sich den gegebenen Strukturen an, die von keiner Partei ernsthaft angepackt w√ľrden. Verlangt werde eine absolute Anpassung an die Arbeitswelt. "Es kann nicht darum gehen, dass wir Frauenleben zu M√§nnerleben machen." Die herrschende Anwesenheitskultur, in der M√§nnerb√ľndnisse erst um 2 Uhr morgens bei Cognac relevante Entscheidungen tr√§fen, m√ľsse sich √§ndern. Ein wichtiges Instrument daf√ľr sei die Frauenquote, denn mehr Frauen in F√ľhrungspositionen z√∂gen weitere Frauen nach sich. Kulturen k√∂nnten durch Ver√§nderung der Rahmenbedingungen transformiert werden, wie der Ost-West-Vergleich zeige (44% gleich verdienender Paarhaushalte in den neuen Bundesl√§ndern stehen 28% in den alten gegen√ľber.)

Mika konterte, die Argumentationen sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Quotendiskussion und ihr Buch h√§tten die Thematik erst wochenlang in den Medien gehalten. Das Private sei auch politisch, die gegebenen Strukturen m√ľssten auch im Privaten ver√§ndert, statt verfestigt werden. "Wir m√ľssen nicht die komplette Kinderarbeit √ľbernehmen." Es sei l√§cherlich, dass nur ein Viertel der V√§ter eine zweimonatige Elternzeit in Anspruch n√§hmen. Seit 40 Jahren werde √ľber Strukturen geredet, w√§hrend alte Rollenmuster hartn√§ckig fortbest√ľnden. Das Problem sei auch die Sozialisation von Frauen, die nicht gelernt h√§tten, ihre individuelle Unterordnung zu hinterfragen und als Teil des Systems handelten. Provokation sei notwendig, denn nur von Frauen selbst k√∂nne der Impuls zur Ver√§nderung ausgehen.

Zu den Autorinnen:

Jutta Allmendinger
, geboren 1956, ist Pr√§sidentin des Wissenschaftszentrums Berlin f√ľr Sozialforschung und Professorin an der Humboldt-Universit√§t zu Berlin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten z√§hlen Bildungssoziologie, Soziologie des Arbeitsmarktes, soziale Ungleichheit und deren Auswirkungen auf die Lebensverl√§ufe von Frauen. Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher B√ľcher. Zuletzt erschien von ihr "Frauen auf dem Sprung. Wie junge Frauen heute leben wollen" (2009). (Quelle: Campus Verlag)

Bascha Mika wurde 1954 in einem schlesischen Dorf in Polen geboren und √ľbersiedelte als Kind in die Bundesrepublik. Nach einer Banklehre studierte sie Germanistik, Philosophie und Ethnologie. Sie arbeitete als Redakteurin und Journalistin und ver√∂ffentlichte 1998 eine kritische Alice-Schwarzer-Biografie, die f√ľr gro√ües Aufsehen sorgte. Von 1999 bis 2009 war sie Chefredakteurin der taz. Heute ist sie Honorarprofessorin an der Universit√§t der K√ľnste, Berlin, und freie Publizistin. (Quelle: C. Bertelsmann Verlag)


Jutta Allmendinger
Verschenkte Potenziale? Lebensverläufe nicht erwerbstätiger Frauen

Campus Verlag, erschienen am 13.09.2010
Taschenbuch, 198 Seiten, 28 Abbildungen
EAN 9783593392660
16,90 Euro



Bascha Mika
Die Feigheit der Frauen. Rollenfallen und Geiselmentalität. Eine Streitschrift wider den Selbstbetrug

C. Bertelsmann Verlag, erschienen am 07.02.2011
Paperback, Klappenbroschur, 256 Seiten
ISBN: 978-3-570-10070-7
14,99 Euro

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.campus.de

www.randomhouse.de

www.wzb.eu

http://www.fes.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Jutta Allmendinger - Frauen auf dem Sprung. Wie Junge Frauen heute leben wollen. Die BRIGITTE-Studie

Journalistinnenbund e.V. veröffentlicht am 16. Februar 2011 Statement zur Quotendebatte

Gutachten zum ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung 2011 √ľbergeben - Resonanz und Reaktionen

N√§chster Equal Pay Day f√ľr den 25. M√§rz 2011 angek√ľndigt

Allein Erziehend, Doppelt Gefordert. Unterst√ľtzung, Vernetzung und Handlungsbedarf f√ľr Berlin - Fachtagung am 30. Juni 2010. AVIVA-Berlin war vor Ort

Zu wenig Vorbilder - Frauen in F√ľhrungspositionen 2010

Literatur Beitrag vom 28.02.2011 Evelyn Gaida 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken