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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 03.10.2008

Savyon Liebrecht - Die Frauen meines Vaters
»Nana« Nicole Wenger

Diese spannungsgeladene Geschichte eines Mannes, der sich in Dreiecksbeziehungen verliert, die seine Eltern einst gesponnen haben, berührt die innersten Bedürfnisse ....



...eines jeden Menschen: Selbstliebe, Heimat und Identität.

Me`ir, ein junger New Yorker Schriftsteller, hat ein gespaltenes Verhältnis zu sich, seinen ständig wechselnden Freundinnen und vor allem zu seiner Mutter. Der einstige Vertrauensbruch seiner Eltern hat sich tief in seine Psyche eingebrannt. Es ist die unbekannte Nähe, die ihn erstarren lässt und ihn blockiert. Me`ir ist sieben, als ihn seine Mutter vom vermeintlich totgeglauben Vater - einem mittellosen Schriftsteller und Frauenliebhaber - aus Israel nach Amerika holt.

Die Erinnerungen an seine Kindheit sind für den mittlerweile Dreißigjährigen nur schemenhaft. Als ihm seine Mutter offeriert, dass der totgeglaubte und totgeschwiegene Vater doch noch lebt und ihn ein letztes Mal zu sehen wünscht, wird bei Me`ir ein Erinnerungsprozess ausgelöst:

Allabendlich musste er als Junge vor den Fenstern des LiteratInnencafés Kassit ausharren, und jedes Mal hoffte er, dass sein Vater auf eine Frau treffen, die den beiden für ein paar Nächte ein warmes Bett anbieten würde. Sonst mussten sie in der Kellerbehausung des Onkels übernachten, der den Naziterror und seine Erlebnisse im Vernichtungslager nicht abschütteln konnte, und dessen Schreie und Verfolgungsfantasien allgegenwärtig waren. Israel wurde für den Überlebenden nie zu einem Ort der Geborgenheit und Sicherheit, und dennoch war er es, der eine enge Beziehung zu dem Jungen aufbauen konnte. Diese Wechselwirkungen von Ohnmacht und Macht, Vergangenheit und Gegenwart, Gut und Böse müssen von Liebrechts Figuren durchlebt und bewältigt werden. Es ist der schmale Grat zwischen den alternierenden Polaritäten, den die Autorin in ihrem literarischen Text beleuchtet.

So ist keiner der ProtagonistInnen nur Opfer oder nur Täter, und auch die zentrale Figur Me`irs zieht nicht durchgängig die Sympathie der LeserInnen auf sich, denn unschuldig sind meist nur Kinder und Narren. Me`irs fast krankhafte Distanz zu sich und anderen ist der Nährboden für seine Einsamkeit, der inneren Leere und seiner anhaltenden Schreibblockade: "Ihm [war] klar, dass die Frauen ihn in ihr Leben einluden, von dem er sich verschlingen und absorbieren ließ, als hätte er kein eigenes. [...] Die Hobbys der Frauen wurden zu seinen eigenen und änderten sich mit den Partnerinnen, als wäre er ein Chamäleon."
Vehement verdrängte Erinnerungen und das Tabuisieren der Vergangenheit verwehren ihm den Zugang zu seiner eigenen Geschichte und den Geschichten eines Dichters.

Liebrechts Figuren agieren in dieser Parabel wie in einem Spiegelkabinett. In verschiedenen Variationen, die sich immer wieder um die zentralen Themen Einsamkeit, Vertrauen und die (Un-)Fähigkeit zu lieben drehen, werden die Rollen kontinuierlich getauscht und in Frage gestellt: Der Sohn wird zum Beschützer seiner Eltern, der Verfolgte gewährt dem Verlassenen Obdach, und das Kellerloch wird zum Ort geborgener Kindheitserinnerungen.

Weiterlesen: "Zwillingsstern" von Eran Bar-Gil und "Ein guter Platz für die Nacht" von Savyon Liebrecht

Zur Autorin: Savyon Liebrecht wurde 1948 in München als Tochter polnisch-jüdischer Schoah-Überlebender geboren. Sie wuchs in Israel auf, studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. Schon ihr erster Erzählungsband "Äpfel aus der Wüste" und ihr Roman "Ein Mann und eine Frau und ein Mann" standen in Israel monatelang auf der Bestsellerliste. Savyon Liebrecht lebt In Tel Aviv. (Quelle: Verlagsinformationen)

AVIVA-Tipp: Ohne sich in Paraphrasen und Schnörkeln zu verlieren, wird der LeserIn dieser Entwicklungsroman und sein Protagonist ans Herz gelegt. LeserInnen, die sich auf eine schwierige, mitunter schwer verdauliche Familiengeschichte und auf Elemente eines Psychothrillers einlassen, werden den Roman zu schätzen wissen. Literatur, die unter die Haut geht!

Savyon Liebrecht
Die Frauen meines Vaters

Originaltitel: HaNaschim Schel Aba
Aus dem Hebräischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling
Deutscher Taschenbuch Verlag, März 2008
Broschiert, 295 Seiten
ISBN: 978-3423246262
15,00 Euro

Literatur Beitrag vom 03.10.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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