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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.08.2008

Isabelle Azoulay - De Gaulle und ich
Sharon Adler

"Eine Geschichte aus Casablanca", so der Untertitel des Debuts von Isabelle Azoulay. Erzählt wird die Situation des marokkanischen Judentums vor dessen Exodus aus der Sicht des Jungen Marcel



Tradition und Vision

Vor der Kulisse Casablancas der fünfziger Jahre zeichnet die Autorin das Bild eines Volkes im Aufbruch. Die große Mehrheit der zweihunderttausend Juden Marokkos wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Israel aus. Einige konnten sich jedoch ein Leben in der Wüste nicht vorstellen und gingen entweder nach Amerika oder Kanada. Oder nach Frankreich, zu dem von ihnen bewunderten Charles de Gaulle.
Durch die Augen des heranwachsenden Marcel wird Exodus und Alija wie in Großaufnahme beleuchtet. Marcel ist ein alles beobachtender Eigenbrötler, der mit seiner jüdischen Großfamilie bereits außerhalb des Mellah, im europäischen Viertel lebt. Das Mellah ist das alte, bewachte und beschützte, jüdische Viertel der Stadt, in dem neben vielen anderen traditionsbewussten Juden auch Marcels Großeltern zu Hause sind.

"Es gab Dinge hinter den Dingen, die unsichtbar waren. Es sah allmählich so aus, als müsste man von morgens bis abends auf der Hut sein. Nichts war harmlos."

Symptomatisch für die Kluft zwischen Assimilation und dem Bewahren der Tradition ist der unbedingte Wunsch der Eltern, nach Frankreich zu emigrieren, während die älteste Schwester ins Gelobte Land aufbricht. "Der Alte", wie der Vater von Marcel insgeheim genannt wird, sorgt dafür, dass die Kinder Französisch-Unterricht, aber keine Bar Mizwa erhalten. Das Dictionnaire Larousse wird zum Wegweiser in eine bessere Welt.
Der nach Unabhängigkeit strebende Marcel leidet unter der Enge seines Elternhauses, das er mit fünf weiteren Geschwistern teilen muss. Nichts wünscht er sich mehr, als endlich einmal allein zu sein. Beinahe emotionslos schildert er die Situation in seiner Schule, die Beziehungen zwischen arabischen, jüdischen und kolonialfranzösischen Kindern, seltene Kinobesuche oder das erste erotische Verlangen. Ein Exkurs führt die Leserin in Rick´s Café Américain, in die Vichy-Jahre, die Zeit der deutschen Uniformen und der Résistance.

Die Autorin, Tochter eines sephardischen Juden aus Marokko und einer Französin, macht diese Szenerie erlebbar, indem sie plastisch und mit einem besonderen Blick für jedes Detail die LeserInnen teilhaben lässt am Alltag einer jüdischen Familie in Casablanca, die stellvertretend für viele andere eine Heimat gegen eine andere eintauschte.

Zur Autorin: Isabelle Azoulay (geb. 1961) wuchs in Paris auf, studierte an der Sorbonne und in Frankfurt am Main Soziologie und lebt heute in Berlin. Sie veröffentlichte bereits die soziologischen Studien "Phantastische Abgründe" (1996), "Die Gewalt des Gebärens" (1998) und "Schmerz" (2000), ist Gründerin der Berliner KünstlerInnengruppe "ImWestenWasNeues" und Initiatorin des ersten "Mobile Film Festivals" 2007. "De Gaulle und ich" ist ihr literarisches Debut. (Verlagsinformation)

AVIVA-Tipp: Keine homogene Erzählung, eher Fragmente, Erinnerungssequenzen sind es, die " De Gaulle und ich" zu einer Geschichte machen, die jede/r LeserIn auch nach der letzten Seite lange nicht vergessen wird. Schnörkellos und doch poetisch setzt Isabelle Azoulay diese Bilder zu einem Gesamtkunstwerk zusammen, ähnlich einem farbenfrohen Mosaik, welches erst aus einigem Abstand betrachtet seine ganze Bedeutung offenbart.

Isabelle Azoulay
De Gaulle und ich

Eine Geschichte aus Casablanca
Elfenbein Verlag, erschienen August 2008
ISBN: 978-3-932245-90-9
Gebunden, 192 Seiten, mit Lesebändchen
Preis: 19 Euro

Literatur Beitrag vom 22.08.2008 Sharon Adler 

   




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